Der „einsame Wolf“ ist weicher geworden
Einer der Größten des Skisports begeht am Montag seinen 75. Geburtstag: Karl Schranz feierte in seiner 17-jährigen Karriere 150 Rennsiege, er war Weltmeister und Gesamtweltcup-Sieger. Untrennbar verbunden mit dem St. Antoner ist aber auch sein vergeblicher Kampf um Olympiagold, das ihm zweimal genommen wurde. Inzwischen hat der Tiroler aber seinen Frieden mit den Fünf Ringen geschlossen.
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Als Aktiver der „einsame Wolf vom Arlberg“, hat Schranz auch nach seiner Karriere in seinem Heimatort lange Zeit polarisiert, mittlerweile ist er Ehrenbürger. Schranz hat sich enorme Verdienste um die Vergabe der WM 2001 an St. Anton und die damit verbundenen infrastrukturellen Verbesserungen erworben - und so richtet die Gemeinde am Sonntagabend, in Anlehnung an sein Geburtsjahr ab 19.38 Uhr, ein Fest für den Jubilar aus.

APA/Tourismusverband St.Anton
Schranz bei einem seiner Abfahrtssiege bei den Arlberg-Kandahar-Rennen
Rennsiege in drei Jahrzehnten
Schranz erfreut sich bester Gesundheit. Auch wenn der Rücken bisweilen etwas „zwickt“, er hält sich fit und genießt das Leben. Seine lange aktive Laufbahn - der Bogen seiner Rennsiege spannt sich von 1957 bis 1972 - hat er ohne Verletzungen überstanden, das ist beinahe ein Wunder bei den damaligen Sicherheitsbedingungen. „Die Pisten waren nur bei den Rennen gut präpariert, Sicherheitsnetze hat es überhaupt nicht gegeben“, erzählte Schranz im Gespräch mit der APA, „nur in Wengen am Hundsschopf war eines, aber das hat ein Loch von einem Meter gehabt, da wäre man durchgepfiffen.“
Als Jugendlicher musste Schranz viele Entbehrungen und Schicksalsschläge hinnehmen. Als er acht Jahre alt war, brannte das Elternhaus ab, sein Vater starb früh. Das hat den Arlberger geprägt, daher geht auch der Wunsch des dreifachen Familienvaters in diese Richtung. „Ich wünsche mir Gesundheit für meine Familie und mich und für alle Menschen.“
Dreifacher Weltmeister, zweifacher Weltcup-Sieger
Der am 18. November 1938 geborene Schranz kam in jungen Jahren ins Nationalteam und erkämpfte sich seine Position als „Nachfolger“ des dreifachen Olympiasiegers Toni Sailer (er wäre am Sonntag 78 Jahre alt geworden) mit unbändigem Siegeswillen. Er war hart zu sich selbst, trainierte mehr als die anderen, scheute keine Konfrontation und ging oft „mit dem Kopf durch die Wand“.

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Schranz gewann in seiner Karriere alles, was es zu gewinnen gab - nur Olympiagold blieb ihm verwehrt
Schon bevor 1967 der Weltcup eingeführt wurde, gewann er unter anderem viermal die damals bedeutende Arlberg-Kandahar-Kombination (also insgesamt fünfmal), zwei Gesamtsiege im Weltcup (1969 und 1970) folgten. Zudem war Schranz dreimal Weltmeister (1962 zweimal und 1970) und siegte in den Abfahrten in Kitzbühel und Wengen je viermal.
Erfinder der „Schranz-Hocke“
Schranz sorgte aber immer wieder auch für neue Impulse in seinem Sport. Der starke Abfahrer und Riesentorläufer nützte als einer der ersten den Windkanal, fiel ab 1966 mit einem einteiligen Rennanzug auf und beschleunigte auf den letzten Metern vor dem Ziel mit seiner legendären „Schranz-Hocke“.
All das half ihm aber nicht bei der Jagd nach Olympiagold - dieser Traum blieb unerfüllt. Bei den Winterspielen in Innsbruck 1964 holte er Silber im Riesentorlauf, vier Jahre später stand er in Grenoble kurze Zeit sogar als Slalom-Olympiasieger fest. Schranz hatte wegen einer Behinderung den zweiten Lauf nochmals absolvieren dürfen, markierte Gesamtbestzeit, wurde aber nachträglich doch disqualifiziert. Gold erhielt stattdessen der Franzose Jean-Claude Killy.
Ausschluss von den Spielen in Sapporo 1972
Dann kam Olympia 1972 in Sapporo, das in der Biografie des Arlbergers einen besonderen Platz einnimmt. Schranz reiste als Abfahrtsfavorit nach Japan, wurde aber kurz vor dem Rennen wegen des sogenannten „Amateurparagrafen“ von den Spielen ausgeschlossen. Ein Foto von einem Prominentenfußballspiel im Sommer hatte ihn in einem Trikot mit dem Werbelogo eines Kaffeeherstellers gezeigt.
In Österreich kochte wegen des Unrechts gegen den Skistar die Volksseele über; IOC-Chef Avery Brundage hatte Schranz stellvertretend für alle anderen Rennläufer bestraft, bei seiner Rückkehr bereiteten ihm mehr als 100.000 Menschen einen triumphalen Empfang in Wien, wo er vom Balkon des Kanzleramtes winkte. „Der Ausschluss war das Schlimmste, das man einem Sportler antun konnte“, sagte Schranz rückblickend. Als Märtyrer sieht er sich aber keineswegs, eher als einer der Wegbereiter des modernen Profisports. „Es ist eine Genugtuung, dass ich heutigen Athleten die Möglichkeit verschafft habe, mit ihren Leistungen Geld zu verdienen“, sagte Schranz.
Schranz auch bei Olympia in Sotschi dabei
Der Tiroler war seit 1956 (in Cortina als Zuschauer) bei allen Winterspielen dabei (seit 1980 auch als Kolumnist einer Tageszeitung) und wird im Februar auch in Sotschi sein. Als Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der gerne zu Gast am Arlberg war, engagierte sich Hotelier Schranz als dessen „Berater“ für die Spiele 2014. Einen Boykott von Sotschi wegen des neuen Homosexuellengesetzes in Russland hielte Schranz für falsch: „Dadurch kommt nur der Sport zu Schaden.“
Das Skifahren in seiner Heimat ist für ihn immer noch das liebste Hobby. „Bei schönem Wetter stehe ich jeden Tag auf den Ski“, betonte der Vater von drei Töchtern, der sich im Laufe seines Lebens nicht nur wegen des Alters gewandelt hat: „Weicher hat mich schon die Familie gemacht“, betonte der Tiroler.
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