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Österreicher verzweifeln an der Stange

Österreich hat bei der WM in Tschechien im ersten Schlüsselspiel gegen den Abstieg die Chance verpasst, die Türe zum Klassenerhalt weit aufzustoßen. Die Mannschaft von Teamchef Daniel Ratushny musste sich am Dienstag in Prag Frankreich vor 5.847 Besuchern 0:2 (0:0 0:0 0:2) geschlagen geben. In einer Zitterpartie erwiesen sich die Franzosen als nervenstärker und hatten bei Stangenschüssen Glück.

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Gegen Deutschland und die Schweiz musste sich Frankreich noch knapp geschlagen geben. Diesmal hatten „Les Bleus“ jedoch dank zweier später Tore das bessere Ende für sich. Damien Fleury (47./PP) brachte Frankreich im dritten Abschnitt auf die Siegesstraße, Kapitän Laurent Meunier (60./EN) besiegelte die Niederlage der Österreicher. Das ÖEHV-Team, bei dem nur Goalie Bernhard Starkbaum herausstach, wirkte von der großen Chance, dem Klassenerhalt ein riesiges Stück näher zu kommen, gehemmt. Die Österreicher agierten zwar optisch überlegen, brachten die Scheibe aber zu wenig vor das französische Tor.

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Frankreich gewinnt 2:0

Frankreichs Kapitän Laurent Meunier besiegelte Österreichs Niederlage mit einem Empty-Net-Goal (60.).

Die wichtigste Änderung im österreichischen Team kam nicht überraschend. Dass Mario Altmann in die Verteidigung zurückkehrte, hatte Teamchef Ratuschny bereits am Vortag angekündigt. Extra für das Schlüsselspiel war der Wiener in den ersten beiden Partien nach einer im Test gegen die USA erlittenen Gehirnerschütterung geschont worden. Daniel Mitterdorfer musste dafür genauso zusehen wie Stürmer Manuel Ganahl. Ansonsten ließ Ratushny alles beim Alten. Bei Frankreich wurde der angeschlagene Stephane da Costa doch noch rechtzeitig fit.

Wenig Tempo, viele Fehler

Spieler beider Teams hatten vor der Partie eine Schlacht erwartet. Und es war im ersten Drittel auch eine - aber eine Nervenschlacht. Wer erwartet hatte, die Franzosen würden nach zwei Niederlagen im Kampf ums Überleben wie irre anstürmen, der wurde enttäuscht. „Les Bleus“ warteten ab und überließen den Österreichern das Spiel. Die schienen damit nicht wirklich zurechtzukommen. Nach vier Spielen - Testpartien inklusive, mit hohem Tempo - ging es nun fast gemütlich zu. Frankreich lauerte hingegen geradezu auf jeden Fehler der Österreicher.

Und die luden den Gegner mit Unkonzentriertheiten einmal zu oft zu Kontern ein. Diese fuhren die Franzosen blitzschnell. Goalie Starkbaum musste als eine Art Libero nach einem gefährlichen Fehlpass von Rafael Rotter ausputzen. Offensiv agierten die Österreicher engagiert, aber teilweise zu umständlich. Anstatt zu schießen wurde oft noch einmal gepasst - das aber meist auf eine französische Schaufel. Die besten Chancen hatten noch Michael Raffl nach einem Alleingang (7.) und Youngster Alexander Cijan (13.). Auf der Gegenseite musste Starkbaum bei einem Schuss von Florian Chakiachvili aufpassen (10.).

Zweimal an die Stange

Zu Beginn des zweiten Drittels waren die Österreicher gleich einmal ein Mann weniger. Patrick Peter hatte 14,2 Sekunden vor Ablauf des ersten Drittels seinen Teamkollegen die Suppe mit einer Strafe eingebrockt. Und fast wäre diese Suppe dem ÖEHV-Team sauer aufgestoßen. Starkbaum, der drei Topchancen vereitelte, verhinderte aber irgendwie noch den Rückstand. Frankreichs Teamchef Dave Henderson hatte ein Schachspiel angekündigt. Sein Zug im zweiten Drittel war verstärkte Attacke. Wieder kamen die Österreicher ins Schwimmen, Starkbaum hielt aber mit Händen und Füßen seinen Kasten sauber. Selbst als Loic Lamperier nur noch einzuschlenzen brauchte, war der 29-Jährige irgendwie dran.

