Ein Fall für den Kontrollausschuss
Nach dem Eklat von Leverkusen droht Roger Schmidt ein sportrechtliches Nachspiel. Die vom Bayer-Coach beim 0:1 gegen Dortmund provozierte fast zehnminütige Spielunterbrechung wird nun zum Fall für den Kontrollausschuss des Deutschen Fußballbundes (DFB). Sogar eine eine längere Sperre ist möglich, über das genaue Ausmaß der Strafe kann vorerst aber nur spekuliert werden.
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DFL-Schiedsrichtermanager Hellmut Krug hält eine Verbannung von Bayer-Trainer Roger Schmidt für mehrere Spiele für möglich. „Das wird ein Fall für den Kontrollausschuss. Eine längere Sperre für Roger Schmidt ist durchaus denkbar“, sagte der Spitzenfunktionär der Deutschen Bundeslige (DFL) der „Bild“-Zeitung (Montag-Ausgabe). Prognosen über ein mögliches Strafmaß sind mangels Präzedenzfall spekulativ.
„So ein Verhalten ist noch nie da gewesen“
Es gilt als wahrscheinlich, dass der Deutsche Fußballbund (DFB) nach Sichtung des Schiedsrichter-Sonderberichtes Ermittlungen einleiten und Schmidt um eine Stellungnahme bitten wird. Erst danach wird über eine Anklage vor dem Sportgericht des Verbandes entschieden. Für Nichtbefolgung der Anordnungen des Schiedsrichters sieht die Rechts- und Verfahrensordnung zumindest bei Spielern Sperren von einer Woche bis zu drei Monaten vor. Eine Entscheidung könnte bereits Dienstag oder Mittwoch fallen.

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Kießling überbringt Schmidt die Nachricht des Schiedsrichters
Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, kritisierte den Leverkusener Trainer ausdrücklich. „So ein Verhalten ist noch nie da gewesen. Es war sehr ungewöhnlich, dass das ein Trainer so praktiziert“, sagte er. „Wenn der Trainer einfach nicht gehen will, was soll der Schiedsrichter da noch machen? Ein Spieler muss auch gehen, wenn er des Feldes verwiesen wird, auch wenn es ein umstrittener oder ungerechter Platzverweis ist.“
Verschiedene Strafen möglich
Mögliche Strafen für Schmidt ergeben sich nach DFB-Angaben aus der Ausbildungsordnung des Deutschen Fußballbundes. Paragraf 33 befasst sich mit unsportlichem Verhalten von Trainern. Demnach kann ein Verstoß gegen DFB-Regeln verschiedene Folgen haben.
Verwarnung oder Verweis, eine Geldstrafe bis zu 50.000 Euro, ein Aufenthaltsverbot für bis zu fünf Spiele seiner Mannschaft und eine Sperre der Trainertätigkeit von bis zu zwei Jahren. Diese Strafen können auch kombiniert verhängt werden. In besonders schweren Fällen kann der Trainer seine Ausbildungserlaubnis auf Zeit oder dauerhaft verlieren.
Anweisung nicht befolgt
Im Sonntag-Spiel gegen Borussia Dortmund hatte Schmidt nach dem 1:0 des BVB eine knapp zehnminütige Spielunterbrechung provoziert, weil er nicht wie von Schiedsrichter Felix Zwayer gefordert auf die Tribüne gehen wollte.
Bayer monierte, dass der Freistoß des BVB zu weit weg vom eigentlichen Tatort ausgeführt worden sei und sich Dortmund damit einen Vorteil bei der Entstehung des Führungstreffers durch Pierre-Emerick Aubameyang (64.) verschafft habe.
Zwayer wollte Bayer-Trainer Roger Schmidt aus dem Innenraum verweisen, nachdem dieser die Torentscheidung beanstandet hatte. Kapitän Stefan Kießling überbrachte dem Coach den Regeln entsprechend die Nachricht, die dieser aber ignorierte. „Ich habe zu lange gezögert zu gehen. Es war ein Fehler von mir“, sagte Schmidt nach der Partie.

