Dritter Titel für Rydzek
Die Hoffnung von Österreichs Kombinierern auf eine Medaille im Einzel von der Großschanze ist am Mittwoch in der Loipe geplatzt. Mario Seidl und Wilhelm Denifl, nach dem Springen noch auf den Plätzen eins und zwei, mussten sich nach dem 10-km-Langlauf mit den Rängen vier und fünf begnügen. Der Titel ging wie im Einzel von der Normalschanze an den Deutschen Johannes Rydzek.
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Der Führende im Gesamtweltcup, der mit einer Minute Rückstand auf Seidl als Fünfter in die Loipe gegangen war, setzte sich im Finish gegen Akito Watabe aus Japan und den Franzosen Francois Braud, die Silber bzw. Bronze gewannen, durch. Seidl landete als bester Österreicher mit 17,4 Sek. auf dem vierten Rang. Denifl, der viel Führungsarbeit in der Verfolgergruppe geleistet hatte, konnte in der Entscheidung nicht mehr mithalten.
Die Entscheidung in der Kombination
Der Deutsche Johannes Rydzek hatte aus einer Spitzengruppe mit fünf Mann, darunter die Österreicher Mario Seidl und Wilhelm Denifl, die größten Reserven und holte sich seine dritte Goldmedaille in Lahti.
Rydzek holte sich nach dem Einzel-Bewerb von der Normalschanze und dem Team-Bewerb mit Deutschland im dritten Bewerb in Lahti seinen dritten WM-Titel und löste damit Bernhard Gruber als Weltmeister auf der Großschanze ab. Der Salzburger, der Rydzek vor zwei Jahren in Falun im Kampf um Gold im entscheidenden Anstieg stehen gelassen hatte, wurde diesmal hinter David Pommer Neunter. Philipp Orter landete auf Rang zwölf. Die letzte Chance auf Edelmetall haben die Kombinierer am Freitag im Teamsprint (15.00 Uhr Springen bzw. 17.15 Uhr Langlauf live in ORF eins).
Drei Runden auf Goldkurs
Seidl, der nach dem Springen 46 Sekunden vor seinem Teamkollegen Denifl lag - der ursprünglich zweitplatzierte Franzose Maxime Laheurte wurde wegen eines regelwidrigen Anzugs disqualifiziert -, konnte auf den vier Runden a 2,5 km nur drei Runden lang seine Führung behaupten. Unmittelbar vor Beginn der letzten Schleife wurde der Salzburger vom Verfolgerquartett Denifl, Rydzek, Braud und Watabe eingeholt.
Die Entscheidung um die ersten drei Plätze fiel schließlich beim letzten schweren Anstieg. Braud verschärfte das Tempo, und anders als der Deutsche und der Japaner konnten die beiden Österreicher das Tempo nicht halten. Kurz vor dem Ziel setzte schließlich Rydzek die entscheidende Attacke, der Braud und Watabe nicht folgen konnten. Der Franzose, vor zwei Jahren noch Zweiter hinter Gruber, musste im Finish auch noch den Japaner vorbeilassen.
„War leider zu wenig“
„Es tut schon ein bisschen weh“, sagte Seidl, der dem Ansturm der Verfolger nicht gewachsen war, „ich habe mich gut gefühlt, habe mir aber alleine vorne schwergetan. Ich hätte jemanden gebraucht, mit dem ich mich abwechseln kann. Ich habe alleine keinen Zug zusammengebracht. Wie sie dann da waren, war es zu spät.“ Taktisch habe er sich aber angesichts seiner Möglichkeiten richtig verhalten: „Ich denke aber, dass ich es richtig angelegt habe. Für eine Medaille war es leider zu wenig.“
Halbzeitführung reicht Seidl nicht
Mario Seidl setzte sich mit einem überragenden 132-Meter-Sprung an die Spitze des Zwischenklassements, konnte den Vorsprung in der Loipe aber nicht verteidigen.
Auch Denifl ging im entscheidenden Moment die Kraft aus. „Ich bin auf Sieg gelaufen, habe gekämpft und alles gegeben. Es ist halt nichts geworden. Der Moment, als die anderen weggegangen sind, war hart. Aber so ist das eben“, sagte der Team-Weltmeister von 2003. Am Material sei es nicht gelegen. „Unter dem Rennen habe ich gefühlt, dass es immer zäher wird. Vom Ski her hatte ich sicher mit Abstand den besten“, sagte der 36-Jährige, „ich wusste, dass ich gegen Rydzek nahezu chancenlos bin. Die anderen beiden waren auch noch gut drauf, dann war es schwer.“
Gruber springt zu kurz
Der entthronte Titelverteidiger Gruber hatte schon im Springen mit Platz acht alle Chancen auf eine Wiederholung seines Coups von Falun vergeben. Mit seiner Vorstellung in der Loipe war der Salzburger zufrieden. „Ich bin es taktisch klug angegangen. Das Material war wieder sehr gut, wir wollten gemeinsam pushen. Im Endeffekt bin ich ein beherztes Rennen gelaufen, es war halt auf der Schanze zu wenig“, sagte Gruber, der mit Seidl, der zum vierten Mal in dieser Saison Vierter wurde, mitlitt: „Es tut mir echt leid für ihn. Es ist sich wieder gerade nicht ausgegangen, schade.“
Zumindest mit der Laufleistung war auch Pommer, nach dem Springen 14., zufrieden. „Es war ein richtig gutes und für mich versöhnliches Rennen. Ich habe zeigen können, was ich draufhabe. Vom Start weg hatte ich eine Riesengaudi. Ich konnte mich so richtig quälen“, so der 23-Jährige Tiroler. Orter riskierte nach Platz 15 auf der Schanze in der Loipe letztlich zu viel. „Es war hopp oder tropp, entweder geht es auf oder nicht. Ich kann mir nichts vorwerfen, ich habe es probiert. Ob Achter oder Zwölfter ist bei einer WM aber wurscht“, sagte der Kärntner.
Rydzek „König“ der Kombinierer
Rydzek avancierte mit seinem im Schlussanstieg fixierten Erfolg zum „König“ der Kombinierer. Nicht nur in Lahti, wo er auch im dritten Bewerb triumphierte, sondern auch in der „ewigen“ Bestenliste. Da ließ er mit dem fünften Gold den Franzosen Jason Lamy Chappuis und den Norweger Bjarte Engen Vik dank der höheren Zahl an Silbermedaillen hinter sich. Watabe (+4,8 Sek.) sicherte Japan die erste Einzel-WM-Medaille seit Ramsau 1999.
„Ich habe am Schlussanstieg alles mobilisiert“, sagte der 26-jährige Allgäuer Rydzek, der hinter seinem Teamkollegen Fabian Rießle - in der Gesamtabrechnung Sechster - und vor Pommer die zweitbeste Laufzeit erzielte. „Ich habe auf meine Stärke hinten raus vertraut.“ Die Erfolge werde er wohl erst in ein paar Tagen so richtig realisieren, sagte der Deutsche. Im Medaillenspiegel liegt Deutschland mit nun fünf Goldenen und je zweimal Silber und Bronze vor Norwegen (4-3-4) und Russland (2-2-0). Österreich ist ex aequo mit Finnland (1-1-1) Vierter.
Nordische Kombination, Großschanze
| Endstand nach einem Sprung und 10 km Langlaufen: |
| 1. |
Johannes Rydzek |
GER |
26:41,6 |
5/2* |
| 2. |
Akito Watabe |
JPN |
+ 4,8 |
3/5 |
| 3. |
Francois Braud |
FRA |
13,0 |
3/7 |
| 4. |
Mario Seidl |
AUT |
17,4 |
1/20 |
| 5. |
Wilhelm Denifl |
AUT |
26,5 |
2/13 |
| 6. |
Fabian Rießle |
GER |
36,9 |
17/1 |
| 7. |
Eric Frenzel |
GER |
37,5 |
13/4 |
| 8. |
David Pommer |
AUT |
37,7 |
14/3 |
| 9. |
Bernhard Gruber |
AUT |
38,3 |
8/9 |
| 10. |
Espen Andersen |
NOR |
50,6 |
9/11 |
| 11. |
Magnus Krog |
NOR |
51,9 |
16/6 |
| 12. |
Philipp Orter |
AUT |
53,7 |
15/8 |
| 13. |
Magnus Moan |
NOR |
1:00,1 |
10/12 |
| 14. |
Tim Hug |
SUI |
1:10,5 |
11/14 |
| 15. |
Yoshito Watabe |
JPN |
1:15,9 |
12/16 |
| 16. |
Björn Kircheisen |
GER |
1:41,8 |
18/18 |
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