Erinnerungen an Fall Sabitzer
Rapid Wien hat nach Guido Burgstaller und Marcel Sabitzer den nächsten Stürmer abgeben müssen. Terrence Boyd wechselt nach zwei Jahren in Hütteldorf in die zweite deutsche Liga zu RasenBallsport Leipzig. Der US-Teamspieler ist nach Sabitzer der zweite Spieler, den die Rapidler an Red Bull verlieren. Jetzt sind die Wiener auf der Suche nach einem gleichwertigen Ersatz für den Sturmtank.
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Nach tagelangen Spekulationen meldete Rapid am Montag den Vollzug, nachdem auch das Vereinspräsidium den ausverhandelten Konditionen zugestimmt hatte. Boyd war vor zwei Jahren von der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund zu Rapid gekommen. Über die Ablösemodalitäten für den 23-Jährigen, dessen Vertrag noch ein Jahr gelaufen wäre, wurde Stillschweigen vereinbart.
Neuen Vertrag abgelehnt
Nach dem dritten hochkarätigen Abgang ist der Vizemeister nun auf der Suche nach Ersatz. Immerhin wurden mit Boyd (15 Tore), Burgstaller (11) und Sabitzer (7) die drei erfolgreichsten Torschützen der vergangenen Saison verloren. „Wir werden nun alles dafür tun, damit wir die Lücke, die Terrence hinterlässt, schließen können, lassen uns aber nicht unter Zeitdruck setzen. Neben diesem klassischen Stoßstürmer wollen wir noch einen zusätzlichen Spieler verpflichten, und ich bin überzeugt, dass wir mit einem sehr starken Kader in die neue Saison starten werden“, erklärte Sportdirektor Andreas Müller.

APA/Herbert Neubauer
Nach Sabitzer (l.) stürmt nun auch Boyd (Mi.) künftig für den Red-Bull-Konzern
Gerne hätte Rapid den Sturmtank gehalten. „Terrence hat sich zuletzt sehr stark verbessert und mit vielen Toren, aber auch seiner Einstellung einen wichtigen Teil geleistet, dass wir die vergangene Spielzeit als Vizemeister abschließen konnten. Grundsätzlich hätten wir ihn gerne längerfristig bei uns behalten, nicht umsonst hatte er ein aus unserer Sicht sehr gutes Angebot zu einer vorzeitigen Vertragsverlängerung vorliegen. Dies lehnte er allerdings ab und deponierte seinen ausdrücklichen Wunsch, schon diesen Sommer zu wechseln“, erläuterte Müller.
Boyd bedankte sich beim Club und den Fans „für zwei überragende Jahre. Leider hat es mit einem Titelgewinn nicht geklappt, trotzdem war die Zeit bei diesem wirklich besonderen Club enorm wichtig und schön für mich. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Für meine Karriereplanung scheint mir jetzt der Schritt zu einem Club mit großen Ambitionen zum Aufstieg in eine der besten Ligen der Welt aber am besten“, erklärte der 23-Jährige nach dem Wechsel zu Red Bull.
Schlupfloch bei Sabitzer-Wechsel
Bereits die Causa Sabitzer hatte in ähnlichem Zusammenhang viel Staub aufgewirbelt. Der deutsche Zweitliga-Aufsteiger Leipzig verpflichtete Ende Mai den ÖFB-Teamspieler - allerdings für den Partnerverein Red Bull Salzburg. In Leipzig unterzeichnete Sabitzer einen Vierjahresvertrag bis 30. Juni 2018. Über Leipzig löst Red Bull zugleich die Ausstiegsklausel von zwei Millionen Euro, die der 20-jährige Sabitzer nur für internationale Wechsel besaß.
Aber statt mit Sabitzer nächste Saison in der zweiten Bundesliga zu starten, verlieh Leipzig ihn sofort für ein Jahr nach Salzburg. Ein direkter Wechsel zwischen den beiden österreichischen Clubs wäre ohne Rapids Zustimmung nicht möglich gewesen. Für Sportrechtler ist das ein Paradebeispiel dafür, wie ein Transfer nicht ablaufen soll. „Hier wurde eine Compliance-Regel nach der anderen missachtet“, sagte Sportanwalt Christian Flick damals der APA. Unter dem Begriff Compliance wird - vor allem in der Wirtschaft - die strenge Einhaltung der gesetzlichen und moralischen Bestimmungen verstanden.
„Höhepunkt der schiefen Optik“
Begonnen habe der „dramatische Verstoß“ bereits, als eine Investorengruppe Sabitzer kaufte und dann bei Rapid parkte. „Eine Investorengruppe muss einen Verein wie Rapid unterstützen, um 400.000 Euro zu stemmen. Einerseits lässt sich Rapid dadurch komplett aushöhlen. Andererseits widerspricht das dem FIFA-Regulativ, wonach ein Transfer immer in den Händen eines Vereins bleiben muss.“
Dass Sabitzer Red-Bull-intern via Leipzig in Salzburg landete, war für Flick „der Höhepunkt der schiefen Optik. Ich habe, auch international, noch nie einen Transfer miterlebt, der mit dermaßen tiefen Verstößen gegen die Compliance-Regeln abgewickelt wurde. So etwas sollte bei uns in Österreich nie wieder passieren“, meinte Flick zusammenfassend.
Rechtliche Folgen haben alle Beteiligten allerdings laut Flick wohl keine zu befürchten. „Die Geschichte ist durch und für alle Parteien zufriedenstellend verlaufen. Das bedürfte einer Anzeige eines außenstehenden Dritten, und die wird es wohl nicht geben“, meinte der Grazer. Der Wechsel in die Red-Bull-Fußballorganisation sei der „ausdrückliche Wunsch“ Sabitzers gewesen, so Rapid-Sportdirektor Andreas Müller zu dem Transfer, den man „aufgrund der allgemein bekannten Vertragssituation“ nicht verhindern konnte.
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