Das Blatt kann sich auch schnell wenden
Österreichs Nationalteam hat in der Ära von Teamchef Marcel Koller fußballerisch wohl schon bessere Leistungen gezeigt als beim wichtigen 1:0-Heimsieg in der EM-Quali am Samstagabend gegen Russland. Mit einer starken Teamleistung, Disziplin, Konzentration und dem Glauben an die eigene Stärke hat die ÖFB-Elf eine Partie gewonnen, die vor einiger Zeit vielleicht noch verloren gegangen wäre.
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„Glück braucht man immer. Es heißt aber auch, dass man sich Glück erarbeiten kann. Mit viel Laufarbeit und der Überzeugung, dass man spielen kann, gewinnt man. Und das gibt wieder Selbstvertrauen. Wir hatten das eine oder andere Problem, haben uns aber in die Partie hineingebissen“, erklärte der Teamchef, der gleichzeitig warnte, dass sich das Blatt schnell wieder wenden könne. „Es kann passieren, dass man besser ist und ein Tor bekommt. Beim 1:1 gegen Schweden waren wir zum Beispiel besser, haben aber nicht gewonnen“, erinnerte Koller.

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Coach Marcel Koller und Assistent Thomas Janeschitz liegen sich in den Armen
Kritik und Stolz beim Teamchef
Mit der Vorstellung seines Teams war der Schweizer vor allem in der ersten Hälfte nicht ganz zufrieden. „Da hat die letzte Überzeugung gefehlt, auch im taktischen Bereich. Russland hatte im zentralen Mittelfeld ein Übergewicht. Da haben wir uns zu wenig eingebracht. Wir hatten auch einfache Ballverluste, das können wir sicher besser. Russland ist aber auch sehr kompakt gestanden und hat die Räume sehr eng gemacht. Das haben wir in der Pause angesprochen und danach besser gemacht“, analysierte der Teamchef.
Stolz ist Koller aber darauf, dass seine Mannschaft die gewichtigen Ausfälle von David Alaba und Julian Baumgartlinger kompensieren konnte. Großartige Bedenken hatte der 54-Jährige diesbezüglich aber nicht. „Leitgeb ist ein alter Hase, und Ilsanker hat erst kurz vor dem Spiel gewusst, dass er spielt, da konnte er sich gar keine Gedanken mehr darüber machen“, sagte Koller, der auch einmal mehr die fantastische Unterstützung durch die Fans herausstrich. „Der zwölfte Mann pusht die Spieler, wenn sie schon müde sind. Das ist ein echter Heimvorteil.“

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Marcel Koller bedankt sich beim Siegestorschützen Rubin Okotie
„Goldfüßchen“ Okotie macht den Unterschied
Am Ende haben Kleinigkeiten gegen einen erwartet starken Gegner entschieden, der „sich sehr gut bewegt“ und „seine Qualitäten gezeigt“ hat. Vor allem die Effizienz des ÖFB-Teams war ausschlaggebend, wurde doch eine der eher spärlichen Chancen diesmal genutzt. Mann der Stunde war dabei Rubin Okotie, der mit seinen Treffern gegen Montenegro und Russland für sechs der insgesamt zehn Punkte sorgte. „Das ist für ihn fast wie ein Märchen. Er ist für uns ein Goldköpfchen und -füßchen“, freute sich der Teamchef für Okotie.
Die Einwechslung des 27-Jährigen war dabei nicht geplant, sondern hat sich aus dem Spiel heraus ergeben. „Janko hat viel versucht, es lief aber nicht für ihn. Gegen Schweden war Okotie nach seiner Einwechslung noch hektisch und nervös. Ich habe ihm gesagt, dass er mehr Ruhe braucht. Er muss nicht gleich alles zerreißen. Man braucht eine gewisse Gelassenheit, aber natürlich auch Power“, erklärte Koller, wie er den 1860-Legionär fit für seine Aufgabe gemacht hat.
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Rubin Okotie erlöst das rot-weiß-rote Team in der 73. Minute
Mitverantwortlich für den Sieg war auch die höhere Konzentration nach dem Führungstreffer, auf die Koller sehr viel Wert legt und die er in der Vorbereitung immer wieder anspricht. „Die größte Gefahr besteht immer fünf Minuten nach einem Tor, da fällt oft die Spannung ab, und der Gegner ist sauer. Deshalb habe ich auch nach dem Treffer fünf Minuten angezeigt. Da heißt es Achtung Vollgas, danach normalisiert sich zumeist ein Spiel wieder“, erklärte Koller.
Kein Platz für verfrühten Optimismus
Trotz der Euphorie und vier bzw. fünf Punkten Vorsprung auf Russland und Schweden warnte Koller eindringlich vor verfrühtem Optimismus. „Russland ist ein direkter Konkurrent. Wenn man da einen Sieg einfährt, ist das natürlich eine fantastische Sache. Wir sind weiter ungeschlagen. Das gibt weiter Selbstvertrauen, ist aber auch nur ein kleiner Moment“, sagte Koller, der wie seine Spieler darauf hinwies, „dass wir noch lange nicht durch sind“.
Hochrechnungen sind weiter nicht Kollers Sache. „Ich denke nicht an Prozent, sondern nur ans Gewinnen“, sagte der Teamchef, der das Remis von Schweden in Montenegro zur Kenntnis nahm. „Wenn wir die Einzigen sind, die volle Punkte mitnehmen, freut uns das. Die Tabelle sieht schön aus und ist angenehm. Wir wissen aber, was zu tun ist und auch, dass wir noch nicht durch sind. Wir sind in Europa noch lange nicht Top Ten. Wichtig ist die Konstanz. Nur dann macht man auch Schritte nach vorne“, unterstrich der Schweizer seine Philosophie.
Christian Wagner, ORF.at
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