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Schön spielen reicht nicht

Sport kann manchmal brutal sein, und Eishockey ist da keine Ausnahme. Wie brutal, musste das österreichische Team im WM-Schlüsselspiel gegen Frankreich wieder einmal am eigenen Leib erfahren. Obwohl optisch überlegen, jubelten am Ende die Franzosen. Bei den Österreichern meldete sich ausgerechnet im ungünstigsten Moment ein altes Problem zurück: die Abschlussschwäche.

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„Du kannst ein Spiel mit null Toren nicht gewinnen“, sagte ein zerknirschter Teamchef Daniel Ratushny. In einem zerfahrenen Spiel waren es die Franzosen, denen ein Tor von Damien Fleury zum Sieg reichte. Das 2:0 ins leere Tor von Kapitän Laurent Meunier war nicht mehr entscheidend. Wenige Tage nach dem überraschenden Sieg über die Schweiz konnten die Österreicher ausgerechnet in einer entscheidenden Partie um den Klassenerhalt ihre beste Leistung nicht abrufen. Mit einem Sieg über die Franzosen hätten Ratushnys Spieler die Tür zum großen Ziel weit aufgestoßen, so heißt es weiter zittern.

„Wir haben zu viel gekünstelt“

Die Abschlussschwäche, traditionell ein österreichisches Problem in Mannschaftssportarten, zeigte ausgerechnet gegen Frankreich wieder ihr hässliches Gesicht. Das lag zum einen an der kompakten französischen Abwehr, die viele Schüsse vorzeitig blockte, zum anderen aber am komplizierten Spiel der Österreicher. Der schnelle Abschluss wurde nicht gesucht. „Wir haben zu viel gekünstelt, zu oft versucht, schöne Tore zu schießen, ich selbst auch“, sagte Michael Raffl, „für Puckbesitz bekommst du nichts.“

Keeper Bernhard Starkbaum (AUT) pariert einen Schuss von Loic Lamperier (FRA)

APA/Helmut Fohringer

Goalie Bernhard Starkbaum war wieder ein starker Rückhalt

Die Stimmung war beim NHL-Legionär nach dem verlorenen Schlüsselspiel logischerweise im Keller. Lieber hätte Raffl wohl seinen Schläger zerdroschen, als die Niederlage zu erklären - eine Niederlage, in der das österreichische Team eigentlich den Ton angab. „Du denkst, dass du dominierst, aber hast eigentlich keine Torschüsse. Ich habe nach dem Spiel gesehen, dass wir nur 23 Schüsse hatten, es hat sich angefühlt wie 50“, so Raffl. Torhüter Bernhard Starkbaum, der die Österreicher mit einigen Glanzparaden im Spiel gehalten hatte, verschwand überhaupt wortlos in den Katakomben der O2-Arena.

Umschalten funktioniert nicht

Dass dreimal die Stange ein österreichisches Tor verhinderte, passte an diesem Abend zum Bild. Trotzdem: Wirklich geprüft wurde Goalie-Veteran Cristobal Huet an diesem Abend nicht. Und wenn, dann hatte der 39-Jährige meist freie Sicht auf die Scheibe. Auch daran will man im österreichischen Lager arbeiten. „Wir müssen für mehr Verkehr vor dem Kasten sorgen“, sagte Raffl. Teamchef Ratushny sah es ähnlich. „Wir müssen einen Weg finden, um die Schusslinien mehr zu öffnen“, sagte der Kanadier, der sich seine Mannschaft gegen Frankreich „hungriger“ vor dem Tor erwartet hätte.

Der Teamchef lobte aber auch den Gegner, der einmal mehr vormachte, wie man im A-Pool langfristig überlebt. Die Franzosen ließen sich von den Österreichern nicht aus der Reserve locken und warteten geduldig auf Fehler des Gegners. „Das ist ihr Spiel“, sagte Ratushny. Schenkten die Österreicher die Scheibe her, dann ging es meistens sehr schnell. „Gegen so ein Team zu spielen ist nicht lustig, es sei denn, man erzielt gleich ein Tor, dann müssen sie aufmachen, das haben wir aber nicht geschafft“, sagte Michael Raffl.

Brian Lebler (AUT) gegen Damien Fleury (FRA)

APA/EPA/Filip Singer

Brian Lebler und Co. präsentierten sich zu wenig durchschlagskräftig

Ratushny kündigte unmittelbar nach dem Spiel an, am Manko Abschluss zu arbeiten. Gegen Lettland am Samstag und Deutschland am Montag benötigt man zumindest ein Tor mehr als der Gegner. Üben kann man das Toreschießen am Freitag gegen Gastgeber Tschechien - vor allem im Konterspiel. „Wir müssen schneller in die Offensive umschalten, viele Tore fallen einfach aus Konter“, sagte Ratushny. Vielleicht beherzigen seine Spieler spätestens gegen Tschechien, was sich der Teamchef schon gegen Frankreich gewünscht hatte: viel schießen.

Optimismus ungebrochen

Obwohl das Team gegen Frankreich eine große Chance leichtfertig durch die Finger rutschen ließ, ist der Optimismus ungebrochen. „Wir spielen dennoch ein starkes Turnier. Ich bin mir sicher, dass wir uns wieder fangen. Wir haben noch genügend Möglichkeiten“, sagte Kapitän Thomas Raffl. Und auch sein Bruder Michael blickte bereits nach vorne: „Es geht ganz normal weiter, das ist ein langes Turnier. Einfach weitermachen, nächstes Training , nächstes Spiel, nächster Shift. Es ist noch nichts verloren.“

Zwei Tage hat die Mannschaft Zeit, um die schmerzliche Niederlage gegen Frankreich aus den Köpfen zu bekommen. Teamchef Ratushny macht sich keine Sorgen: „Morgen ist ein neuer Tag. Man wird im Sport darauf geschult, dass man sich eine Niederlage nicht zu hart nimmt.“ Um den Spielern ein wenig Erholung zu gönnen, verzichtete der Kanadier am Mittwoch auf das Eistraining. Und ersparte seinen Jungs eine Busfahrt in voller Eishockeymontur. Denn trainiert wird bei der WM in der Halle von Sparta Prag, rund 20 Autominuten von der O2-Arena. Die gesamte Ausrüstung hin- und herzutransportieren zahlt sich da nicht wirklich aus.

Karl Huber, ORF.at, aus Prag

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