Austria im Derby chancenlos
Das 313. Wiener Derby hat bestätigt, was die Tabelle schon seit Längerem ausgewiesen hat: Die Kräfteverhältnisse in Wien verschoben sich klar von der Austria hin zu Rapid - und das in nur zwei Jahren. 2013 mussten die Hütteldorfer den Violetten bei der Meisterfeier zusehen. Jetzt hat Rapid sogar noch theoretische Chancen auf den Titel, die Austria grundelt im unteren Tabellendrittel.
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Als Zoran Barisic am 17. April 2013 sein Amt als Trainer in Hütteldorf antrat, lag Rapid 20 Punkte hinter dem späteren Meister Austria. Nach der letzten Runde der vergangenen Saison hatten die Hütteldorfer schon um neun Zähler die Nase vorne - derzeit beträgt der Vorsprung 21 Punkte. Rang zwei in der Tabelle und damit ein Platz in der Qualifikation zur Champions League ist Rapid fast nicht mehr zu nehmen.
Rapid gewinnt Derby gegen Austria
Im 313. Wiener Derby haben die Rapidler mit 4:1 den ersten Saisonsieg gegen die Austria gefeiert. Vom zweiten Tabellenplatz ist Rapid Wien kaum mehr zu verdrängen.
Bestätigung für eingeschlagenen Weg
Drei Runden vor Schluss beträgt Rapids Vorsprung auf Sturm Graz und SCR Altach sieben Punkte. Mit einem Sieg am Mittwoch in Grödig wären die Wiener nicht mehr aus den Top Zwei zu verdrängen. „Der Sieg gegen die Austria war ein ganz großer Schritt in die richtige Richtung“, erklärte Barisic. Bei acht Zählern Rückstand auf Spitzenreiter Red Bull Salzburg hat Rapid sogar noch die theoretische Chance auf die Meisterschaft. Ernsthafte Gedanken an den Meisterteller macht sich Barisic aber nicht. „Ich gehe davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Salzburg den Titel holt.“
Dass Rapid aber wieder erster Verfolger der Salzburger ist, sieht Barisic nicht ohne Genugtuung. „Unser Ziel war es damals, die Schere zu Salzburg und Austria zu verkleinern. Rapid hat sich zu diesem Zeitpunkt in einer sportlich und wirtschaftlich schwierigen Situation befunden. Und wir haben uns für einen Weg entschieden, der uns dorthin geführt hat, wo wir jetzt sind. Aber wir sind den Weg noch nicht zu Ende gegangen“, betonte der Rapid-Coach.

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Sonnleitner (6) setzte den Schlusspunkt hinter ein einseitiges Wiener Derby
Hätte sich seine Truppe im Herbst regelmäßig so präsentiert wie gegen die Austria, wäre das Titelrennen spannender geworden. Im Duell mit den „Veilchen“ agierte Rapid in einem Derby so dominant wie schon lange nicht. „Die Mannschaft hat über weite Strecken eine gute Partie abgeliefert. Ich weiß, dass sie es noch besser kann, doch man muss die Kirche im Dorf lassen - ich bin sehr zufrieden“, sagte Barisic nach der neunten Ligapartie ohne Niederlage.
Violettes Rätselraten
Was hingegen in den vergangenen zwei Jahren bei der Austria passiert ist, konnte Interimscoach Andreas Ogris nicht wirklich beantworten. „Anscheinend sehr viel“, sagte der 50-Jährige, der die Überlegenheit der Hütteldorfer zähneknirschend zur Kenntnis nehmen musste. „Der Sieg von Rapid geht absolut in Ordnung, auch in dieser Höhe.“
Von der Leistung seiner Kicker war der 50-Jährige sichtlich enttäuscht. „Wir haben ab der ersten Minute nicht ins Spiel gefunden und nicht die nötige Aggressivität in den Zweikämpfen mitgebracht“, meinte Ogris, dessen Club im Cupfinale am 3. Juni in Klagenfurt gegen Salzburg die Chance hat, die Saison noch halbwegs versöhnlich zu beenden. Am Training liegt es laut Austria-Coach nicht. „Wenn man sieht, wie wir unter der Woche trainiert haben, müssen wir vom Training her absolut zufrieden sein. Wir haben es aber nicht auf den Rasen gebracht“, sagte Ogris.

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Ogris konnte den Austria-Karren nicht aus dem Sumpf ziehen
Mit einer Darbietung wie gegen Rapid wird aber der Cuptitel - und damit auch die Europacup-Teilnahme - wohl nur ein Wunschtraum bleiben, wie auch Innenverteidiger Lukas Rotpuller zugab. „Nach so einem Spiel ist es schwer, Worte zu finden. Das war einer Austria nicht würdig. Wenn man so auftritt wie heute, wird man in der Bundesliga niemanden schlagen“, so der Abwehrspieler. Zeugen der desolaten Austria-Leistung wurden 29.800 Zuschauer - vor so einem großen Publikum war in dieser Bundesliga-Saison noch keine Partie über die Bühne gegangen.
Schobesberger ist Rekord egal
Und die Zuschauer sahen dafür auch einen Eintrag in die Rapid-Geschichtsbücher. Philipp Schobesberger erzielte im siebenten Ligaspiel in Folge einen Treffer und egalisierte damit die Bestmarke von Hans Krankl. Dem „Goleador“ war im Frühjahr 1978 das gleiche Kunststück gelungen - 15 Jahre vor Schobesbergers Geburt. Den Oberösterreicher ließ es allerdings kalt, mit der Rapid-Legende auf einer Stufe zu stehen. „Ich empfinde den Rekord im Moment als nicht so aufregend. Aber in ein paar Jahren, wenn ich zurückschaue, werde ich mich freuen“, sagte Schobesberger.
Der 21-Jährige - der inklusive Cup sogar seit acht Spielen in Folge getroffen hat - startete im Frühjahr richtig durch und avancierte zu einem der gefürchtetsten Offensivspieler der Liga. Inspiration holte sich der Rechtsfuß bei Barcelona-Star Neymar. „Vielleicht ist er ein bisschen ein Vorbild, er probiert auch viel. Aber ich habe meinen eigenen Spielstil“, sagte Schobesberger.
Grün-weißes Erfolgsduo
Rapid Wien kann sich im Frühjahr auf die Torjägerqualitäten von Robert Beric und Philipp Schobesberger verlassen. Die beiden erzielten mehr als 50 Prozent der Treffer.
Mit seiner Spielweise dürfte der aktuelle Torjäger auch das Interesse von ÖFB-Teamchef Marcel Koller geweckt haben. Allerdings ist eine Einberufung für das EM-Qualifikationsspiel am 14. Juni in Russland unwahrscheinlich - der Schweizer hält bekanntlich gerne an seinem aktuellen Stamm fest. Eine Nicht-Berücksichtigung würde Schobesberger aber ohnehin nicht besonders hart treffen. „Ich rechne nicht mit einer Einberufung, sondern freue mich schon auf den Urlaub mit meiner Freundin“, sagte der Rapid-Youngster.
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