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Selbstständigkeit als großes Ziel

Österreichs Stabhochsprung-Rekordhalterin Kira Grünberg ist beim Training am 30. Juli in Innsbruck aus gut vier Metern Höhe in den Einstichkasten vor der Matte gestürzt, hat sich lebensgefährlich verletzt und ist seitdem querschnittgelähmt. Es war einer der ersten Trainingssprünge nach dem Aufwärmen.

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Ihr Bewegungsablauf verlief völlig normal: mit den Beinen senkrecht nach oben rollen, mit den Armen leichte Rotation um den Körper machen, mit Beinen zuerst über die Latte kommen, in horizontaler Position (flach) auf dem Rücken auf der Matte landen; die Beine zeigen dabei in Richtung Anlauf. Fatalerweise entwickelte der Sprung aber zu wenig Tiefe, der Stab stellte sich nicht im 90-Grad-Winkel auf, sondern bei 75, erklärte Grünbergs Manager Thomas Herzog den Unfallhergang.

Kira Grünberg

GEPA/Josef Bollwein

Der Bewegungsablauf glich jenem von Hunderten Sprüngen zuvor

Auch Grünberg selbst kann sich an den Unfall, den sie sich in der Zwischenzeit auch auf Video angesehen hat, genau erinnern. „Ich habe keinen großen Fehler gemacht beim Sprung, es waren viele Kleinigkeiten, die nicht zusammengespielt haben. Ich glaube, in so einem Moment kann man nicht viel machen. Das ist mehr oder weniger Schicksal“, so Grünberg im Stern-TV.

„Keine Funktion mehr da“

Im ORF-Interview Mitte September hatte sie geschildert, dass ihr Vater nach dem Sturz zu ihr gelaufen sei und sie aufgefordert habe, ihre Beine zu bewegen. In Gedanken habe sie das getan, aber selbst gleich gesehen, dass keine Funktion mehr da war. „In den Armen war auch nicht wirklich etwas da. Ein leichtes Zucken, aber ich habe keine Ahnung, ob das wirklich von mir gekommen ist oder doch noch vom Sturz.“

„Nach der Operation fürchteten die Ärzte, sie werde nur noch Augen und Zunge bewegen können“, erinnert sich Grünbergs Manager Herzog. Doch der Wille der jungen Frau und die Möglichkeiten eines an Training gewöhnten Körpers haben seitdem riesige Fortschritte gebracht. In der Reha-Klinik in Bad Häring trainiert die 22-Jährige sehr fokussiert und verspürt wieder eine gewisse Beweglichkeit in den Händen.

Fortschritte in der Reha

Bizeps und Unterarmbeuger kann Grünberg inzwischen einsetzen und so mit dem Rollstuhl fahren. Die Finger - und natürlich die Beine - sind jedoch ohne Funktion. Ein Löffel wird mit einem Lederband an die Hand gebunden, wenn sie alleine essen will. Auch Tischtennis kann sie so spielen. Weitere Unterstützung wird sie in Zukunft auch von einem Assistenzhund erhalten.

Kira Grünberg bei der Lotterien Gala Nacht des Sports

GEPA/Christian Walgram

Grünberg bei der Galanacht des Sports in Wien

Ihren ersten öffentlichen Auftritt seit ihrem Unfall absolvierte Grünberg in Wien am 29. Oktober bei der Galanacht des Sports, der zum emotionalen Höhepunkt des Abends avancierte. Das Projekt „Laufen für Kira“ wurde mit dem Preis „Sportler mit Herz“ ausgezeichnet. „Ohne Unterstützung hätte ich es nicht geschafft, diesen Weg zu gehen. Die Anteilnahme hat mir geholfen, darüber hinwegzukommen. Es ist ja kein schlechtes Leben“, sagte Grünberg mit Tränen in den Augen und nach minutenlangem Applaus und Standing Ovations.

Kraft gaben ihr neben ihrer Familie, die rund um die Uhr für sie da ist, auch Besuche von Freunden und Sportlern. Unter anderen waren Stabhochsprung-Weltrekordler Renaud Lavillenie aus Frankreich und der deutsche Olympiasieger im Diskuswerfen, Robert Harting, zu Gast. Auch Bundespräsident Heinz Fischer und Sportminister Gerald Klug machten im Krankenhaus ihre Aufwartung.

„Selbstständig werden“ als Ziel

„Mir geht es nicht schlecht, ich bin halt jetzt im Rollstuhl. Ich bin nicht krank oder so, nur querschnittsgelähmt.“ Sie sei halt wie als Baby wieder auf Hilfe angewiesen. „Es wird hoffentlich wieder so werden, dass ich relativ selbstständig leben kann“, sagte Grünberg in einem Interview mit Stern-TV.

„Man weiß nicht, was von den Funktionen noch kommen kann. Aber auch wenn es so bleibt, wie es jetzt ist, kann man relativ gut selbstständig werden“, so die Tirolerin, die auch ihr Pharmaziestudium wieder aufnehmen und abschließen will.

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