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Chancenplus für Sieg zu wenig

Das ÖFB-Team hat sich am Freitag im freundschaftlichen Länderspiel gegen Island trotz einer grundsoliden Leistung und eines deutlichen Chancenplus mit einem 1:1 (1:0) begnügen müssen. Knackpunkt für die bittere Erfahrung waren wieder einmal die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und ein grober Stellungsfehler kurz nach Wiederanpfiff. „Wir müssen uns das Leben einfacher machen“, sagte Zlatko Junuzovic.

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Dass man das vorletzte Spiel vor dem Auftakt in der EM-Qualifikation gegen Schweden am 8. September in Wien viel früher in die richtige Richtung lenken hätte können, war allen Beteiligten klar. Bereits vor der Pause boten sich genügend Möglichkeiten, die deutliche Überlegenheit in Tore umzumünzen. Allein der Ball wollte nicht über die Linie. „Daran müssen wir arbeiten und schauen, dass wir diese Partien auch einmal vorzeitig entscheiden“, wusste Junuzovic, der den Siegestreffer in der 67. Minute mit einem Weitschuss selbst auf dem Fuß hatte.

Ärgerlich war für den Bremen-Legionär auch, dass man viele unnötige Kilometer lief und die Früchte des aggressiven Forechecking nicht ernten konnte. „Da haben wir zu oft zu überhastet gespielt“, ärgerte sich der 26-Jährige, der schon bessere Spiele seiner Elf gesehen hat. Immerhin könne man, wie auch Teamgoalie Heinz Linder feststellte, Positives aus der Partie ziehen und darauf aufbauen: Defensiv - bis auf eine Ausnahme - sattelfest und offensiv zahlreiche Chancen herausgespielt.

Enttäuschung bei ÖFB-Spielern sitzt tief

Wie tief die Enttäuschung über die verpasste Möglichkeit, mit einem deutlichen Sieg Selbstvertrauen für den EM-Qualistart im Herbst zu tanken, aber trotzdem saß, bewies die Tatsache, dass sich die Spieler sehr viel Zeit ließen, sich zum Spiel zu äußern. „Bitter“ war dann eines der am meisten strapazierten Wörter. „Das Ergebnis ist natürlich bitter“, so Lindner, der von Koller als Erster aus dem Tormanntrio die Chance bekam, sich zwischen den Pfosten zu beweisen. Viele Möglichkeiten dazu hatte der Austria-Schlussmann allerdings nicht, viel zu harmlos agierten die Isländer im Spiel nach vorne.

Lindner

GEPA/Thomas Bachun

Torhüter Lindner ärgerte sich trotz eines ruhigen Abends

„Besser so, als ich hätte alle Hände voll zu tun gehabt“, sagte Lindner. „Das beweist, dass ich mich auf meine Vorderleute verlassen kann.“ Viel bitterer verlief da schon der Einstand von Ramazan Özcan, der nach der Pause für Lindner auf das Feld kam und nur 51 Sekunden später den Ball aus dem Netz holen musste. „Was mir gerade durch den Kopf geht, wollen Sie gar nicht wissen“, sagte der Ingolstadt-Legionär, der zu seinem zweiten Länderspieleinsatz kam. Im Kampf um das Einserleiberl war das ein herber Rückschlag, auch wenn ihn beim Ausgleichstreffer durch Kolbeinn Sigthorsson keine Schuld traf. Vielmehr hatte ihn seine gesamte Defensivabteilung im Stich gelassen.

„Kleine Details, die ausschlaggebend sind“

„Da haben ich und die gesamte Abwehr einen Moment nicht aufgepasst“, gestand Aleksandar Dragovic, der nach einer Freistoßflanke auf Sigthorsson vergaß und diesen ungehindert einköpfeln ließ. „Das sind kleine Details, die ausschlaggebend sind - auch gegen Island. Wir müssen aus solchen Situationen lernen.“ Kleine Details, die allerdings eine ansonsten gute Defensivleistung trübten und zum wiederholten Mal Anlass zum Ärgern boten. Zumal die Offensivabteilung Chance um Chance vergab und der Gegentreffer dadurch doppelt so schwer wog.

Arnautovic

GEPA/Andreas Pranter

Arnautovic (l.) war ein echter Aktivposten auf dem Platz

„Wir hatten ein deutliches Chancenübergewicht, da ist ein Treffer etwas wenig“, ärgerte sich auch Marko Arnautovic, der eine bärenstarke Leistung bot und das Debüttor von Marcel Sabitzer in der 28. Minute ideal vorbereitete. „Wir müssen unsere Chancen verwerten, dann werden wir solche Spiele auch gewinnen.“ Dass er in Abwesenheit der Stammkräfte David Alaba, Christian Fuchs, Martin Harnik und Veli Kavlak besonders motiviert gewesen sei, verneinte der Stoke-Legionär. „Auch wenn die anderen dabei sind, versuche ich, Verantwortung zu übernehmen“, so Arnautovic.

Der 25-jährige Familienvater dürfte sein „Bad Boy“-Image endgültig abgelegt haben, neben und auf dem Platz. Fiel er in der Vergangenheit mehrmals auch durch vermeintlich lustloses Herumstehen und zwischendurch eingestreute teils brillante, allerdings oftmals brotlose Gustostückerl auf, verzichtete Arnautovic im Tivoli-Stadion auf derartige Einlagen, zog das Spiel an sich und im Mittelfeld die Fäden. Völlig zu Recht erntete er deshalb auch von den Innsbrucker Zuschauern bei seiner Auswechslung stehende Ovationen.

Debütant Ilsanker nutzt seine Chance

Zu den Gewinnern neben Arnautovic, der - was positiv überraschte - seltener selbst den Abschluss suchte, sondern auch die besser positionierten Teamkollegen bediente und damit zahlreiche Großchancen einleitete, zählten auf jeden Fall auch die beiden Salzburger Sabitzer und Stefan Ilsanker. Neben Sabitzer, der in seinem fünften Länderspiel sein erstes Teamtor erzielte, bewies vor allem Ilsanker, dass Teamchef Koller auch auf Spieler aus der zweiten Reihe setzten kann, die dem Spiel ihren Stempel aufdrücken können.

Positiv herauslesen kann man - wie Abwehrspieler Florian Klein - auch, dass man zwar viele Chancen vergab, aber immerhin nicht darüber diskutieren müsse, überhaupt keine Gefahr vor dem gegnerischen Tor fabriziert zu haben. „In den nächsten Spielen müssen wir aus diesen Möglichkeiten aber auch etwas machen“, so Klein. Die nächste und gleichzeitig letzte Gelegenheit vor dem EM-Qualiauftakt gegen Schweden bietet sich dazu bereits am Dienstag beim Gastspiel in Tschechien.

Wolfgang Rieder, ORF.at aus Innsbruck

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