Jahr eins nach Peyton Manning
Am Donnerstag erfolgt der Startschuss zur 97. Saison in der Geschichte der National Football League (NFL). Die erste Partie der neuen Spielzeit ist eine Kopie der letzten der vergangenen Saison. Titelverteidiger Denver Broncos empfängt seinen „Vize“ Carolina Panthers. Für Denver ist es ein Neustart - vor allem auf der Position des Spielmachers.
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Die Saison 2016/17, die am 5. Februar 2017 im texanischen Houston mit der Super Bowl LI ihren Abschluss finden wird, startet erstmals mit einer Finalrevanche. Zwar eröffnet der Titelverteidiger seit 2004 traditionell die neue Saison, dass er dabei aber auf den Finalgegner trifft, ist allerdings neu. Ein Umstand, der vor allem bei den Panthers auf wenig Gegenliebe stößt. Als Gewinner der National Football Conference (NFC) hätte sich Trainer Ron Rivera gewünscht, die Saison ebenfalls zu Hause zu beginnen.
Das Auftaktspiel ist auch der Startschuss zur ersten Saison nach der Ära Peyton Manning. Der 40-Jährige nahm nach dem Gewinn der Meisterschaft mit den Broncos - der zweiten einer mit Rekorden gepflasterten Karriere - seinen Hut. Damit ging der NFL nicht nur eine ihrer schillerndsten Figuren verloren, auch Denver musste sich auf der Quarterback-Position neu orientieren. Die Broncos zählen daher, obwohl Titelverteidiger, nicht zu den Topfavoriten auf den Platz der American Football Conference (AFC) in der Super Bowl.
AFC West: Alles schaut auf Denver
Denver geht zum dritten Mal als Titelverteidiger in eine neue Saison. Und trotzdem ist es eine Premiere: Mit Trevor Siemian wird ein Mann die Bälle verteilen, der in seiner kurzen NFL-Karriere noch nie einen Ball geworfen hat. Der 24-Jährige setzte sich in der Vorbereitung im Kampf um die Nachfolge von Manning gegen den routinierteren Mark Sanchez - der spielt mittlerweile bei den Dallas Cowboys - und den höher eingeschätzten Youngster Paxton Lynch durch. Der Saisonstart gegen die starke Defense der Carolina Panthers wird zur Feuertaufe für Siemian.

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„Nobody“ Siemian tritt in die Fußstapfen von Superstar Manning
Apropos Defense: Jene der Broncos sollte dem jungen Quarterback, so wie schon im Vorjahr Manning, den Rücken freihalten können. Zwar verließen mit Danny Trevathan und Malik Jackson zwei wichtige Säulen beim Super-Bowl-Sieg den Club, die Verteidigungsreihe rund um den mit einem neuen Megavertrag ausgestatteten Final-MVP Von Miller ist trotzdem noch stark genug, um für Denver Spiele zu gewinnen.
Leicht wird es in der AFC West aber nicht. Die auf den Schlüsselpositionen kaum veränderten Kansas City Chiefs, die in der Vorsaison immerhin in die zweite Play-off-Runde vorstoßen konnten, sind Herausforderer Nummer eins. Auch der jungen Truppe der Oakland Raiders rund um Quarterback Derek Carr wird heuer zugetraut, erstmals seit 14 Jahren wieder eine Saison mit mehr Siegen als Niederlagen zu beenden. Vierter im Bunde sind die San Diego Chargers, die allerdings in den letzten Jahren nur in einem Punkt konstant waren: Spiele unglücklich zu verlieren.
AFC East: Sperre lässt Konkurrenz hoffen
Eine Umfrage auf der Ligawebsite brachte ein eindeutiges Ergebnis: Der Sieg in der Eastern Division der AFC geht an die New England Patriots. Allerdings startet der vierfache Super-Bowl-Champion mit einem Handicap. Quarterback Tom Brady muss einen Monat zuschauen. NFL-Commissioner Roger Goodell fand im Court of Appeals for the Second Circuit doch noch ein Gericht, das die im Vorjahr noch aufgehobene Sperre von vier Spielen gegen den 39-Jährigen in der „Deflategate“-Causa von 2014 für rechtens befand. Jimmy Garoppolo muss Schadensbegrenzung betreiben.

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Brady darf erst ab Oktober die Bälle für die Patriots verteilen
Weil mit Rob Ninkovich - der Patriots-Verteidiger griff zum falschen, weil verbotenen Medikament - auch ein zweiter Patriots-Leistungsträger die ersten vier Spiele fehlt, lebt die Chance der Konkurrenz, die Dominanz New Englands zu brechen. Die größten Chancen dazu haben die New York Jets. Das Vertragstheater mit Quarterback Ryan Fitzpatrick wurde kurz vor dem Trainingscamp mit einem Kontrakt für ein Jahr und zwölf Mio. Dollar Gehalt beendet. Dazu wurde mit Matt Forte ein Runningback von Weltklasseformat nach New York geholt. Auf dem Weg dazu war in der Vorsaison auch die Defensive.
Stehen sich die Jets nicht wieder selbst im Weg, sollte man die weitere Konkurrenz aus Miami und Buffalo im Griff haben. Bei den Miami Dolphins soll Trainer Adam Gase endlich wieder Disziplin in den mit teilweise hoch dotierten Verträgen ausgestatteten Haufen bringen. Konstanz benötigen auch die Buffalo Bills, um es erstmals seit 1999 wieder ins Play-off zu schaffen. Headcoach Rex Ryan ist jedenfalls angezählt, nachdem großen Worten in der Vorsaison einmal mehr keine Taten gefolgt waren. Immerhin hat er mit Bruder Rob als Defensive Coordinator familiären Rückhalt im Club.
AFC North: Heißer Tanz der Erzrivalen
Der Norden der AFC wird wohl am härtesten umkämpft sein. Auch weil die Rivalität unter den Teams in dieser Division besonders großgeschrieben wird. Favorit für den Divisionstitel sind für viele die Pittsburgh Steelers. Das liegt einerseits an der gut geschmierten Quarterback-Receiver-Combo Ben Roethlisberger und Antonio Brown und zum anderen an der verbesserten Defensive. Dass Runningback LeVeon Bell die ersten drei Spiele wegen verpasster Dopingtests zuschauen muss, ist da zu verkraften.

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Antonio Brown (l.) ist die gefährlichste Waffe im Angriff der Steelers
Ganz oben auf der Rechnung sollte man aber auch die Cincinnati Bengals haben. Zumindest im Grunddurchgang lief das Werkl der „Tiger“ aus Ohio rund um Quarterback Andy Dalton in den letzten Jahren immer gut. Auch in puncto Defensive gehören die Bengals zur oberen Kategorie. Einzig mit der Disziplin hat man immer wieder Probleme. Deutlich stärker sollten heuer auch wieder die Baltimore Ravens auftreten. Immerhin kehrt Spielmacher Joe Flacco nach überstandener Knieverletzung zurück.
Schwer wird es für die Cleveland Browns, die fast in jedem Powerranking einen der unteren Plätze einnehmen. Daran ändern auch der neue Coach Hue Jackson und der neue Quarterback Robert Griffin III, 2012 Offensiv-Rookie des Jahres, nichts. Vielleicht ändert das Comeback von Josh Gordon etwas. Der im Vorjahr gesperrte Wide Receiver muss allerdings auch heuer die ersten vier Partien wegen Dopingvergehen zuschauen.
AFC South: Die Heimat der Außenseiter
Wer auf einen Super-Bowl-Teilnehmer aus dem Süden der AFC tippt, ist mutig. Die besten Chancen haben wohl die Houston Texans. Erstens gibt die Aussicht auf ein „Finale dahoam“, zweitens bürgt alleine der Name JJ Watt für defensive Qualität und drittens hat man mit Brock Osweiler einen aktuellen Super-Bowl-Sieger als Quarterback. Auf Osweiler lastet jedoch viel Druck. Anstatt das Erbe von Manning in Denver anzutreten, entschied sich der 25-Jährige wohl auch aus persönlichen Befindlichkeiten zum Wechsel. Mit Lamar Miller hat Osweiler allerdings einen Runningback, der zur Not die Kohlen aus dem Feuer holen kann.

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Osweiler verzichtete auf einen neuen Vertrag beim amtierenden Meister
Ein hohes Überraschungspotenzial haben die Jacksonville Jaguars. Die Truppe aus Florida rüstete vor allem defensiv auf. Mit Malik Jackson - der steuerte in Super Bowl 50 den ersten Touchdown auf dem Weg zum Titel bei - holte man sich prominente Verstärkung. Offensiv bewies Quarterback Blake Bortles mit 35 Touchdown-Pässen in der Vorsaison, dass er nicht bloß ein Spielverwalter ist. Seine Wide Receiver Allen Hurns und Allen Robinson sind Anspielstationen mit Highlight-Potenzial.
Bei den Tennessee Titans und Indianapolis Colts sind zuverlässige Prognosen schwer. Bei beiden Teams kehren mit Marcus Mariota und Andrew Lucks die Spielmacher nach Verletzungen zurück. Speziell Tennessee befindet sich angeführt von Mariota im Aufbauprozess. Bei den Colts ist die Hauptfrage, wie gut Offensive-Line Luck, der das Team vor zwei Jahren noch ins Conference-Finale geführt hatte, beschützen kann. Im Vorjahr gelang das überhaupt nicht.
Karl Huber, ORF.at
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