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„Bin stolz, dass es funktioniert hat“

Die Wiener Austria hat ihren neuen Steuermann präsentiert. Nenad Bjelica soll beim Meister dort fortfahren, wo er mit dem RZ Pellets WAC aufgehört hat. „Wenn wir alle an einem Strang ziehen, werden wir Großartiges erreichen“, sagte der Kroate am Montag bei seiner Präsentation in Wien. Das Ziel ist die Qualifikation für die Gruppenphase eines europäischen Bewerbs - auch auf Kosten der Sympathie.

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Erst am vergangenen Samstag hatte es laut Bjelica und Austria-Sportvorstand Thomas Parits das erste Gespräch gegeben, am Abend war der Wechsel des Trainers von Wolfsberg nach Wien fix. „Um 20.00 Uhr waren wir uns dann einig. Ich bin stolz, dass es funktioniert hat“, sagte Bjelica. Der 41-Jährige führte den WAC in drei Jahren aus der Regionalliga bis auf Rang fünf der Bundesliga.

Daher schlug Parits zu, als ihm die erschwingliche Ablöse Bjelicas zu Ohren gekommen war. „Er bevorzugt offensiven Fußball. Ich bin überzeugt, dass er sehr gut bei uns hineinpasst“, so der Austria-Vorstand, „bei Spielen gegen seine Mannschaft, war bei unserm Trainerteam immer die Meinung, er spielt genauso wie wir.“ Parits bedankte sich auch bei WAC-Boss Dietmar Riegler für die Einhaltung der mündlich vereinbarten Ablösebedingungen.

Verlängerung bei Europacup-Startplatz

Der Vertrag des Nachfolgers von Meistertrainer Peter Stöger läuft vorerst für zwei Jahre. Beim Erreichen eines Europacup-Startplatzes in der kommenden Bundesliga-Saison greift die Option auf ein weiteres Jahr im Vertrag des Kroaten. Europa ist auch das Stichwort in Sachen Ziel. „Ziel der Austria muss es sein, in Europa zu spielen“, sagte Bjelica. In der Qualifikation zur Champions League kann sich der Neo-Trainer mit seiner Mannschaft erstmals beweisen. Sollte der Sprung in die Gruppenphase der Königsklasse nicht gelingen, ist zumindest der Einzug in die Gruppenphase der Europa League Pflicht.

Generalmanager Thomas Parits und Trainer Trainer Nenad Bjelica (Austria)

GEPA/Christian Ort

Bei seiner Präsentation ließ sich Bjelica (r.) sogar ein Lächeln entlocken

Um das Ziel Europa zu erreichen, soll Bjelica auch noch ein oder zwei Verstärkungen bekommen - aber nicht von seinem bisherigen Arbeitgeber Wolfsberg. „Weil ich sie nicht schwächer machen will“, so der neue Austria-Trainer, der die Entscheidung pro Wien und gegen Wolfsberg als „das Schlimmste, was ich in meiner Karriere je gemacht habe“ bezeichnete. Das gute Verhältnis mit WAC-Boss Riegler habe die Entscheidung nicht leicht gemacht. Doch eine höhere Stufe in der Karriereleiter wollte sich Bjelica nicht entgehen lassen: „Wenn man sich steigern will, dann muss man ein solches Angebot annehmen.“

Wer nicht mitzieht, fliegt

Bei der Austria verspricht Bjelica vollsten Einsatz und setzt auf Teamarbeit. „Wer im Team mitarbeiten will, ist immer willkommen“, sagte der Trainer. Wer den Weg des Kroaten allerdings nicht mitgehen will, der sollte sich besser jetzt schon um eine Alternative umsehen. Denn Sonderbehandlungen, egal ob für Spieler oder Mitarbeiter, wird es von Bjelica nicht geben. „Es ist der erste Schritt zum Scheitern, wenn man es jedem recht machen will“, so der Trainer.

Mögliche Abzüge in der Sympathiewertung sind ihm egal. „Es ist mir lieber, ich bin ein erfolgreicher als ein sympathischer Mensch“, sagte der neunfache kroatische Teamspieler bei seiner Präsentation, „denn meine Familie lebt davon, dass ich erfolgreich bin.“ Und die Erfolge mit dem WAC geben Bjelica recht. Immerhin fügten die Kärntner in der abgelaufenen Meisterschaft der Austria mit einem 4:0 in der Generali Arena die höchste Niederlage der Saison zu.

Bei seinem neuen Arbeitgeber plant Bjelica im Trainerstab keinen groben Umbruch. Stögers rechte Hand Manfred Schmid wird nach seiner ausgebliebenen Beförderung zum Cheftrainer den Verein verlassen. Bjelica wird Kärnten auch nach seinem Abgang verbunden sein. Denn obwohl der Kroate nach Wien zieht, bleibt die Familie des Trainers in Klagenfurt.

Trainer Nenad Bjelica und Co-Trainer Slobodan Grubor

GEPA/Felix Roittner

Bjelicas bisheriger Assistent Grubor (r.) wird Cheftrainer beim WAC

Aragones als prägende Figur

Als Coach hat Bjelica kein bestimmtes Vorbild. Seine Trainerphilosophie bastelte sich der Kroate im Laufe seiner Spielerkarriere zusammen, die ihn über Kroatien (Osijek) nach Spanien (Albacete, Betis Sevilla, Las Palmas), Deutschland (Kaiserslautern) und schließlich Österreich (Admira, FC Kärnten) führte. Besonders einprägsam war die Bekanntschaft mit Luis Aragones bei Betis Sevilla. „Er war eine echte Vaterfigur, der für seine Spieler gestorben wäre. Alle Spieler haben ihn sehr geschätzt“, sagte Bjelica über den mittlerweile 74-Jährigen, der Spanien 2008 zum Europameistertitel geführt hatte.

Großen Einfluss auf den WAC-Betreuer hatten auch Eric Gerets und Kurt Jara jeweils bei Kaiserslautern sowie Benito Floro bei Albacete. Am Ende entwickelte sich laut Bjelica nicht nur eine Vorliebe zum Angriffsfußball. „Ich habe auch gelernt, richtig mit Spielern umzugehen - mit freundlicher Autorität“, meinte der 41-Jährige, der seine längerfristige Zukunft abseits der österreichischen Liga sieht. „Mein großes Ziel ist es, in die deutsche Bundesliga zu kommen“, hat Bjelica im März erklärt.

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