Giftiger Auftritt zu erwarten
Bei der EM im Juni in Frankreich ist Österreichs Nationalteam unter seinen Möglichkeiten geblieben, während Wales auf dem sensationellen Weg ins Semifinale über seinen Verhältnissen gespielt hat. Insofern kann man wohl davon ausgehen, dass sich die beiden Mannschaften am Donnerstag (20.45 Uhr, live in ORF eins) in der Mitte treffen werden, also auf Augenhöhe. Geht es nach der Gemütslage von Teamchef Marcel Koller, wird die ÖFB-Auswahl im Ernst-Happel-Stadion jedenfalls giftig auftreten.
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Denn der sonst ruhige und besonnene Schweizer präsentierte sich am Tag vor dem Spiel ungewohnt angriffslustig. Koller, an dem die österreichische Stimmungslage „himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“ bisher abgeprallt war, lässt sich offenbar doch nicht alles gefallen. Kritik an seiner Linie, aus Systemgründen eisern am Stammpersonal festzuhalten, ist er gewohnt. Die jüngsten Wortmeldungen von Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl, wonach Koller der Mannschaft mit dem Festhalten an Marc Janko keinen Gefallen tue, dürften den ÖFB-Cheftrainer nun doch gestört haben.

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Zum Lächeln war Koller bei der Pressekonferenz vor dem Spiel nicht zumute
Wenn er höre oder lese, wie viele gute Stürmer es in Österreich gebe, hätte er auch noch Namen hinzuzufügen, meinte Koller gereizt. „Soriano, Joelinton, Kayode oder Oberlin“, zählte er einige treffsichere Bundesliga-Legionäre auf. „Wenn man dann aber vielleicht weiß, dass das keine Österreicher sind, wird es schwierig mit dem Nationalteam“, richtete er dem prominenten Kritiker aus.
Alar wohl maximal Joker
„Ein bisschen Demut tut allen gut“, fügte Koller hinzu. „Es ist schwierig, etwas zu beurteilen, wenn man nicht dabei war.“ Und was den zuletzt von mehreren Seiten ins Spiel gebrachten Deni Alar von Tabellenführer Sturm Graz betrifft, fand Koller ebenfalls klare Worte: „Es war ein kurzer Lehrgang mit zwei Einheiten und dem Abschlusstraining. Grundsätzlich sollten wir in ihm nicht den Allerheilskönig sehen. Er hat mit Sturm einen Lauf, er macht es gut, die Mannschaft macht es gut. Aber ob und wie lange er gegen Wales spielen wird, ob wir ihn brauchen oder nicht, werden wir sehen.“
Alar, der Ligatopschütze mit zehn Saisontreffern, hatte es überhaupt nur ins Aufgebot geschafft, weil Harnik verletzt absagte. Davor hatte ihn Koller auf Abruf gelistet, da der Teamchef nicht die nötige Zeit für das Vermitteln seiner Spielphilosophie gesehen hatte. Diese impfte der akribisch arbeitende Eidgenosse dem ÖFB-Team in fast fünf Jahren als Teamchef ein. Und wenn sich nun infolge der verkorksten EM auch zunehmend Kritik rege, wisse er damit umzugehen, so Koller. „Ich hatte am Anfang Kritik und bin meinen Weg gegangen“, sagte er pragmatisch. „Wenn man als Trainer nicht jedes Spiel gewinnt, sind Spekulationen und Kritik normal.“

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Die mögliche Aufstellung von Österreich gegen Wales
Alaba bleibt, wo er bei Koller immer war
Das gehöre eben dazu, sagte Koller betont gelassen, während seine Miene und Wortwahl diesmal aber durchaus auch inneren Aufruhr verrieten. Er würde sich wünschen, von Journalisten einmal vor dem Spiel zu lesen oder zu hören, wie man den Gegner auf jeden Fall besiegen könne, anstatt danach. Und fehlende Nähe zum Team und dessen Entwicklung orte er bei einigen, die es immer besser wüssten. Insgesamt zeigte der ÖFB-Teamchef vor dem Hit gegen die Waliser Zähne, vielleicht sogar bewusst, um seine Mannschaft gegen den EM-Semifinalisten zusätzlich heiß zu machen.
Auch die unvermeidliche Frage nach der Position von David Alaba schien Koller schwer zu nerven. Dabei war sie diesmal berechtigter denn je, zumal der Bayern-Star als einer der besten, wenn nicht bester Außenverteidiger der Welt auf der linken Seite auf Wales-Großkaliber Gareth Bale treffen würde. „Wie lange sind Sie schon beim Team dabei? Wenn Sie schon fünf Jahre dabei sind, wissen Sie, wie oft David Alaba in meinen fünf Jahren als Teamchef schon Außenverteidiger gespielt hat. Richtig, nie“, konterte Koller auf die entsprechende Frage. Wie immer wird Alaba also im Zentrum spielen, wie fast immer an der Seite von Julian Baumgartlinger.
Waliser für Koller Favorit auf Platz eins
Der ÖFB-Kapitän ist gleich ein gutes Beispiel dafür, was sich Koller von seiner Linie verspricht. Bei Leverkusen kommt Baumgartlinger vorerst nämlich noch nicht als Stammspieler zum Zug. „Und da ist es sehr gut, wenn man im Nationalteam in ein funktionierendes System eingebettet ist“, sagte einer von mehreren Legionären, die ohne oder nur mit wenig Spielpraxis zum Team kamen. Von Koller erhalten sie selbstverständlich trotzdem das Vertrauen. Ob sie dieses gegen Wales rechtfertigen können, wird man sehen.

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Die mögliche Startelf der walisischen Nationalmannschaft
Für Koller sind die Briten Favorit auf Platz eins in Gruppe D. Gegen den Weltranglistenzehnten wird es „ein enges Spiel, in dem Kleinigkeiten, das Quäntchen Glück entscheiden“. Entscheidend werde sein, wie man Bale in den Griff bekomme. „Er ist Weltklasse, kann Spiele entscheiden. Es ist wichtig, ihn im Verbund zu decken“, so Koller. Es wäre aber ein Fehler, die Waliser auf den Real-Stürmer zu reduzieren. „Sie haben bei der EM eine hervorragende Mannschaftsleistung gebracht, sind diszipliniert in der Defensive, gefährlich nach vorne und verfügen über gute Standards.“
Dass in Aaron Ramsey ein walisischer Schlüsselspieler verletzungsbedingt fehlt, sei kein Nachteil, zumal der Arsenal-Legionär bei der EM „überragend“ war. „Aber er war schon gegen Moldawien nicht dabei, und da haben die Waliser 4:0 gewonnen. Das heißt, dass sie andere Spieler haben, die dieses Loch auffüllen können.“ Unabhängig vom Ausfall Ramseys dürfte das walisische Team in einem System mit Fünferabwehrkette agieren. Trotzdem wird Koller die Spielweise nicht zu sehr nach dem Gegner ausrichten. „Wir haben eine Idee, wie wir spielen werden, und versuchen, das umsetzen. Es ist nicht der Plan, alles umzustellen.“
Harald Hofstetter, ORF.at
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