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Mateschitz’ Millionen zahlen sich aus

RasenBallsport Leipzig hat bei seinem Projekt Bundesliga-Aufstieg den nächsten Schritt geschafft. Mit einem 5:1 (4:0)-Sieg fixierten die Leipziger gegen Absteiger Saarbrücken am Samstag den Aufstieg in die zweite deutsche Liga. Vor der Rekordkulisse von 42.713 Zuschauern sorgten Dominik Kaiser (7., 35., 48. Minute) und Daniel Frahn (9., 14.) für den höchsten Saisonsieg.

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„Es ist einfach unglaublich, was hier abgeht. Das war großer Fußball, den das Team abgeliefert hat“, sagte Aufstiegscoach Alexander Zorniger im deutschen Fernsehen. Die Fans skandierten: „Nie mehr dritte Liga, nie mehr, nie mehr.“ Toptorjäger Frahn war überwältigt: „Das ist großartig, jetzt lebe ich meinen Traum. Wir haben eine grandiose Saison gespielt und sind verdient angekommen.“ Für Frahn war es der 19. Saisontreffer, für seinen Teamkollegen Kaiser der 13.

Auch ÖFB-Innenverteidiger Niklas Hoheneder, der beim Sieg gegen Saarbrücken bis zur 72. Minute auf dem Platz stand, war zum Feiern zumute. „Wir haben und das redlich verdient, alles gegeben“, schnaufte der 28-Jährige, der 2012 von Karlsruhe nach Leipzig gewechselt war. „Als Aufsteiger gleich wieder aufzusteigen, das ist ein schönes Gefühl. Diese Emotionen müssen wir jetzt erst einmal verarbeiten“, freute sich Hoheneder. Sein Landsmann Georg Teigl spielte im rechten Mittelfeld bis zur 84. Minute.

Jubel von Dominik Kaiser (RB Leipzig)

GEPA/Kerstin Kummer

Kaiser krönte Leipzigs Aufstieg mit einem Triplepack

Führungstreffer sorgt für Euphorie

Dabei begannen die von Red Bull gesponserten Leipziger gegen Saarbrücken zunächst etwas nervös. Die Gäste, die nur mit drei Offensivspielern starteten, hatten durch Raffael Korte (5.) eine erste Gelegenheit. Doch angeführt von Kapitän Frahn setzten die RB-Kicker dann das um, was ihr Trainer als Spielphilosophie predigte: kompromissloses Pressing und schnelles und schnörkelloses Umschaltspiel.

Als Kaiser sofort die erste gute Kombination über Anthony Jung und Frahn vollendete, ging die Euphorie vom Publikum endgültig auf die Mannschaft über. Frahn legte schnell nach, und das Spiel war frühzeitig entschieden. In einer offen geführten Partie hatten beide Mannschaften zahlreiche Torchancen. Saarbrückens Patrick Schmidt (32., 38.) scheiterte zweimal knapp. In der zweiten Halbzeit schalteten die lautstark gefeierten Leipziger früh auf Aufstiegsfeier um.

Durchmarsch in höchste Ligen

Der Red-Bull-Verein ist auf dem Weg nach oben also nicht zu stoppen. Der Start auf den Weg in die höchsten deutschen Ligen verlief allerdings holprig. Nachdem Leipzig, das vor fünf Jahren das Spielrecht des Fünftligisten SSV Markranstädt erwarb, um nicht ganz unten anfangen zu müssen, problemlos durch die Oberliga marschierte, wurde die Mannschaft in der Regionalliga gebremst.

Zweimal musste Leipzig finanzschwächeren Clubs den Vortritt Richtung dritte Liga lassen. Investitionen von geschätzt 100 Millionen Euro durch Mäzen Dietrich Mateschitz brachten zunächst allerdings nur die Infrastruktur auf Bundesliga-Niveau, etwa mit einem der modernsten Trainings- und Nachwuchszentren.

Sportlich aufwärts ging es erst, seit Ralf Rangnick als Sportdirektor tüftelt. Er brachte im Sommer 2012 Trainer Alexander Zorniger, der die Nachfolge von Peter Pacult antrat, mit nach Leipzig und kündigte eine neue „Zeitrechnung“ an. RB stieg zweimal auf und schaffte nun als erstes Team den Durchmarsch „ab durch die Dritte“, wie die Marketingabteilung früh das Saisonziel als Slogan ausgab.

Mit aggressivem Pressing zum Erfolg

Zorniger setzte auf aggressiven Pressing-Fußball, der nicht immer schön anzuschauen, aber das richtige Mittel für die ausgeglichene dritte Liga war. Dass die von Rangnick in den zwei Jahren deutlich verjüngte Mannschaft über große individuelle Qualität verfügt, zeigte sich vor allem in den Duellen mit den beiden anderen Topteams aus Heidenheim und Darmstadt. Drei der vier Partien gewann Leipzig und kassierte nur einen Gegentreffer.

Zuletzt schaute sich auch Mateschitz erstmals das Projekt persönlich an. Und mit ihm mittlerweile im Schnitt mehr als 15.000 Zuschauer, in den letzten beiden Spielen sogar rund 40.000 Fans. In der Messestadt hat es der Verein geschafft, eine Euphorie zu entfachen und mit Erfolg an die Stelle zu treten, wo früher die Traditionsvereine 1. FC Lokomotive und BSG Chemie Leipzig standen.

Weiter Zittern um Zweitliga-Lizenz

In Leipzig hoffen sie nun, dass die Deutsche Fußballliga (DFL) Ende Mai auch die Lizenz für die zweite Bundesliga erteilt. Im ersten Durchgang forderte der Ligaverband ein neues Vereinslogo, eine von Geldgeber Red Bull unabhängigere Besetzung der Führungsgremien sowie geringere Hürden für neue Mitglieder. Denn der Club bewegt sich mit seiner Satzung und einem kleinen elitären Kreis aus Red-Bull-Mitarbeitern, die als einzige neun stimmberechtigte Mitglieder die Führungsgremien bilden, im Graubereich des Vereinsrechts.

Leipzig hebelt die 50+1-Regel als eingetragener Verein aus und erregt damit viele Gemüter. „Das ist eine echte Provokation für das Regelwerk des deutschen Fußballs“, sagte Christian Müller, von 2001 bis 2010 DFL-Geschäftsführer, im deutschen Fernsehen: „Ich empfinde das als Finanzdoping und habe auch wenig Respekt für die sportlichen Leistungen.“

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