Das Positive an einem schwachen Spiel
Dass sich Österreichs Fußballer für einen Sieg rechtfertigen müssen, kommt nicht oft vor. Am Dienstag war es so: Das Nationalteam gewann in Olomouc (Olmütz) ein Testspiel gegen Tschechien mit 2:1 (1:1) und holte damit vor allem Selbstvertrauen für die im Herbst beginnende EM-Qualifikation. Denn spielerisch verlief bei Dauerregen im Andruv-Stadion vieles nicht nach Wunsch.
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Ein Testspiel ist dazu da, etwas oder jemanden zu testen, zu überprüfen. Diesen Zweck erfüllte das Spiel am Dienstag geradezu perfekt. Marcel Sabitzer (34.) und Julian Baumgartlinger (72.) bewiesen bei ihren Treffern vor 10.600 Zuschauern, dass bei den wenigen Chancen zumindest die geforderte und zuletzt schmerzlich vermisste Konzentration vor dem Tor stimmte.

ORF.at/Christian Öser
Der lange verletzte Baumgartlinger holte sich viel Selbstvertrauen
Auf der Habenseite stand weiters, dass die Elf von Teamchef Marcel Koller geduldig agierte und gegen einen spielerisch besseren Gegner gewann. Das Ergebnis allein und die Gewissheit, auch auswärts bestanden zu haben, sorgten daher bei den Teamkickern für zufriedene Gesichter auf dem Gang in den meist nur kurzen Urlaub und für Entspanntheit vor der großen Aufgabe Qualifikation für die EM 2016.
Siege sind Siege
„Mir sind solche Siege lieber, als wenn wir in Schönheit verlieren. Solche Siege bringen Selbstvertrauen“, brachte Sebastian Prödl die Stimmung im Team auf den Punkt. Der Werder-Legionär machte in der Innenverteidigung eine gute Figur und unterstrich seine Anwartschaft auf einen Fixplatz in der EM-Qualifikation, die am 8. September in Wien mit dem Spiel gegen Schweden startet. Bis dahin muss im ÖFB-Team noch an der Feinabstimmung gearbeitet werden, denn der erste Sieg gegen Tschechien seit 1996 zeigte auch die Mängel auf.
Die 4-1-4-1-Startformation erzielte nicht die gewünschte Wirkung, erst nach der Pause mit der Umstellung auf zwei Sechser fand Österreich in die Partie. „Wichtig war uns zu testen, ob wir den Druck aushalten“, so Prödls Werder-Kollege Zlatko Junuzovic, der wie alle Offensivspieler in den ersten 30 Minuten nicht zur Geltung kam. Ursache war der früh attackierende, zweikampfstarke und lauffreudige Gegner.
Aufgabe gemeistert
Daher war Junuzovic stolz, gegen Tschechien die Aufgabe am Ende doch positiv gemeistert zu haben: „Sehr wichtig war, dass wir auswärts bestanden haben, wir gehen jetzt mit dem positiven Gefühl eines Sieges in die Pause.“ Ebenso äußerte sich Marko Arnautovic, der neuerlich ein Aktivposten auf der linken Seite war und dem die bei Stoke City in der Premier League erhaltene Reife anzumerken ist.
„Manchmal gewinnt man auf eine gute Art, manchmal nicht. Ich will daher gar nicht viel kritisieren, wir haben schließlich 2:1 gewonnen.“ Obwohl in vielen Situationen nur Zweiter, folgte die ÖFB-Elf ihrer taktischen Vorgabe, zog sich zurück, attackierte weit hinten und lauerte auf Konter. Das Siegestor fiel dann aus einem perfekten Weitschuss.
Baumgartlinger denkt positiv
„Das Tor zum 2:1 hat allen gutgetan, vor allem mir“, strahlte der 26-jährige gebürtige Salzburger beim erfolgreichen Teamcomeback nach seiner langwierigen Knieverletzung über seinen ersten Treffer im Nationaldress. Auch sonst nahm Baumgartlinger vor allem die Positiva aus diesem Spiel mit in die EM-Quali.
Die getesteten taktischen Varianten seien wichtig, um auch in der EM-Qualifikation flexibel auf Spielsituationen reagieren zu können, so Siegestorschütze Baumgartlinger. Denn das wird nach Meinung des Mainz-Legionärs der Schlüssel zum Erfolg sein, sich erstmals aus eigener Kraft für eine EM zu qualifizieren - ein Ziel, das einzig und allein den wahren Erfolg oder Misserfolg dieser Mannschaft definieren wird.
Gut aufgestellt
Deshalb war auch Emanuel Pogatetz - zumindest aus der Sicht eines Verteidigers - mit dem Spiel zufrieden. „Wir haben die taktische Ordnung gut gehalten und gegen die Tschechen gut dagegengehalten. Wir wollten erst weiter hinten attackieren und vorne kontern. Nur vor dem 1:1 waren wir zu passiv“, meinte der 31-jährige Noch-Nürnberger, für den der glanzlose Sieg noch einen weiteren Aspekt bestätigte: „Wir haben gezeigt, dass wir über einen guten Kader verfügen, in dem die Positionen doppelt besetzt sind.“
Tschechien ist hingegen nach der verpatzten WM-Qualifikation noch auf der Suche nach einem neuen, jüngeren Team, auch wenn sich die vermeintlich ersatzgeschwächte Elf von Trainer Pavel Vrba bereits als homogene Einheit präsentierte. Trotzdem blieb am Ende für Tschechiens Mittelfeldspieler Lukas Vache nur ein Resümee, das oft genug von ÖFB-Kickern gehört wurde: „Wir waren das bessere Team, haben aber unsere Chancen nicht genutzt.“ Dass diese Analyse auf österreichischer Seite diesmal entfiel, war eben auch das Verdienst dieses Testspiels.
Martin Wagner, ORF.at, aus Olomouc
Testspiel
Dienstag:
Tschechien - Österreich 1:2 (1:1)
Olomouc, Andruv-Stadion, 10.653 Zuschauer, SR Van Boekel (NED)
Torfolge:
0:1 Sabitzer (34.)
1:1 Horava (42.)
1:2 Baumgartlinger (72.)
Tschechien: Stech - Kaderabek, Holek, Prochazka, Limbersky (73./Kopic) - Vacha, Horava (46./Kolar) - Dockal (63./Petrzela), Husbauer (89./Hejda), Krejci (73./Fleisman) - Vydra (73./Tecl)
Österreich: Almer - Garics, Prödl, Pogatetz, Suttner - Ilsanker (89./Dragovic) - Weimann (63./Janko), Junuzovic (46./Baumgartlinger), Ivanschitz (63./Liendl), Arnautovic (74./Klein) - Sabitzer (84./Lazaro)
Gelbe Karten: Keine
Die Besten: Husbauer, Limbersky bzw. Arnautovic, Sabitzer
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