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Schiedsrichter Felix Zwayer verlässt das Spielfeld
Versuch, die Wogen zu glätten
Erst am Tag danach waren die Leverkusener bemüht, die Wogen zu glätten. „Ich werde mich zu diesem Thema nicht äußern. Es ist dazu viel gesagt - Qualifiziertes und Unqualifiziertes“, erklärte Bayer-Geschäftsführer Michael Schade. „Warten wir ab, was passiert. Es nützt doch nichts, Öl ins Feuer zu gießen.“
Am Abend zuvor ging es weniger diplomatisch zu. So dürfte der nur bedingt reumütige Auftritt von Schmidt rund eine Stunde nach dem Spiel kaum dazu beigetragen haben, die DFB-Juristen zu besänftigen. Zwar räumte er ein, seiner „Vorbildfunktion als Trainer nicht gerecht geworden“ zu sein und sich „zu stur“ verhalten zu haben, erneuerte aber seine Kritik an Schiedsrichter Felix Zwayer.
Der Coach stellte indirekt einen Zusammenhang her zwischen der fast zehnminütigen Spielunterbrechung und einer Fehlentscheidung von Zwayer wenige Minuten nach Wiederanpfiff der Partie bei einem Handspiel des Dortmunder Sokratis im Strafraum. „Dass der Schiedsrichter bei freier Sicht diesen Elfmeter nicht pfeift, vielleicht auch, weil ich vorher zu emotional war. Ich hoffe nicht, dass es so war, aber mir fällt keine andere Erklärung dazu ein.“
Referee räumt Fehlentscheidung ein
Zwayer gab nach Spielende zu, in diesem Fall falsch gelegen zu sein: „Dazu muss ich sagen, dass wir bedauerlicherweise falsch entschieden haben. Wenn wir die Perspektive der Fernsehbilder gehabt hätten, hätten wir auf Elfmeter entschieden.“
Das Regelwerk leistet den Leverkusenern jedenfalls keine Argumentationshilfe. Dass der zum Dortmunder Siegestreffer führende Freistoß knapp sechs Meter vom „Tatort“ entfernt ausgeführt wurde, liegt im Ermessensspielraum des Schiedsrichter. Darüber hinaus ist der Referee nicht verpflichtet, dem Trainer die Gründe für den Tribünenverweis persönlich zu erläutern.
BVB-Trainer Thomas Tuchel wollte die Szenen nicht groß kommentieren, warb aber dafür, „dass man nicht zu hart mit Roger Schmidt ins Gericht geht“. Einen Handelfmeter gegen seine Mannschaft hätte man geben können, gestand Tuchel ein. Das Spiel endete nach dem Tor von Pierre-Emerick Aubameyang in der 64. Minute mit 1:0 für Dortmund. Leverkusen verabsäumte es, den dritten Tabellenplatz von Hertha Berlin zurückzuerobern. Dortmund liegt als Zweiter acht Punkte hinter Bayern München.
Deutsche Bundesliga, 22. Runde
Sonntag:
Leverkusen - Dortmund 0:1 (0:0)
Tor: Aubameyang (64.)
Schalke - Stuttgart 1:1 (1:0)
Tore: Belhanda (14.) bzw. Harnik (74.)
Schöpf (Schalke) spielte durch, Harnik (Stuttgart) ab der 71. Minute, Klein auf der Bank
Hannover - Augsburg 0:1 (0:1)
Tor: Koo (15.)
Manninger (Augsburg) auf der Bank
Samstag:
Bayern München - Darmstadt 3:1 (0:1)
Tore: Müller (49., 71.), Lewandowski (84.) bzw. Wagner (26.)
Alaba (Bayern) und Garics (Darmstadt) spielten durch
Ingolstadt - Bremen 2:0 (1:0)
Tore: Hübner (12.), Hinterseer (90./Elfmeter)
Öczcan (Ingolstadt) spielte durch, Hinterseer ab der 71. Minute; Grillitsch (Bremen) spielte bis zur 77. Minute, Junuzovic ab der 66.
Mönchengladbach - Köln 1:0 (1:0)
Tor: Dahoud (9.)
Hosiner (Köln) spielte ab der 76. Minute
Hoffenheim - Mainz 3:2 (1:1)
Tore: Amiri (13.), Uth (68., 76.) bzw. Cordoba (12.), Samperio (79.)
Baumgartlinger (Mainz) spielte durch
Hertha BSC - Wolfsburg 1:1 (0:0)
Tore: Kalou (60.) bzw. Schäfer (53.)
Freitag:
Frankfurt - Hamburger SV 0:0
Lindner (Frankfurt) auf der Bank
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