„Hätten zweistellig gewinnen können“
Red Bull Salzburg hat sich am Donnerstag im Hinspiel des Europa-League-Play-off vor eigenem Publikum die Frustration der letzten Spiele von der Seele geschossen. Vor allem das bittere Aus gegen Fenerbahce Istanbul in der Champions-League-Qualifikation hatte am Selbstvertrauen der „Bullen“ genagt. Büßen musste dafür Schalgiris Vilnius. Die Litauer wurden mit 5:0 deklassiert.
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Der gut aufgelegte Jonatan Soriano ebnete vor 7.900 Fans dem spielerisch klar überlegenen heimischen Tabellenführer im Duell mit dem litauischen mit seinen drei Treffern (29., 37. und 63.) den Weg zum Kantersieg. Der volley unter die Latte beförderte Ball in der 63. Minute war bereits der 48. Pflichtspieltreffer des Spaniers für die Salzburger. Sadio Mane (40.) nach Soriano-Vorarbeit und Martin Hinteregger (68.) steuerten die weiteren Treffer bei. Der Ballbesitz für die Salzburger lag bei gefühlten 95 Prozent.
Lehrspiel für Schalgiris
Das Rückspiel nächste Woche in Litauen (29. August, 20.30 Uhr MESZ, live in ORF eins) ist damit wohl nur noch Formsache, der vierte Einzug in die Gruppenphase nach 2009, 2010 und 2011 scheint gesichert. Das wollte natürlich keiner der Beteiligten aus Respekt vor dem Gegner direkt aussprechen, wenn auch bei Salzburg in Wahrheit niemand glaubt, dass beim Spiel in Vilnius noch etwas schiefgehen könnte. Zu überlegen agierten die Salzburger, wie auch Schalgiris-Trainer Marek Zub in einem - für heimische Teams recht seltenen - Lob zugab.

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Trainer Schmidt konnte sich über einen gelungenen Europacup-Abend freuen
„Natürlich war da ein Klassenunterschied, wir spielen nicht auf diesem Niveau. Ich bin froh, dass meine Spieler 90 Minuten probiert haben, hier mitzuhalten. Es war eine Lektion für uns, und wir wissen jetzt genau, was es heißt, Fußball mit ein, zwei Berührungen zu spielen. Das war wichtig. Wir haben zwar fünf Tore bekommen, aber als Trainer versuche ich natürlich auch die positiven Dinge daraus zu lernen. Wir wissen jetzt, wo wir stehen. Vielleicht gelingt es uns dann beim nächsten Mal, eine österreichische Mannschaft zu schlagen“, so Zub.
Angriff ist die beste Verteidigung
Seine Mannschaft habe sich 25 Minuten gut verkauft, habe aber nach dem ersten Tor die Konzentration verloren. Die „Bullen“ bestimmten von der ersten Sekunde an klar das Geschehen, rollende Angriffe und eine Vielzahl an guten Möglichkeiten waren die Folge. Es dauerte aber bis zur 29. Minute, ehe Soriano den Bann brach und wenige Minuten später auch das 2:0 erzielte. Für den Halbzeitstand von 3:0 war dann Mane nach herrlichem Lupfer von Soriano zuständig.
Auch nach der Pause änderte sich am Spielverlauf nichts, die Salzburger drückten weiter, kamen noch zu weiteren zwei Toren, imponierten durch frühes Attackieren, gutes Kurzpassspiel, viele schön herausgespielte Chancen und landeten einen auch in dieser Höhe verdienten Sieg. Salzburg-Trainer Roger Schmidt hob danach die Leistung der beiden „Sechser“ Stefan Ilsanker und Stefan Hierländer hervor, die dafür sorgten, dass die litauischen Angriffe kaum als solche zu bezeichnen waren.
„Unsere Präsenz hat den Gegner eingeschüchtert“
„Heute hätten wir sogar zweistellig gewinnen können“, meinte ein sichtlich zufriedener Ilsanker nach dem Spiel zu den wartenden Journalisten, wollte damit aber die Zufriedenheit über das klare Ergebnis nicht trüben. „Aber bei 5:0 gibt es keinen Ärger über vergebene Torchancen“, so der 24-jährige Mittelfeldabräumer, der die Dominanz der Salzburger so erklärte: „Es war sicher unsere Präsenz auf dem Platz, von hinten bis vorne, die den Gegner eingeschüchtert hat.“

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Ilsanker als Zuschauer im Getümmel, Hinteregger setzt den Schlusspunkt
Auch wenn die Mannschaft nach dem Spiel gemeinsam mit den Fans die Torfestspiele und den praktisch sicheren Aufstieg in die Gruppenphase noch auf dem Feld ausgiebig feierte, wollte Ilsanker im Interview dann nicht in verfrühten Jubel ausbrechen. „Gemütlich wird das Rückspiel nicht, aber wir wollen auch dort bereits in der Offensive attackieren. So gesehen gibt es schon eine Vorfreude auf das Rückspiel“, so Ilsanker.
