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Bewegte Amtszeit geht zu Ende

Am Dienstag geht die zwölfjährige Amtszeit von IOC-Präsident Jacques Rogge zu Ende. Sein größtes Verdienst? Der Belgier hat der Organisation nach dem größten Bestechungsskandal der IOC-Geschichte seine Glaubwürdigkeit zurückgegeben.

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Sein Büro im Lausanner IOC-Hauptquartier hat Jacques Rogge bereits säuberlich ausgeräumt. Auch den emotionalen Abschied von seinen langjährigen Angestellten und den Umzug zurück in seine belgische Heimat hat der 71-Jährige schon hinter sich. „Ich sehe schon die Ziellinie und das Banner, auf dem steht: 10. September 2013“, sagte der IOC-Präsident.

„Natürlich hätte man alles noch besser machen können, aber ich denke, ich habe meine Aufgabe erfüllt und übergebe das IOC in sehr gutem Zustand.“ Seine zwölfjährige Amtszeit geht am Dienstag mit der Wahl seines Nachfolgers bei der 125. IOC-Vollversammlung in Buenos Aires zu Ende.

Stolz auf das Erreichte

Mit großer Selbstdisziplin und letzter Kraft scheint sich der „Ober-Olympier“ ins Ziel zu schleppen. Rogge wirkt auch in Buenos Aires angeschlagen und erschöpft, will aber von Erleichterung nicht sprechen. „Erleichterung trifft es nicht, weil ich nie überlastet war“, analysierte der Steuermann des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Er sei stolz auf das Erreichte, und er gehe ohne Wehmut.

IOC-Präsident Jacques Rogge

APA/AP/Natacha Pisarenko

Die Amtszeit Rogges endet nach zwölf Jahren

Rogge geht als Stabilisator, der den Ringe-Orden nach dem größten Bestechungsskandal der IOC-Geschichte aus der Glaubwürdigkeitskrise geführt hat. Rogge stand vor allem für die neue Tadellosigkeit. Ein visionärer Erneuerer war er nicht.

„Pflicht erfüllt“

„Ich habe meine Pflicht erfüllt“, sagte der Belgier am Mittwochabend nach der Sitzung der Exekutive. Er sei sehr glücklich, in seiner Ära sechs Olympische Spiele und zwei Jugendspiele miterlebt zu haben, die den Athleten ideale Bedingungen geboten hätten. „Das war die größte Belohnung für mich“, sagte Rogge und lobte zugleich die Fortschritte des IOC im Kampf gegen Doping: „Es ist viel schwerer, heute zu dopen als vor zehn Jahren.“

Der ehemalige Chirurg und Orthopäde trat mit ambitionierten Plänen an, als er am 16. Juli 2001 als achter IOC-Chef die Regentschaft von Juan Antonio Samaranch übernahm. Er wollte den Dopingsumpf trockenlegen, die Kostenexplosion eindämmen, die Wettmanipulation bekämpfen, das olympische Programm modernisieren und die Frauenquote erhöhen.

Lob von Bach und Stoss

„Ich bewundere an ihm, wie zielstrebig und konsequent er seinen Weg gegangen ist, und das nicht nur beim Kampf gegen Doping“, meinte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, der unter Rogge zehn Jahre als IOC-Vizepräsident gedient hat. „Er hat die Jugendspiele gegen großen Widerstand etabliert und gegen viele Skeptiker die IOC-Aufnahme in die UN mit Beobachterstatus durchgesetzt. Da hat er sich nicht beirren lassen.“

Karl Stoss, Präsident des Österreichischen Olympischen Comites (ÖOC), will die IOC-Session in Buenos Aires nützen, um „Rogge in gebührender Form zu verabschieden. Er hat einen wirklich vorbildlichen Job gemacht und uns bei den Olympischen Jugend-Winterspielen in Innsbruck sehr unterstützt. Die Zusammenarbeit hätte besser nicht sein können“, bekräftigte der ÖOC-Boss.

Zahlreiche Höhen und Tiefen

Sechs Olympische Spiele (Salt Lake City 2002, Athen 2004, Turin 2006, Peking 2008, Vancouver 2010, London 2012) hat Jacques Rogge als IOC-Präsident mitgestaltet - und dabei einen Wandel vom Idealisten zum Pragmatiker durchgemacht. Das unvergessliche Spektakel in London war das feierliche Finale seiner Olympiaabenteuer - der Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili vor der Eröffnungsfeier der Vancouver-Spiele der traurige Tiefpunkt seiner Präsidentenlaufbahn.

Bereits vor seiner Wiederwahl 2009 in Kopenhagen mit überwältigender Zustimmung der IOC-Kollegen musste Rogge bittere Niederlagen einstecken. Vor den nervenaufreibenden Spielen in Peking, die er von seinem Vorgänger Samaranch „geerbt“ hatte, wehte dem ehemaligen Olympiasegler so viel Gegenwind ins Gesicht, dass er sogar öffentlich eine Krise eingestand. Die Vorwürfe einer Führungsschwäche trafen ihn schwer. Er habe ohnmächtig die Teilenteignung der Spiele gestattet, sich mit der Staatsmacht arrangiert, Menschenrechtsverletzungen und Pressezensur akzeptiert und die von gewalttätigen Angriffen begleitete Welttour des olympischen Feuers geduldet.

Auch die Vergabe der Retortenspiele 2014 an Sotschi, an Wladimir Putin und dessen Oligarchenfreunde, wurde Rogge vorgehalten. Dabei war der Kurswechsel längst vollzogen. Wie Samaranch trieb auch der bescheidene Belgier den olympischen Kommerz voran und setzte auf Big Business. „Wir haben 900 Millionen Dollar auf unserem Festgeldkonto“, verkündete er.

Historische Premiere

Genauso beharrlich setzte er sich für die olympische Gleichberechtigung ein, die er neben dem Kampf gegen die Dopingseuche und der Einführung der Olympischen Jugendspiele als Vermächtnis hinterlässt. Durch die Aufnahme von Frauen-Boxen ins Programm konnte sich Rogge sogar für eine historische Premiere feiern lassen. In London waren in jeder Sportart Frauen am Start, alle 204 teilnehmenden Länder - auch Saudi-Arabien - hatten mindestens eine Athletin in ihrem Olympiateam. „Das war ein Meilenstein“, analysierte der Grandseigneur aus Gent.

Stillstand bei Programmpolitik

Ausgerechnet kurz vor seinem Ausscheiden ist er mit seiner groß angekündigten Programmpolitik weitgehend gescheitert. Rogge hat zwar das olympische Comeback von Golf und Rugby ermöglicht, aber kein brauchbares System für die überfällige Aktualisierung der Sommerspiele entwickelt. Er wollte ganze Sportarten austauschen statt einzelne Disziplinen zu streichen und damit Platz zu machen für Trendsetter. So wird Ringen wohl doch olympisch bleiben - obwohl die IOC-Exekutive dem Traditionssport vor sieben Monaten den Olympiastatus aberkennen wollte.

Alle sechs Präsidentschaftskandidaten haben angekündigt, die Überarbeitung des Programms anders gestalten zu wollen - eine indirekte Rüge für Rogge. Für die Nachfolge des 71-jährigen Belgiers kandidieren: Thomas Bach (GER), Sergej Bubka (UKR), Richard Carrion (Puerto Rico), Wu Ching Kuo (China), Ng Ser Miang (Singapur) und Denis Oswald (SUI).

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