Zwar war das Tempo jetzt deutlich höher als im ersten Abschnitt, aber wirklich zünden wollte der Angriffsturbo der Österreicher weiter nicht. Raffl und Co. versuchten in einigen Situationen den Puck förmlich ins Tor zu tragen. Das ging gegen Goalie Huet und die dicht stehende Verteidigung nicht gut. Auch im Powerplay nicht, obwohl die Teamchefvorgabe im Vorfeld „viele Schüsse“ gelautet hatte. Trotzdem hätte es Minimum 1:0 für Österreich stehen können. Zweimal verhinderte die Stange den Treffer. Einmal hatte Mario Fischer Pech (24.), dann rettete das Gehäuse bei einem überraschenden Schuss von Konstantin Komarek Huet die Haut (31.).

Fleury hält Wort

Im dritten Abschnitt blieb die Partie nichts für schwache Nerven - oder Eishockey-Feinspitze. Es regierte weiter Kampf und Krampf. Vor allem die Österreicher wirkten nicht so frisch und konzentriert wie noch gegen die Schweiz und phasenweise gegen Schweden. Zu schwer wog der Druck des Gewinnenmüssens. Trotzdem hatte man weiter deutlich mehr Spielanteile. Mit Strafen brachte man sich aber selbst in die Bredouille. Die Franzosen rochen Lunte. Eine Bankstrafe wegen eines Wechselfehlers überstanden die Österreicher erneut dank eines überragenden Starkbaums noch unbeschadet.

Damien Fleury (FRA) erzielt ein Tor gegen Österreich

APA/Helmut Fohringer

Fleury hielt im entscheidenden Moment seinen Schläger dazwischen

Aber als Michael Raffl auf die Strafbank musste - der NHL-Legionär hatte seinen Schläger zu hoch gehalten -, war der österreichische Goalie machtlos. Ein Schuss von Da Costa, der bis eine Dreiviertelstunde vor dem Spiel noch fraglich war, wurde ausgerechnet von Fleury unhaltbar für Starkbaum abgefälscht. Der Stürmer hatte vor dem Spiel einen französischen Sieg angekündigt und hielt zum Leidwesen der Österreicher Wort. Es war der erste Gegentreffer der ÖEHV-Truppe in Unterzahl - im denkbar schlechtesten Spiel.

Jetzt warf Ratushny alles nach vorne, aber der Verlusttreffer schien seine Spieler mental noch weiter gebremst zu haben. Je weniger Sekunden auf der Uhr waren, umso mehr wuchs der Frust. Dazu war das Glück nicht auf der Seite der Rot-Weiß-Roten. Ein abgefälschter Schuss von Altmann landete erneut an der Stange. In der Schlussminute besiegelte Meunier mit dem 2:0 (60.) die Niederlage. Da war Starkbaum schon nicht mehr auf dem Eis. Frankreich zog mit dem ersten Sieg im Turnier den Kopf aus der Schlinge und in der Tabelle an Österreich vorbei.

Karl Huber, ORF.at, aus Prag

Eishockey WM, Gruppe A

Dienstag

Österreich - Frankreich 0:2

(0:0 0:0 0:2)

Prag, 5.847 Zuschauer

Tore: Fleury (47./PP), Meunier (60./empty net)

Strafminuten: 10 bzw. 6

Österreich: Starkbaum - Pallestrang, Heinrich; Mühlstein, Altmann; Schumnig, F. Iberer; Peter - Herburger, M. Raffl, Lebler; Latusa, Komarek, Th. Raffl; Rotter, Hundertpfund, M. Geier; Cijan, Fischer, N. Petrik

Frankreich: Huet - Manavian, Auvitu; Besch, Hecquefeuille; Janil, Chakiachvili; Dieude Fauvel - Roussel, Fleury, T. da Costa; Y. Treille, Meunier, Desrosiers; Raux, S. Treille, Bertrand; Lamberier, Guttig, Rech; Claireaux, S. da Costa

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