„Viva Leicester!“
ÖFB-Teamkapitän Christian Fuchs ist im Alter von 30 Jahren erstmals Meister geworden, und auf der Insel gibt es keine zwei Meinungen: Leicesters Triumph in der Premier League werten die Beobachter als größte Sensation im englischen Clubfußball. Zurück bleibt der ratlose britische „Fußball-Hochadel“.
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Im Ballungsraum der global bekanntesten und finanzkräftigsten Clubs, im höchstdotierten Wettbewerbsfeld der internationalen Fußballbranche, in der Liga mit dem weltweit größten TV-Geldvolumen stellte ein 1:5000-Außenseiter Giganten wie Manchester City, ManUnited, Liverpool und Chelsea vor unlösbare Probleme. Auf eine solche Story wäre kein Autor gekommen. „Ich bin so glücklich und stolz, dass wir die Premier League gewonnen haben. Ein Traum ist wahr geworden“, schrieb Fuchs auf Facebook. FIFA-Präsident Gianni Infantino sprach von einem „Märchen“.

Reuters/Eddie Keogh
Grenzenloser Jubel und Feiern rund um die Uhr in Leicester
Ein ebensolches ist die Geschichte von Topscorer Jamie Vardy: Der Engländer kickte noch vor wenigen Jahren in der achten Liga, musste sich bei den Stocksbridge Park Steels wegen einer Wirtshausschlägerei eine halbe Saison lang jeweils nach einer Stunde auswechseln lassen, um seine elektronische Fußfessel rechtzeitig anlegen zu können. Nun fesselten der 29-Jährige und seine Kollegen mit ihren Leistungen Fans in aller Welt und degradierten die Konkurrenz aus Manchester und London zu Statisten.
„Ich kann es noch gar nicht glauben. Wahrscheinlich werde ich es erst richtig realisieren, wenn ich den Pokal in die Höhe stemmen werde. Jetzt freue mich mal auf Samstag, wenn wir mit unseren Fans feiern werden können. Die Unterstützung über die ganze Saison war sowohl von den Fans in England als auch in Österreich unbeschreiblich“, bedankte sich Fuchs in einer Aussendung.
Abstieg war wahrscheinlicher
Der irische Chefscout Steve Walsh fungierte bei diesem Sensationscoup als Mastermind: Er holte Spieler aus der Versenkung, die von all den anderen Laptopstrategen übersehen oder als zu wenig entwicklungsfähig eingestuft worden waren. Walsh entdeckte neben ablösefreien Routiniers wie Fuchs reihenweise Juwelen, unter ihnen Riyad Mahrez, den er dem französischen Zweitligisten Le Havre für 500.000 Euro abkaufte. Der 25-jährige Algerier ist inzwischen zum Spieler der Premier-League-Saison gewählt worden, für ihn werden in Kürze Angebote von 30 Millionen und mehr vorliegen.

APA/AP/PA/Jonathan Brady
Claudio Ranieri wird man in Leicester in tausend Jahren nicht vergessen haben
Die sportliche Relevanz Leicesters war laut Papierform vor Saisonbeginn so gering, dass kein einziger Experte das Team der Abgeschobenen, Aussortierten und Unterschätzten im vergangenen Sommer für gut genug hielt, auch nur ansatzweise eine wichtige Rolle zu spielen. Der BBC-Fußballchef Phil McNulty hielt wie viele seiner Berufskollegen den Abstieg für wahrscheinlicher als einen Top-Ten-Platz. Um die Dimension der Überraschung zu erfassen: Die von Claudio Ranieri bevorzugte Startelf kostet zwölfmal weniger als jene von Manchester City - 28 Millionen Euro vs. 358 Millionen.
Presse gehen die Superlative aus
Das Portal Sporting Intelligence und die Wirtschaftsagentur Bloomberg platzierten den Hinweis, Manchester United habe während der zweijährigen Amtszeit des niederländischen Startrainers Louis van Gaal geschätzte 250 Millionen Pfund (319,5 Mio. Euro) mehr investiert als der neue Titelträger in den gesamten 132 Jahren seiner Clubgeschichte.
In mehreren englischen Kommentaren wurde der grandiose Coup Leicesters deshalb als „eine der größten Sportgeschichten aller Zeiten“ gewürdigt. Sogar die in der Regel eher zurückhaltende BBC war sich diesmal ausnahmsweise mit den Schlagzeilenproduzenten der Boulevardzeitung „Sun“ einig: „Leicesters Krönung ist die großartigste Fußballgeschichte aller Zeiten!“

