Gleich zwei Titelkandidaten im Westen
Die National Football Conference (NFC) spielte in der NFL in den vergangenen beiden Jahren die zweite Geige - zumindest wenn es nach Titeln geht. Die gingen 2014 und 2015 an die Vertreter der American Football Conference (AFC). Heuer könnte die NFC den Spieß aber wieder umdrehen. Denn die Dichte an Titelkandidaten ist deutlich höher als im anderen Teil der NFL.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Wie hoch die Experten in den USA die Stärke der NFC einschätzen, lässt sich am besten an den beliebten „Power Rankings“ ablesen. In jenem auf der Liga-Website zu Saisonbeginn nehmen Vertreter der NFC die Plätze eins bis vier ein. Erst auf Rang fünf folgt mit den New England Patriots ein Club aus der AFC. Die Denver Broncos, immerhin Titelverteidiger, werden nur auf Platz sechs geführt. Vor allem der Westen der NFC wird heuer wieder als besonders stark eingeschätzt.
NFC West: Seeadler gegen Kardinäle
Es gab Zeiten, da waren die Vertreter der NFC West besseres Kanonenfutter. Das ist jedoch Geschichte. Vor allem die Arizona Cardinals sind in den Augen vieler Beobachter heuer das kompletteste Team. Egal ob Offensive oder Defensive, Arizona - das im Vorjahr erst im Conference Finale die Segel streichen musste - ist überall gut aufgestellt. Das größte Fragezeichen steht hinter Quarterback Carson Palmer. Der ist mittlerweile schon 36 Jahre alt und bewies im Conference Finale mit vier Interceptions und zwei weiteren Ballverlusten nicht gerade Nervenstärke.

APA/AFP/Getty Images/Norm Hall
Palmer führt ein starkes Cardinals-Team in die neue Saison
Deutlich bessere Nerven hat Russell Wilson. Der Quarterback der Seattle Seahawks, der das Team 2013 zum ersten Titel der Vereinsgeschichte führte, gehört mittlerweile zu den besten Spielmachern der Liga. Seine präzisen Würfe und schnellen Beine sind auch heuer ein Garant dafür, dass Seattle ein Wort um einen Platz in der Super Bowl mitreden wird. Auch die Defensive ist noch immer top. Einzig offen ist, ob Thomas Rawls oder Christine Michael in die Fußstapfen des zurückgetretenen Runningbacks Marshawn Lynch treten können.
Ein Selbstfindungsprozess findet bei den San Francisco 49ers und Los Angeles Rams statt. In San Francisco versucht Neo-Coach Chip Kelly mit bescheideneren Mitteln jenes System zu etablieren, mit dem er in Philadelphia gescheitert ist. Für mehr Gesprächsstoff sorgte aber der Hymnenprotest von Ex-Superstar und nun Ersatzquarterback Colin Kaepernick. Für die Rams geht es nach ihrem Umzug von St. Louis nach L.A. wohl vor allem darum, die Fans in Erwartung auf bessere Zeiten bei der Stange zu halten.
NFC South: „Superman“ auf dem Prüfstand
Die Frage nach dem Favoriten im Süden ist schnell gefunden. Alles andere als ein neuerlicher Divisionstitel für die Carolina Panthers - die im Vorjahr 15 von 16 Spielen im Grunddurchgang gewannen - wäre eine Überraschung. Quarterback Cam Newton muss zwar seine Auszeichnung zum wertvollsten Spieler der Saison im Vorjahr heuer erst bestätigen, der launische Spielmacher erhält mit Kelvin Benjamin aber einen namhaften Passempfänger nach Verletzung zurück. Newtons oberstes Ziel: Revanche für die bittere Finalniederlage gegen Denver im vergangenen Februar.

APA/AFP/Getty Images/Andy Lyons
Newtons Erfolgslauf wurde ausgerechnet im Finale brutal gestoppt
Am ehesten gefordert sollten die Panthers von den Buccaneers aus Tampa werden. Die Mannschaft aus Florida landete in den vergangenen beiden Jahren zwar immer auf dem letzten Platz der Division, Quarterback Jameis Winston wurde seinen Vorschusslorbeeren als Nummer eins im Draft im Vorjahr aber gerecht. Dazu hat Neo-Coach Dirk Koetter mit Doug Martin einen Top-Runningback in der Hinterhand. Wenn die Defensive halbwegs hält, ist für Tampa durchaus etwas möglich, auch weil bei den Atlanta Falcons und den New Orleans viele Baustellen offen sind.
NFC North: Alles liegt für Green Bay bereit
Im Vorfeld durfte man von einem spannenden Zweikampf zwischen den Minnesota Vikings und den Green Bay Packers um die Divisionskrone ausgehen. Doch dann verletzte sich Vikings-Quarterback Teddy Bridgewater schwer am Knie - und die Aussichten wurden mit einem Mal düsterer. Zwar reagierte das Management und holte den NFL-erprobten Sam Bradford von Philadelphia, doch der ehemalige Collegestar muss erst das System von Coach Mike Zimmer kennenlernen. Die Last liegt daher auf den Schultern von Runningback Adrian Peterson - immerhin ein Spieler mit dem Prädikat Weltklasse.
Daher liegt alles für Green Bay bereit. Die Packers haben mit Aaron Rodgers den für viele derzeit besten Quarterback am Ruder und der zweimalige Liga-MVP erhält heuer mit Jordy Nelson seine verlässlichste Anspielstation zurück. Dazu speckte Runningback Eddie Lacy einige Kilo ab und dürfte der Offensive wieder zusätzliche Durchschlagskraft verleihen. Zumindest in der Vorbereitung war wieder mehr „Fast“ als „Fat Eddie“ zu sehen.

APA/AFP/Getty Images/Christian Petersen
Lacy (l.) hatte in der Vorsaison einige Kilo zu viel auf den Rippen
Für viele Experten kann Green Bay nur an sich selbst scheitern - und an einem überraschenden Lauf der Detroit Lions und Chicago Bears. Bei Detroit suchte man in der Vorbereitung nach dem Karriereende von Star-Receiver Calvin Johnson noch die richtige Abstimmung. In Chicago bereitet vor allem die Offensive-Line Cheftrainer John Fox erhebliche Sorgen. Liegt Quarterback Jay Cutler, schon so nicht der Inbegriff von Konstanz, vor allem am Rücken, wird es für die Bears doppelt schwer.
NFC East: Angriff der „No Name“-Spielmacher
Der Osten der NFC dürfte so wie schon in den letzten Jahren die spannendste Abteilung in der NFC werden. Alle vier Teams agieren auf Augenhöhe - auch dank ihrer Wankelmütigkeit. Im Vorjahr schnappten sich die Washington Redskins auch dank des Aufstiegs von Quarterback Kirk Cousins den Divisionssieg. Auf die Pässe von Cousins wird es auch heuer ankommen, denn das Laufspiel ist das große Fragezeichen in Washington. Defensiv sollte Josh Norman - im Vorjahr noch mit Carolina in der Super Bowl - das Niveau heben.

APA/AFP/Getty Images/Patrick Smith
Spannung, im Bild Redskins gegen Giants, ist in der NFC East garantiert
Viel vor hatte man auch in Dallas, vor allem mit Rookie Ezekiel Elliott. Der Runningback hat das Zeug dazu, in die Fußstapfen eines Emmit Smith zu treten. Doch die Play-off-Hoffnungen der Cowboys erlitten vor Saisonstart einen herben Dämpfer. Quarterback Tony Romo, schon im Vorjahr vom Pech verfolgt, erlitt in der Vorbereitung einen Knochenbruch im Rücken und muss mindestens sechs Wochen zuschauen. Die Last liegt nun auf den Schultern des 23-jährigen Rookie Dak Prescott.
Einen Youngster werfen auch die Philadelphia Eagles in die Schlacht. Carson Wentz, der von den Eagles im College Draft an Nummer zwei gezogen wurde, steht für den Neuanfang nach dem fehlgeschlagenen dreijährigen Experiment mit Trainer Chip Kelley. Doug Pedersen soll als Trainer die Eagles wieder zurück in die Elite der NFL führen. Einen neuen Trainer haben mit Ben McAdoo auch die New York Giants. Der Erbe von Erfolgscoach Tom Coughlin hat offensiv mit Eli Manning und Odell Beckham Jr. eine spektakuläre Combo, in der Defensive wurde teuer eingekauft. Es heißt aufpassen auf den vierfachen Super-Bowl-Sieger.
Karl Huber, ORF.at
Link: