Junge „Bullen“ stoßen sich die Hörner ab
Die Auslosung zum Achtelfinale der Europa League geht am Freitag in Nyon ohne Red Bull Salzburg über die Bühne. Der heimische Topclub fand in Villarreal, dem Sechsten der spanischen Primera Division, seinen Meister und musste sich dem stärkeren Gegner mit einem Gesamtscore von 2:5 beugen. Nach dem 1:2 im Hinspiel setzte es am Donnerstag für die Adi-Hütter-Elf eine 1:3-Heimniederlage.
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Wieder einmal wurde dem heimischen Topclub klar, dass die Qualität der Gegner in der K.-o.-Phase der Europa League zunimmt, auch die taktische Rafinesse wesentlich höher ist und jugendliches Draufgängertum nicht für den Erfolg ausreicht. Salzburg lieferte dabei keine schlechte Partie ab. Im Gegenteil, die „Bullen“ hatten sich nicht viel vorzuwerfen, am Ende entschied wohl auch die Erfahrung für Villarreal, das gegen die junge Salzburger Elf in allen Bereichen überzeugte. Nach dem Torrekord in der Gruppenphase erfolgte die Ernüchterung.
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Coach Hütter analysierte die Niederlage
Cleverer und routinierter
Salzburg-Coach Hütter sagte daher gefasst: „Vom Ergebnis her sind wir klar ausgeschieden. Der Knackpunkt war dann das 2:1. Unterm Strich hat sich die clevere und routiniertere Mannschaft durchgesetzt. Villarreal hat sich als Topteam erwiesen.“ Seinem eigenen Team sprach er ein „Kompliment“ aus. „Meine Mannschaft hat alles unternommen, um weiterzukommen“, so Hütter, der daran erinnerte, dass Villarreal in Spanien eine Spitzenmannschaft sei, die seiner Meinung nach in der Europa League „weit kommen“ werde.

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Doppeltorschütze Vietto (l.) legte den Grundstein zum Aufstieg
„Das ist ein Team, das 90 Minuten taktisch perfekt spielt und technisch perfekte Spieler hat. Und diese Spieler in der Offensive (Doppeltorschütze Luciano Vietto, Anm.) werden sicher nicht mehr lange bei Villarreal sein.“ In der Europa League „weit zu kommen“ wäre auch Ziel der Salzburger gewesen, die nach der verpatzten Champions-League-Qualifaktion gegen Malmö FF versuchten, über den Umweg der Europa Leage international aufzufallen. Doch die Verkäufe zahlreicher Leistungsträger waren im Endeffekt nicht zu verkraften.
Überraschender Ausgleich bremst Salzburg
Für das junge Team, in dem der erst 17-jährige Konrad Laimer fast den gesperrten Stefan Ilsanker vergessen ließ und wieder ein Versprechen für die Zukunft abgab, kam ein Gegner wie Villarreal zu früh. Salzburg versuchte von Beginn an, sich in der gegnerischen Hälfte festzusetzen, attackierte sehr früh und spielte druckvoll nach vorne. Die ersten 15 Minuten wankte Villarreal bereits, fiel aber erst in der 18. Minute.
Gegen den verdeckten Schuss von Marco Djuricin in der 18. Minute war Villarreal-Torhüter Sergio Asenjo chancenlos. Beide Teams hatten in einer von bissigen Zweikämpfen geprägten Partie ihre Möglichkeiten. In der 33. Minute gelang dann Luciano Vietto nach einem Freistoß per Kopf der eher überraschende Ausgleich für Villarreal. Nach der Pause bekamen die Spanier das Spiel besser unter Kontrolle, hatten auch Chancen auf das 2:1. Doch Peter Gulacsi klärte mit Glanzparaden.

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Djuricin ließ die Hausherren früh jubeln
Nach rund einer Stunde wurden die Salzburger wieder stärker, erspielten gute Angriffe, waren nah an der Führung. Doch Marcel Sabitzer (69., 71.) und Djuricin (72.) vergaben. Alles in allem aber stand die Villarreal-Abwehr gut und erlaubte sich kaum Fehler. Mitten in die Drangperiode schoss der erst 21-jährige Topstürmer Vietto das 2:1 für Villarreal, kurz darauf sorgte Giovani dos Santos mit dem 3:1 für die endgültige Entscheidung zugunsten der Spanier (79.).
„Das Ausscheiden tut weh“
Torschütze Djuricin trauerte dem möglichen Aufstieg nach: „Es war heute eine große Chance für uns. Wir haben auch gut begonnen, das unnötige Gegentor nach einem Standard hat uns aber etwas aus der Bahn geworfen. Wir haben dann alles riskiert, haben alles versucht. Irgendwie ist es dann blöd gelaufen. Das Ausscheiden tut weh.“
Sabitzer meinte: „Wir sind alle sehr enttäuscht. Wir haben uns viel vorgenommen, haben das über 70 Minuten auch sehr gut gemacht. Die ersten 15 Minuten haben sich die Spanier gar nicht ausgekannt. Aber wie das Spiel zum Schluss hinaus verlaufen ist, ist schon sehr bitter. Villarreal ist eine Weltklassemannschaft, hat sich den Aufstieg verdient.“
Österreich hat keine Primera Division
Villarreal-Trainer Marcelino machte bei der Pressekonferenz jedenfalls einen sehr erleichterten und zufriedenen Eindruck: „Wir fahren mit einem überwältigenden Gefühl nach Hause, weil wir gegen eine großartige Mannschaft, die offensiv über enorme Qualität verfügt, weitergekommen sind.“ Was den Ausschlag zugunsten seines Teams gab? „Wir spielen Woche für Woche gegen starke Gegner, was bei Salzburg nicht der Fall ist. Das war der entscheidende Faktor für den Aufstieg.“

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Laimer beeindruckte mit einer reifen Leistung
Salzburg bot eine der jüngsten Mannschaften in der Europa League auf, in der nur der 20-jährige japanische Neuzugang Takumi Minamino mit dem hohen Tempo nicht zurechtkam. Spieler wie Laimer (Hütter: „Er hat seine Sache sehr gut gemacht“) und Naby Keita zeigten, dass sie bereits den hohen internationalen Anforderungen entsprechen. Talentierte Spieler wie Massimo Bruno, Valentino Lazaro und Valon Berisha saßen auf der Bank. Stellt sich nur die Frage, ob Salzburg eine Mannschaft für längere Zeit zusammenhalten kann und zusammenwachsen lässt oder jedes Mal der Ruf von Leipzig oder eines anderen Clubs folgt.
Ausbildungsverein auf hohem Niveau
Salzburg hat jedoch offenbar den Weg des Ausbildungsvereins auf hohem Niveau eingeschlagen - und das um jeden Preis. Trotz der Millionenverkäufe der letzten Monate von Kevin Kampl, Alan und Sadio Mane wurde das Geld nicht in Verstärkungen für die Verteidigung investiert. Eine kurzfristige Investition, um den seit Monaten nicht in Hochform befindlichen Andre Ramalho zu entlasten.

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Auch Keita ist ein Versprechen für die Zukunft
Torhüter Gulacsi, der sich in zwei Spielen keine Fehler erlaubte, sieht ebenso Salzburgs Zukunft im „Nachwuchs“, der aber noch Zeit braucht: „Wir haben viele Talente in der Mannschaft, und mit diesen Erfahrungen entwickeln sie sich weiter.“ So lautete auch Hütters Bilanz nach seiner ersten Saison als Trainer im Europacup. „Vor einem Jahr wurde hier Ajax klar geschlagen. Fünf Topoffensivspieler von damals sind nicht mehr dabei, das macht die Sache schwer. Aber trotzdem: Unser Weg ist es einfach, junge Spieler heranzuziehen. Wir haben den Weg mit jungen Spielern eingeschlagen und werden diesen auch fortsetzen.“
Nächste Ziele
Einer dieser Spieler, der auch erst 22-jährige Martin Hinteregger, trauerte nur kurz der vergebenen Aufstiegschance nach. „Villarreal hat extrem stark vor dem Tor verteidigt. Es ist bitter, aber bei 2:5 Gesamtscore hat man verdient verloren. Die Europa League ist abgeschlossen, jetzt gibt es nur den Meistertitel und den Cup.“ Es wird auch wieder wichtiger, nationale Titel für die EC-Qualifikation zu holen, denn den fünften Europacup-Startplatz für die Saison 2016/17 haben Österreichs Vereine in dieser Saison wieder verspielt. Dabei würde die Situation ohne Salzburgs Erfolge in der Gruppenphase noch trister ausschauen.
Martin Wagner, ORF.at, aus Salzburg
EL-Sechzehntelfinale, Rückspiel
Donnerstag:
Salzburg - Villarreal 1:3 (1:1)
Red Bull Arena, 26.020 Zuschauer, SR Hansen (DEN)
Torfolge:
1:0 Djuricin (18.)
1:1 Vietto (33.)
1:2 Vietto (76.)
1:3 Giovani dos Santos (79.)
Salzburg: Gulacsi - Schwegler, Ramalho, Hinteregger, Ulmer - Minamino (46./Pires), Laimer (70./Bruno), Keita, Sabitzer - Djuricin (84./Berisha), Soriano
Villarreal: Asenjo - Gaspar, Musacchio, Ruiz, Jaume Costa - Jonathan dos Santos, Pina (86./Campbell), Trigueros, Tscheryschew - Vietto (81./Gomez), Uche (69./Giovani dos Santos)
Gelbe Karten: Hinteregger, Schwegler bzw. Musacchio, Pina, Trigueros, Jonathan dos Santos
Die Besten: Hinteregger, Keita, Laimer bzw. Musacchio, Vietto, Tscheryschew
Villarreal mit dem Gesamtscore von 5:2 im Achtelfinale
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