Reuters/Action Images/Craig Brough
Clubeigentümer Milliardär Vichai Srivaddhanaprabha mit seinem Team und Trainer Claudio Ranieri am Vormittag nach dem historischen Abend
Beim größten englischen Wettanbieter setzten exakt 47 scheinbar Ahnungslose auf den Außenseiter, der im Verlaufe seiner Geschichte 22-mal auf- oder abgestiegen war und erst vor sechs Jahren für weniger als 40 Millionen Pfund (51,12 Mio. Euro) den Besitzer gewechselt hatte. Selbst die Entdeckung des Monsters von Loch Ness (1:500) oder die plötzliche Wiederkehr der 1977 verstorbenen Musiklegende Elvis (1:2000) hielten die Buchmacher für wahrscheinlicher als das „blaue Wunder“ in der Premier League.
Legenden restlos begeistert
Der frühere Topstürmer Alan Shearer, 1995 mit Blackburn Meister, bevor sich bis zur Sensation von Leicester ausnahmslos Teams aus London und Manchester durchsetzten, ordnete den sagenhaften Triumph der „Foxes“ ebenfalls als einzigartig ein: „Was ein Team wie Leicester schaffte, es nicht nur mit den reichen und erfahrenen Giganten aufzunehmen, sondern sie zu schlagen, ist das Beste, das dem Fußball passieren kann.“
Robbie Savage pflichtete der „Three Lions“-Ikone bei. Der Ex-Leicester-Spieler glaubt sogar, dass der Sensationserfolg des Vereins aus den East Midlands nicht mehr übertroffen werden kann. Und er ist sich sicher: „Das ist ein Wendepunkt in der Geschichte der Premier League.“ Irlands Teamchef Martin O’Neill, der von 1995 bis 2000 Leicester betreut hatte, kam zu einem ähnlichen Schluss: Der Verein habe Historisches erreicht und jedermann etwas Hoffnung gebracht, „dass die Romantik im Fußball nicht verschwunden ist“.
Für den „Guardian“ ist es ein Triumph des Widerstandes - in einer hochtechnisierten und keimfreien Fußballwelt weniger extrem finanzkräftiger Spitzenclubs, die mit Hilfe von Hunderten Spezialisten und professionellen Beratern „Zufallsprodukte“ wie Leicester im Prinzip auf ein Minimum reduzieren wollen: „Viva Leicester!“
Mönch als Erfolgsgarant
Für die Thailänder ist übrigens völlig klar, wer das „Wunder von Leicester“ vollbracht hat: ein buddhistischer Mönch. „Ich wusste, dass sie gewinnen würden“, betonte Mönch Chao Khun Thongchaiin aus Thailands Hauptstadt Bangkok lächelnd. Der thailändische Milliardär Vichai Srivaddhanaprabha, Besitzer des Clubs, hatte ihn mehrfach nach Leicester einfliegen lassen, wo er den Rasen mit heiligem Wasser weihte und jedem Spieler drei magische Amulette samt Goldkette überreichte. Zurück in Bangkok meditierte er bei Spielen intensiv, um der Mannschaft positive Energie zu schicken.
Englische Premier League
36. Runde
| Samstag, 30. April: |
| Stoke City * |
Sunderland |
1:1 |
| Watford ** |
Aston Villa |
3:2 |
| West Bromwich |
West Ham |
0:3 |
| Everton |
Bournemouth |
2:1 |
| Newcastle |
Crystal Palace |
1:0 |
| Arsenal |
Norwich City |
1:0 |
| Sonntag, 1. Mai: |
| Swansea City |
Liverpool |
3:1 |
| Manchester United |
Leicester City *** |
1:1 |
| Southampton |
Manchester City |
4:2 |
| Montag, 2. Mai: |
| Chelsea |
Tottenham **** |
2:2 |
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