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Auftaktkracher gegen Kroatien

Die WM lässt auch einen 241-fachen Internationalen nicht kalt. Der Isländer Patrekur Johannesson startet am Freitag (17.00 Uhr, live in ORF Sport +) gegen Titelanwärter Kroatien in seine zweite Endrunde als Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft. Vor einem Jahr bei der EM in Dänemark führte der 42-jährige Ex-Weltklassespieler die ÖHB-Herren auf Platz 14. In Doha (Katar) ist der Achtelfinal-Einzug erstes Ziel.

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Dass der Aufstieg in den Top Vier der WM-Gruppe B mit Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Iran und Tunesien für Johannesson allerdings nur ein Etappenziel ist, machte der seit 2011 amtierende ÖHB-Cheftrainer vor dem Abflug unmissverständlich klar. Der mit einem Vertrag bis zur Heim-EM 2020 ausgestattete Coach steckt sich hohe Ziele. „Mein Traum ist es, mit Österreich etwas zu gewinnen“, sagte er. Als Nationalspieler Islands war Johannesson zweimal Vierter (Olympia 1992, EM 2002), das will er als Trainer „irgendwann“ toppen.

„Routine birgt auch Gefahr“

Johannesson, der sich grundsätzlich Maximalziele setzt, hat allen Grund, optimistisch auf die kommenden zwei Wochen zu blicken. Kapitän Viktor Szilagyi wurde rechtzeitig fit und führte die ÖHB-Auswahl in der Woche vor der WM zu zwei klaren Testspielsiegen gegen die Schweiz. Auch die in Paris mit 28:30 knapp verlorene Generalprobe gegen Europameister Frankreich stimmte den Teamchef positiv. Der mit vielen Deutschland-Legionären gespickte Kader ist breit und ausgeglichen wie selten zuvor. Die vierte Endrunde in fünf Jahren (nach EM 2010, WM 2011 und EM 2014) verleiht Selbstvertrauen.

ÖHB-Teamchef Johannesson Patrekur gibt seiner Mannschaft Instruktionen

GEPA/Philipp Brem

Johannesson schwört das ÖHB-Team auf eine erfolgreiche WM in Katar ein

„Routine birgt auch eine gewisse Gefahr“, warnte Johannesson im Gespräch mit ORF.at. „Aber die Mannschaft hat in den letzten Jahren natürlich viel gelernt - auch aus Fehlern.“ Gemeint sind damit einige Rückschläge bei der EM in Dänemark, als man nach dem souveränen Auftaktsieg über Tschechien unter anderem ein Schlüsselspiel gegen Mazedonien verlor. „Mein Ziel ist es immer, besser zu werden. Ein paar neue Sachen haben wir im System. Der Charakter der Mannschaft stimmt, das ist wichtig“, so Johannesson. „Jedenfalls ist es nicht selbstverständlich, dass Österreich so oft an Turnieren teilnimmt.“

Respekt, aber keine Angst vor Olympiasieger

Um eine ehrenhafte Niederlage werde zum Auftakt gegen Ex-Weltmeister und Olympiasieger Kroatien keinesfalls gerungen. „Ich gehe in jedes Spiel, um zu gewinnen - so verrückt bin ich“, lieferte Johannesson eine Kampfansage. „Natürlich weiß ich, dass Kroatien einer der Favoriten auf den WM-Titel ist. Aber würden wir uns nicht auch in diesem Spiel einen Sieg zutrauen, wäre es besser, gar nicht anzutreten.“ Dass die Kroaten in Katar eine verjüngte Mannschaft im Umbruch aufbieten, verändert diese Einschätzungen nicht: „Sie spielen allesamt bei europäischen Topclubs.“

Da kommt es Johannesson natürlich mehr als gelegen, dass es der langjährige Toplegionär Szilagyi nach Rücken- und Daumenverletzung an Bord der WM-Maschine schaffte. „Wenn Messi bei Barcelona nicht spielt, ist das auch schlimm“, zieht der Headcoach einen Vergleich, der die Bedeutung des Kapitäns verdeutlicht. „Viktor ist seit Jahren eine Führungsperson, ein intelligenter, sehr guter Mann. Das braucht jede Mannschaft.“ Johannesson wäre mit Vitas Ziura auf der Mitte-Position wie zuletzt in der EM-Quali gegen Deutschland und Spanien auf Szilagyis Ausfall vorbereitet gewesen. „Aber klar bin ich jetzt sehr froh.“

Keine Verschnaufpause bis zum Achtelfinale

Nach dem WM-Startschuss gegen Kroatien geht es ohne Pause am Samstag gegen Bosnien und Herzegowina weiter. Im Vergleich zur EM-Quali 2014, als die ÖHB-Herren in den direkten Duellen mit Heimsieg und Auswärtsremis die Nase vorne hatten, schätzt Johannesson die Bosnier stärker ein. Auch die „sehr offensiven“ Tunesier sind ihm ein Begriff und nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Gegen Mazedonien brennen die Österreicher nach einigen hitzigen Aufeinandertreffen in der jüngeren Vergangenheit auf Revanche. Nur der Iran ist großer Außenseiter wie auch Unbekannter.

„Wir wollen ins Achtelfinale, dann können wir uns neue Ziele setzen“, betonte Johannesson im Vorfeld der WM immer wieder. „Der Aufstieg ist realistisch, wenn wir ans Limit gehen.“ Wüstenklima, kaum Regenerationsphasen zwischen den Spielen und unangenehme Gegner sind in diese Prognose eingerechnet. Der ÖHB-Teamchef ist mit dem Spirit im Team zufrieden. „Alles dreht sich in diesen zwei Wochen um Handball. Wir sind voll fokussiert, auf alles vorbereitet und flexibel“, sagte er. „Stärke im Kopf zeichnet die Besten aus, egal in welcher Sportart.“

Harald Hofstetter, ORF.at

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