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Kritik und wilde Theorien

Red Bull ist mit den angekündigten Verbesserungen an den Formel-1-Reifen durch den Hersteller Pirelli nicht restlos zufrieden. Die Italiener liefern ab dem Europaauftakt in eineinhalb Wochen in Barcelona (12. Mai) lediglich einen stabileren harten Reifen, die restlichen Mischungen bleiben unverändert.

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„Wir wollen einen Reifen, der unser Potenzial nicht einschränkt“, erklärte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko am Montag bei der Tagung österreichischer Sportjournalisten (Sports Media Austria) auf dem Red Bull Ring in Spielberg. „So bald wie möglich. Es sollte so sein, dass man aus dem Auto das Optimum herausholen kann.“

Motorsportberater Helmut Marko (Red Bull)

GEPA/Christian Walgram

In der Reifenfrage kann sich Helmut Marko noch nicht zurücklehnen

Wilde Theorien zur Reifenfrage

In den letzten Wochen wurden alle möglichen Theorien und Verdächtigungen aufgestellt, warum etwa Lotus und Ferrari besser mit den Pirelli-Pneus zurechtkommen als etwa Red Bull. So hätten etwa die beiden Pirelli-Testfahrer Jaime Alguersuari und Lucas di Grassi ihre Ferrari-Landsleute Fernando Alonso und Felipe Masse frühzeitig über die Ergebnisse der Reifentests informiert. Im Falle der Spanier eher unwahrscheinlich. Alguersuari und Alonso sollen kein Wort miteinander sprechen.

Außerdem sei das aktuelle Testfahrzeug von Pirelli ein Renault R30 aus dem Jahr 2010. Der Lotus E21 von Kimi Räikkönen und Co. ist eine nur unwesentlich veränderte Weiterentwicklung. Alles weit hergeholte Theorien, denn laut Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery ist es nur schwer möglich, mündliche Erfahrungsberichte umgehend in das Design eines Autos einfließen zu lassen. Mit dem alten Renault fahre man, weil kein Formel-1-Team einen Wagen zu Testzwecken zur Verfügung stellen wollte.

Kompromiss gesucht

Das Management der sensiblen Gummis beeinflusst jedenfalls weiterhin sämtliche Strategien. Die „Bullen“ mussten ihren aerodynamisch besonders ausgereizten RB9 sogar zurückbauen, um die Pneus nicht zu überlasten. „Wenn wir unser volles Potenzial ausnutzen, haben wir nicht einmal im Qualifying auf den letzten Metern mehr den besten Reifen“, betonte Marko. „Derzeit ist es ein Kompromiss. Man muss das Auto immer so abstimmen, dass man mit möglichst wenigen Boxenstopps auskommt.“

„Wir haben zwei Toppiloten, das ist nicht gerade billig“, erinnerte Marko. „Dann muss man ihnen sagen, dass sie einige Ecken nicht voll fahren dürfen, das ist nicht einfach. Das wirkt wettbewerbsverzerrend, vom Sicherheitsgedanken ist da noch gar nicht zu reden.“

„Reifen ist unvorhersehbar“

„Der Reifen ist unvorhersehbar. Manche Chassis verarbeiten die Situation besser, manche schlechter“, erklärte Marko. Dadurch ergibt sich auch das aktuelle Kräfteverhältnis. Der Lotus von Räikkönen, Vettels erstem WM-Verfolger, geht etwa vergleichsweise schonend mit den Pneus um. „Lotus scheint auf allen Strecken schnell zu sein“, warnte Marko.

Der auch im Vergleich zur Vorsaison höhere Reifenverschleiß war in der Formel 1 von oberster Stelle angeregt worden. Pirelli hat aber über das Ziel hinausgeschossen. Das Update für Spanien dürfte nur geringe Besserung bringen, kommt die einzige davon betroffene Mischung (hart) doch in den folgenden Rennen in Monaco und Kanada gar nicht zum Einsatz.

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