Von Suspendierung zu Entlassung
Der bisher suspendierte Jerome Valcke ist am Mittwoch letzter Woche als Generalsekretär des Fußballweltverbands (FIFA) entlassen worden. Die FIFA hatte Valcke am 17. September 2015 suspendiert, am 8. Oktober war die Ethikkommission mit einer vorläufigen Sperre von 90 Tagen gefolgt. Zuvor waren diverse Korruptionsvorwürfe gegen den langjährigen FIFA-Funktionär Valcke laut geworden.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Auch das Arbeitsverhältnis mit dem 55-jährigen Franzosen sei fristlos beendet, teilte die FIFA in einer Stellungnahme nach einem Beschluss des Dringlichkeitskomitees mit. Die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission hatte unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert am Donnerstag vergangener Woche ein formelles Verfahren gegen Valcke eröffnet.

APA/AFP/Tasso Marcelo
Valcke und Blatter haben ausgedient
Das Aufräumen bei der FIFA geht also weiter: Nun hat es auch Blatters einst engsten Vertrauten erwischt. Nachdem sich der Weltverband schon Ende 2006 kurzzeitig vom damaligen Marketingdirektor wegen eines Fehltrittes trennte, ist der Abschied nun endgültig. Seine Aufgaben übernimmt weiter der geschäftsführende deutsche Generalsekretär Markus Kattner.
Schwere Vorwürfe
Valcke, der 2003 erstmals bei der FIFA tätig und seit Juni 2007 als Generalsekretär Blatters rechte Hand war, wird Korruption vorgeworfen. Die US-Justiz verdächtigt den 55-Jährigen, zehn Millionen Dollar aus Südafrika an die von Skandalfunktionär Jack Warner kontrollierten Fußballverbände CONCACAF und CFU weitergeleitet zu haben. Der gebürtige Pariser war bereits am 17. September 2015 suspendiert worden. Am 8. Oktober verhängte die Ethikkommission der FIFA eine Sperre von 90 Tagen gegen Valcke.
Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte im Zusammenhang mit Valckes Suspendierung geschrieben, dass die Agentur JB Sports Marketing schwere Vorwürfe gegen die FIFA-Spitze erhoben hatte. Vertreter der Agentur hätten einen Ticketingvertrag mit der FIFA für die WM-Turniere 2010 bis 2022 vorgelegt, in dessen Kontext Valcke eine „diskrete Gewinnbeteiligung“ zugesichert worden sein sollte.
Valcke streitet alles ab
Valcke, dessen Karriere 1984 als Journalist beim französischen Sender Canal+ begonnen hatte, bestritt das angebliche Fehlverhalten. Die entsprechenden Anschuldigungen seien „frei erfunden“ und „ungeheuerlich“, hatte Valckes New Yorker Anwalt Barry Berke mitgeteilt. Valcke habe niemals Geld erhalten und niemals eingewilligt, von diesem Geld oder andere Wertgegenstände anzunehmen.
Wie sehr Blatter seinen einstigen engen Mitarbeiter schätzte, belegt eine Aussage aus der Vergangenheit. „Starke Leute holt man zurück“, kommentierte Blatter, als Valcke nach seiner Freistellung zum Generalsekretär aufstieg. „Als er vor viereinhalb Jahren seine Tätigkeit als Direktor Marketing und TV in der FIFA aufnahm, steckten wir in roten Zahlen“, sagte Blatter 2007. Im Jahr zuvor drohte Valckes Karriere bei der FIFA erstmals abrupt beendet zu sein.
Er hatte als TV- und Marketingdirektor einen Sponsoringkontrakt mit einem Kreditkartenunternehmen (Visa) abgeschlossen, ohne zuvor vertragsgemäß erst mit dem bestehenden Sponsor (Mastercard) zu verhandeln. Das kostete die FIFA 90 Millionen Euro. Nur ein halbes Jahr später kehrte er als Generalsekretär zurück.
Links: