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Rasanter Aufstieg seit 2012

Dass Argentinier mit einem runden Ball umgehen können, weiß man nicht erst seit Lionel Messi. Aber auch mit dem Rugby-Ball gehören die Südamerikaner zur Weltspitze. Mit dem souveränen Aufstieg ins Semifinale der WM 2015 bewiesen „Los Pumas“, dass sie andere Großmächte - speziell jene aus Europa - hinter sich gelassen haben. Das Jahr 2012 spielte beim argentinischen Aufstieg eine wichtige Rolle.

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Zum zweiten Mal in seiner Geschichte steht das Nationalteam Argentiniens im Semifinale einer Weltmeisterschaft. 2007 bei der WM in Frankreich galt der Aufstieg der „Pumas“ und der folgende dritte Platz noch als Sensation - und das, obwohl man im Eröffnungsspiel und im Spiel um Platz drei den Gastgeber besiegt hatte. Acht Jahre später unterstrichen die Argentinier mit einem 43:20 über Irland, seines Zeichens Sieger der „Six Nations“-Ausgabe 2015, dass man endgültig aus dem Schatten der traditionellen Rugby-Nationen in Europa getreten war.

Wenig Praxis gegen gleichwertige Gegner

Britische Einwanderer brachten den Rugbysport im 19. Jahrhundert nach Argentinien. Die erste Aufzeichnung über ein Spiel gibt es aus dem Jahr 1873. Obwohl Rugby im Land der Gauchos in der Beliebtheit weiter hinter Fußball stand und steht, mauserten sich die „Pumas“ zu einem ernstzunehmenden Gegner und sorgten immer wieder für Überraschungen etwa gegen Wales oder Schottland. Argentinien sicherte sich damit einen Platz in der obersten Kategorie der Rugby-Welt - vom Weltverband World Rugby als Tier 1 bezeichnet.

Juan Imhoff (Argentinien)

APA/EPA/Facundo Arrizabalaga

Die Iren (r.) liefen den Argentiniern im Viertelfinale meist hinterher

Doch ein Umstand hemmte den Aufstieg der Argentinier. Während die besten Europäer sich jährlich im „Six Nations“-Turnier maßen und auch die drei Großmächte der Südhalbkugel Neuseeland, Australien und Südafrika ab 1996 mit den „Tri Nations“ ein Turnier veranstalteten, mussten die Südamerikaner meist auf eine WM warten, um Spiele auf höchstem Niveau bestreiten zu können. Auf dem eigenen Kontinent war kein Gegner mehr zu finden. Allen anderen Südamerikanern war und ist man überlegen, einzig die Kanadier aus dem Norden konnten „Los Pumas“ besiegen.

Kräftemessen mit den großen drei

Die große Wende kam 2012. Die starke WM 2007, als man mit dem dritten Platz überhaupt in neue Sphären vordringen konnte, und jahrelanges Lobbying überzeugte die Verantwortlichen in Neuseeland, Australien und Südafrika - allesamt aktuelle WM-Semifinalisten -, die Argentinier in ihren Kreis aufzunehmen. Aus den „Tri Nations“ wurde vor vier Jahren „The Rugby Championship“. Und mit den jährlichen Kräftemessen mit den drei Doppelweltmeistern von der Südhalbkugel kam das argentinische Spiel so richtig in Schwung.

„Wir spielen jetzt seit vier Jahren mit und haben uns daran gewöhnt, auf diesem Niveau auf wöchentlicher Basis zu spielen“, sagte der argentinische Teamchef Daniel Hourcade. „Regelmäßig gegen die Besten zu spielen erfordert Vorbereitung und Perfektion. Wenn man daran gewöhnt ist, wird es für Dich zur Normalität.“ Der Lerneffekt schlug bald durch. Gegen die australischen „Wallabies“ und Südafrikas „Springboks“ konnte man sogar gewinnen. Gegen Letztere heuer erstmals in der Geschichte, und das noch dazu in Südafrika.

Kieran Read (Neuseeland) gegen Argentinien

APA/EPA/Facundo Arrizabalaga

Die regelmäßigen Duelle mit den „All Blacks“ zahlen sich aus

Auch die Organisation in der Heimat wurde neu geordnet. Zwar bilden Amateurclubs - insgesamt gibt es mehr als 480 Vereine in 25 Provinzverbänden - das Rückgrat des argentinischen Rugby, doch die besten Spieler sind bei der nationalen Union Argentina de Rugby (UAR) als Profis unter Vertrag. Die UAR arbeitet auch bereits am nächsten Schritt. Ab 2016 soll ein vom Verband organisiertes Profiteam an der „Super Rugby“-Liga teilnehmen und sich mit Mannschaften aus Neuseeland, Australien und Südafrika messen.

„Sie sind unglaublich gefährlich“

Die australischen „Wallabies“ sind auch die nächste Hürde, die Argentinien auf dem Weg zum ersten WM-Finale seiner Geschichte überspringen muss. Und auch wenn es für die „Pumas“ heuer in der „Rugby Championship“ gegen die „Wallabies“ im einzigen Spiel mit 9:34 nichts zu holen gab, will man bei den Australiern nichts von einer „g’mahten Wiesn“ wissen. „Sie sind unglaublich gefährlich“, sagte Routinier Matt Giteau, „jeder hat gesehen, was sie mit Irland gemacht haben und wie sehr sie Neuseeland im ersten Spiel unter Druck gesetzt haben.“

Bei den Argentiniern bleibt man aber trotz der Gala gegen Irland vor dem Duell mit den Australiern realistisch. „Wir sind noch nicht auf ihrem Niveau, aber wir verbessern uns ständig“, sagte Kapitän Agustin Creevy, „der Weg ist noch weit, aber dieses Team hat noch einiges zu bieten.“ Gelingt den Argentiniern auch gegen Australien eine Überraschung, würde man sich im Finale mit dem Sieger der Partie Neuseeland gegen Südafrika messen.

Apropos Südafrika: Einem Journalisten vom Kap der guten Hoffnung verdanken die „Pumas“ auch ihren Spitzenamen. Beim ersten Besuch eines argentinischen Teams in Südafrika bezeichnete ein lokaler Journalist die Gäste nach der Raubkatze im Logo auf dem Trikot. Dass das Tier auf der Brust der Spieler aber keinen Puma, sondern einen Jaguar darstellt, hatte der Reporter übersehen. Das Missverständnis bescherte der Rugby-Welt aber einen Spitznamen, den man dieser Tage ehrfürchtig ausspricht - vor allem in Irland.

Karl Huber, ORF.at

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