„Normal ist das nicht“
Mit zwei Punkten aus drei Spielen ist die Wiener Austria unter der neuen Führung von Trainer Gerald Baumgartner denkbar schlecht in die Saison gestartet. Die Luft wird für Baumgartner dünner, die Kritik lauter. Dabei ist die veritable Krise weniger ihm geschuldet, sondern dem sportlichen Vorstand. Das sagt sinngemäß Nenad Bjelica, einer der zahlreichen Ex-Trainer.
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31 Trainer in 24 Jahren - wer einen krisensicheren Job sucht, ist bei der Austria fehl am Platz. Zuletzt traf es Herbert Gager, dessen Vertrag mit Ende der vergangenen Saison nicht verlängert worden war. Gager war für Bjelica eingesprungen, der nach einem schwachen Start in die Frühjahrssaison seines Amtes enthoben worden war. Das Erbe des nach Deutschland zum 1. FC Köln abgewanderten Meistermachers Peter Stöger wog für beide zu schwer.
Auch davor war die Fluktuation ungewöhnlich hoch. Immerhin standen nach Karl Daxbacher (bis Dezember 2011) bei der Austria mit Ivica Vastic (2012), Stöger (2012/13), Bjelica (2013/14), Gager (2014) und nun Baumgartner innerhalb von zwei Jahren gleich fünf Trainer an der Seitenlinie. Wie lange Baumgartner sich im Schleuderstuhl noch hält, ist die Frage. Spätestens bei einem Cup-Aus gegen Kitzbühel würde Cupspezialist Baumgartners Schicksal vermutlich besiegelt sein.
Seitenhieb auf Sportvorstand
Das würde auch Bjelica wohl nicht überraschen. Der 42-jährige Kroate, seit Mai in der zweiten italienischen Liga bei Spezia Calcio engagiert, prangerte die Missstände bei seinem Ex-Verein in einem Sky-Interview am Samstag an. „Solange einige Spieler so viel Macht und sogar mehr Macht haben als der Trainer, wird es bei der Austria sicher nicht besser laufen“, polterte Bjelica.
Einen verbalen Seitenhieb gegen Austria-Sportvorstand Thomas Parits konnte sich Bjelica, der vom WAC nach Wien geholt worden war, nicht verkneifen. „Wenn der Trainer keine Unterstützung von der sportlichen Leitung bekommt, wird er es sehr schwer haben. Egal, ob er Bjelica, Gager oder Baumgartner heißt. Dann muss so eine Saison passieren wie bei Stöger, um ein Jahr zu überleben. Normal ist das aber nicht“, so Bjelica.
Verwunderung bei Austria
Bei der Austria wurden die Aussagen laut AG-Vorstand Markus Kraetschmer „mit Verwunderung“ zur Kenntnis genommen. Kraetschmer zeigte sich am Montag über die getätigten Aussagen des kurz nach Start der vergangenen Frühjahrssaison beurlaubten Bjelica irritiert. „Festzuhalten ist, dass der Begriff Macht im Zusammenhang mit Spielern absolut falsch und deplatziert ist“, meinte der Manager in einer Stellungnahme auf der Austria-Website.
Es entspreche der gängigen Praxis beim Club, tagtägliche Gespräche mit allen Bereichen und eben auch Spielern zu führen. „Niemals war und wird es aber so sein, dass sich ein Spieler seine Trainer oder Mitspieler ‚aussuchen‘ kann“, stellte Kraetschmer fest.
Spieler hui, Trainer pfui
Weiters sagte Bjelica: „Ich sehe die Austria zwar als einen großartigen Verein mit wirklich tollen Fans, mit Leuten, die für den Verein hart arbeiten, sehr gut vorbereitet, sehr qualifiziert sind, einem Finanzdirektor wie Markus Kraetschmer, der sehr gut vorbereitet ist. Aber bei der sportlichen Führung fehlt bei der Austria einiges.“ Unter diesen Umständen wäre in Wien-Favoriten selbst ein Startrainer wie Jose Mourinho auf verlorenem Posten.

APA/Helmut Fohringer
Bjelica und Parits zu noch besseren Zeiten
Die damals einseitige Kritik der sportlichen Leitung an ihm stößt Bjelica freilich noch sauer auf. Stets sei nur der Trainer kritisiert und die Spieler in Schutz genommen worden. „Bei schlechten Leistungen sind die Spieler immer brav und super gewesen“, berichtete Bjelica. Er habe Veränderungen gewollt, sei aber von allen Seiten gebremst worden. „Solange vor allem zwei Spieler der Austria so viel Macht haben, wird es nicht besser werden.“
Immerhin sagte Parits nach dem 0:0 am Samstag gegen Aufsteiger Altach im ORF: „Jetzt ist nicht die Zeit, in der man sehr viel reden muss. Die Spieler müssen sich selbst an der Nase nehmen und schauen, dass sie bessere Leistungen bieten.“ Coach Baumgartner nimmt es noch locker. „Ich persönlich fühle mich nicht angezählt. Wir machen gute Arbeit im Training – und die müssen wir fortsetzen. Es fehlt nicht viel, dann wird der Erfolg auch zurückkommen“, glaubt der frühere St.-Pölten-Coach.
Dankbar für Rausschmiss
Bjelica dagegen ist froh, selbst nicht mehr Teil des Austria-Systems zu sein. „Aus meiner jetzigen Perspektive muss ich sagen, dass sie mir einen Gefallen getan haben mit der Beurlaubung (im Februar, Anm.), weil ich mich in diesen fünf Monaten einfach vom Fußball erholt, meine Trainerlizenz fertig geschrieben und viel Zeit mit der Familie verbracht habe. Und am Schluss bin ich ablösefrei auf dem Markt gewesen, und ein guter Verein hat mich geholt. Eigentlich müsste ich dafür dankbar sein, dass sie diese Entscheidung getroffen haben. Ich gehe meinen Weg, die Austria geht ihren Weg.“
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