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„Wir wollten etwas testen“

Mit dem Ergebnis der Generalprobe für die EM-Qualifikation durfte Marcel Koller durchaus zufrieden sein, schließlich blieb seine Elf im fünften Spiel in Serie ungeschlagen. Mit der Art und Weise, wie der 2:1-Auswärtssieg in Tschechien erreicht wurde, war es der Teamchef allerdings nicht. Mit Mittelfeld- statt Angriffspressing wollte Koller eine neue Variante testen und das taktische Repertoire erweitern.

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Die Umsetzung dieses Plans gelang über weite Strecken der ersten Halbzeit überhaupt nicht nach Wunsch und wurde dem wohl bekanntesten Produkt des Austragungsortes gerecht - dem Olmützer Quargel. Dass die Leistung vor allem in der ersten Hälfte Käse war, blieb auch Koller nicht verborgen und sorgte beim Teamchef für kritische Töne. „Das war nicht das, was ich mir gewünscht habe, aber auch das ist eine Erkenntnis“, erklärte der 53-Jährige eine Spur ernüchtert. Er gestand: "Das war sicher eines unserer schlechteren Spiele.

ÖFB-Coach Marcel Koller

ORF.at/Christian Öser

Die Vorstellung in Hälfte eins zauberte kein Lächeln in Marcel Kollers Gesicht

Aufgrund der doch groben Umstellungen nahm Koller die Leistung des Teams auch auf seine Kappe. „Wir wollten etwas testen. Wir wollten uns zurückziehen und ab der Mittellinie attackieren, aber das ist nicht passiert. Auch die Räume vor dem Tor sollten dicht gemacht werden, und es sollte nach vorn gespielt werden. Vielleicht ist das etwas falsch herübergekommen. Das habe ich mir ganz anders vorgestellt. Wir haben zu viele Fehler gemacht“, monierte Koller, der das 4-1-4-1-System nach der Pause in eine Formation mit zwei „Sechsern“ änderte.

„Weiß, dass wir anders spielen können“

Koller kritisierte auch fehlende Konzentration und viele ungenaue Pässe. Aufgrund der langen Saison hatte der Teamchef dafür aber auch Verständnis. „Die Spieler sind müde und leer im Kopf. Aber jetzt ist Urlaub und Zeit, Kraft zu sammeln“, so Koller. Durch die Müdigkeit „sind wir nicht mehr zurückgelaufen, die Räume sind zu groß geworden“. Gänzlich schlechtreden wollte Koller die Vorstellung seines Teams aber auch nicht: „Wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen können, waren nur nicht konstant genug. Ich weiß, dass wir anders spielen können. Wir haben das schon in vergangenen Spielen gut umgesetzt, also bin ich nicht beunruhigt.“

Zlatko Junuzovic im Spiel gegen Tschechien

ORF.at/Christian Öser

Zlatko Junuzovic und Co. ging das Spiel körperlich nicht mehr leicht von der Hand

Dass man das ÖFB-Team unter Koller schon besser gesehen hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber schließlich sind Testspiele da, um etwas Neues auszuprobieren. Im Gegensatz zum Island-Spiel wurden die Chancen besser genützt, und unter dem Strich gab es einen nicht gerade üblichen Auswärtssieg (zum ersten Mal seit 1998 wurden zwei Spiele in Serie in der Fremde gewonnen, Anm.) gegen einen nicht in Bestbesetzung, aber vor eigenen Fans engagiert spielenden Gegner.

Interne Konkurrenz „belebt das Geschäft“

Die Leistung gegen die Tschechen sollte aufgrund der langen Saison weder zu kritisch gesehen, noch sollte der Sieg überbewertet werden. Kollers Ziel ist es, das ÖFB-Team vom System her flexibler und vielfältiger zu machen, um in der EM-Qualifikation für unterschiedliche Situationen gerüstet zu sein und auf Systemumstellungen des Gegners - wie es etwa Schweden im entscheidenden WM-Qualispiel mit langen Bällen in Hälfte zwei gemacht hat - entsprechend reagieren zu können.

Stefan Illsanker im Spiel gegen Tschechien

ORF.at/Christian Öser

Stefan Ilsanker bot sich gegen Island und Tschechien als Alternative an

Während an den Varianten weiter gefeilt werden muss, hat Koller ein anderes Ziel erreicht. Der Spielerpool ist wieder ein Stück gewachsen. Marcel Sabitzer und Stefan Ilsanker (Koller: „Sie haben ihre Zeit genützt“) haben sich empfohlen. Auch die weiteren Debütanten Valentino Lazaro und Michael Liendl konnten laut Koller überzeugen. „Der eine oder andere hat sich im Training und in den zwei Spielen aufgedrängt. Konkurrenz ist immer gut, die hatten wir in den letzten zwei Jahren nicht immer. Wenn die Verletzten zurückkommen, steigt die Konkurrenz weiter. Das belebt das Geschäft.“

„Gute Mischung aus jungen und älteren Spielern“

Obwohl Koller betonte, dass es keinen Generationenwechsel geben wird, wird die Kadernominierung Ende August für das Duell mit Schweden interessante Aufschlüsse für die weitere Personalpolitik geben. Wenn David Alaba, Martin Harnik und Veli Kavlak ins Team zurückkehren, könnte es für den einen oder anderen Routinier eng werden. „Wenn sich jemand aufdrängt, heißt das nicht, dass sich andere abdrängen. Es ist wichtig, dass wir nicht nur junge Wilde haben. Wir brauchen auch Erfahrung. Wir haben eine gute Mischung von jungen und älteren Spielern, das passt so.“

Koller hofft jedenfalls, dass etwa Marc Janko und auch Goalie Robert Almer bis zu Beginn der EM-Quali einen neuen Verein gefunden haben, wo sie Spielpraxis bekommen. Dass etwa Almer mehr Einsatzzeit nötig hat, war in Olmütz in einigen Situationen deutlich zu sehen. „Vielleicht hat er gegen die Tschechen ein bisschen unsicher gewirkt, aber da war er nicht der Einzige“, sagte Koller, der sich im Gegensatz zu seinen Spieler erst nach seiner Spionagereise bei der WM in Brasilien eine kurze Auszeit gönnen wird.

Christian Wagner, ORF.at

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