Schmidt: „Nicht vom Glück verfolgt“
Mit viel Laufarbeit, gutem Zweikampfverhalten und größerer individueller Klasse wurde Schalgiris in die Defensive gezwungen, kein Spielaufbau zugelassen. Andre Ramalho und Hinteregger im Abwehrzentrum standen sicher, über die Flanken sorgten Andreas Ulmer und Florian Klein für Druck, in der Mitte machten eben Ilsanker und Hierländer den Litauern das Leben schwer, und vorne ließen Kevin Kampl, Soriano, Mane und Alan Ball und Gegner laufen. Tormann Peter Gulacsi wurde nicht geprüft.
Für Trainer Schmidt alles in allem genügend Gründe, zufrieden zu sein, auch wenn er seine Mannschaft noch effizienter sehen möchte: „Ich bin erleichtert, wir haben ja hier schon so einiges erlebt“, meinte der 46-jährige Deutsche in Anspielung auf die Jahrhundertblamage letzten Sommer gegen den Luxemburger Club Düdelingen in der CL-Qualifikation. Auch das Aus gegen Fenerbahce nagte noch an ihm. „Wir waren ja nicht vom Glück verfolgt, sind gegen Fenerbahce extrem unglücklich ausgeschieden, obwohl wir zweimal die bessere Mannschaft waren.“
Torhungrige Salzburger
Diesmal war alles anders. Die Tore fielen auf der richtigen Seite. Drei Tore bei 8:0 Torschüssen zugunsten der Hausherren zeigten den Klassenunterschied zur Pause auf. „Ich bin zufrieden, dass die Mannschaft befreit aufgespielt hat und von der ersten Minute an gezeigt hat, wie wichtig es ihr ist, international zu spielen. Wir haben nicht verkrampft, waren von Beginn an auf der Jagd nach Toren. Wichtig war auch, dass wir hinten stabil waren“, meinte Schmidt, der auch auf die kontinuierliche spielerische Weiterentwicklung seiner Mannschaft verwies.
Auch Torjäger Soriano, der 2012 von Barcelonas B-Team nach Salzburg gekommen war, hat sich zum erhofften Torgaranten entwickelt. „Jonny fühlt sich bei uns wohl“, so Schmidt, „unsere Spielweise kommt ihm entgegen.“ Ob Soriano auch im Rückspiel eingesetzt wird oder ob angesichts des großen Vorsprungs und des folgenden Ligaschlagers gegen Rapid (1. September, 16.30 Uhr, live in ORF eins) nächsten Donnerstag fleißig rotiert wird, wollte Schmidt offenlassen. Er sagte aber lächelnd: „Wir haben eine super Ausgangsposition. Jetzt machen wir in Vilnius den zweiten Schritt und dann freuen wir uns auf die Gruppenphase.“
Martin Wagner, ORF.at aus Salzburg
UEFA Europa League, Play-off-Hinspiel
Donnerstag:
Salzburg - Schalgiris 5:0 (3:0)
Stadion Wals-Siezenheim, 7.885 Zuschauer, SR Stavrev (MKD)
Torfolge:
1:0 Soriano (29.)
2:0 Soriano (37.)
3:0 Mane (40.)
4:0 Soriano (63.)
5:0 Hinteregger (68.)
Salzburg: Gulacsi - Klein, Ramalho, Hinteregger, Ulmer - Kampl (89./Leitgeb), Hierländer, Ilsanker, Mane (78./Meilinger) - Alan, Soriano (67./Berisha)
Schalgiris: Vitkauskas - Freidgeimas, Peric, Skerla, Vaitkunas - Zulpa - Leliuga (46./Janusauskas), Komolow, Kuklys (79./Zagurskas), Silenas (46./Nyuiadzi) - Bilinski
Gelbe Karten: Keine bzw. Skerla, Komolow
Die Besten: Kampl, Soriano, Hinteregger, Alan bzw. Vitkauskas
Rückspiel am 29. August in Vilnius
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