Fehlende Goldmedaille verschmerzbar
Österreichs Nordische Kombinierer haben am Samstag mit einem emotionalen Highlight die Weltmeisterschaften in Val di Fiemme beendet. Bernhard Gruber und Wilhelm Denifl holten im erstmals ausgetragenen WM-Team-Sprint Silber und konnten ihr Glück danach kaum fassen. Mit insgesamt drei WM-Silbermedaillen war Cheftrainer Christoph Eugen zufrieden.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
„Nach dem Springen haben wir nicht erwarten können, dass wir so lange um Gold mitfighten“, freute sich Eugen, der in seine erste WM in dieser Funktion ohne Erwartungen gegangen war. „Ich habe gewusst, wir haben im Vorfeld ganz gute Leistungen gebracht. Es scheint, wir haben die Form ganz gut hingetimt“, erklärte Eugen unmittelbar nach dem dritten WM-Silber in Lago di Tesero.
Toller Auftakt durch Stecher
Der tolle Start mit überraschendem Einzel-Silber durch Mario Stecher, der nach einer Knieoperation in einem mitreißenden Sprint zwei Deutsche hinter sich ließ, war natürlich eine Erleichterung. Eugen: „Das war ein Riesenvorteil. Dann ist alles viel besser ins Laufen gekommen.“ Gruber holte sich dann im Einzel von der Großschanze Silber, ehe er gemeinsam mit seinem Freund Denifl auch im Schlussbewerb noch einmal zuschlug.
Dass die beiden jüngeren der arrivierten ÖSV-Kombinierer zugeschlagen haben, ist wohl auch für die Zeit nach den Olympischen Spielen - wenn ein Mario Stecher und Christoph Bieler ihre Karrieren wohl beenden werden - ein wichtiges Lebenszeichen. Dann wird es aber Zeit für den Nachwuchs. „Wir hatten heuer schon ganz gute Einzelerfolge bei den Jungen, aber um an die Spitze heranzukommen, haben wir schon noch einiges zu tun“, gestand Eugen.
Denifl letztlich überglücklich
Dass es im Team-Bewerb (Rang fünf) nicht mit Edelmetall geklappt hat, mutet im Nachhinein fast eigenartig an. „Eigentlich war es im Viererteam - man sagt es zwar nicht - fast aufgelegt, dass wir eine machen“, wunderte sich auch Denifl. Doch der Stubaier schwebte, zehn Jahre nach Team-Gold im Fleimstal, auf Wolke sieben. „Vor der Saison hat gar keiner gemeint, dass ich vorne dabei bin“, erinnerte sich Denifl, der mit Tränen in den Augen zu seiner überraschend eingetroffenen Familie gelaufen war.
„Damit habe ich nie gerechnet. Es war genial, dass ich den Einsatz kriege“, sagte Denifl, der sich als Läufer ein bisschen unterschätzt fühlt. Doch nun schlug gerade er im laufintensivsten (Intervall-)Rennen zu. „Eigentlich haben wir in den Bewerben Medaillen geholt, wo es am schwersten war“, rekapitulierte Denifl. „Dass ich in diesem Laufbewerb aufgestellt worden bin, bedeutet mir brutal viel.“
„Herz in die Hand genommen“
Der doppelte Vizeweltmeister Gruber war ebenfalls sehr emotional. Dabei hatte er nach dem Sprung noch sehr negativ gewirkt, doch Denifl baute seinen Teamkollegen auf. „Ich muss mich damit abfinden: Wenn wir nicht so optimal springen, brauchen wir uns auch im Laufen nicht verstecken. Die anderen sind auch keine Übermenschen“, erklärte der 30-jährige Salzburger.
Dieses Silber zeuge von guter Arbeit. „Wir haben beim Laufen das Herz in die Hand genommen. Wir freuen uns so miteinander und haben uns so oft umarmt, weil wir es uns gegenseitig so vergönnen. Es ist ein Traumtag“, sagte Gruber strahlend. Mit dieser Bilanz im Gepäck dürfen die Kombinierer dem nächsten Großereignis - den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 - mit Selbstvertrauen entgegenblicken. „Das wird schwer zu toppen sein“, weiß auch Eugen.
Links: