„Chance, sich zu empfehlen“
Österreichs Nachwuchs sieht die U21-Europameisterschaft in Polen nur aus der Ferne, der österreichische Fußballbund (ÖFB) freut sich jedoch über eine andere Teilnahme. Mit Harald Lechner hat sich ein heimischer Schiedsrichter für das am Freitag startende Turnier qualifiziert. Der Wiener gilt als Hoffnungsträger, dass der ÖFB man nach vielen Jahren wieder einen Topreferee stellen kann.
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Robert Sedlacek zeigte sich deshalb erfreut. „Wir haben schon länger das Ziel formuliert, bis 2020 bei einem Großereignis dabei zu sein. Die Teilnahme von Harald Lechner an der U21-EM ist dabei ein wichtiger Schritt und ein positives Zeichen“, sagte der Vorsitzende der Schiedsrichterkommission. Für den ÖFB ist es der größte Erfolg seit der Entsendung von Thomas Einwaller zu Olympia in Peking 2008. Im selben Jahr pfiff Konrad Plautz auch bei der Heim-EM.
Noch weiter Weg an die Spitze
Während Sedlacek die Nachwuchsendrunde als „Sprungbrett“ in die höchste Kategorie der europäischen Referees, der Elitegruppe, sieht, ist Lechner selbst realistischer. „Es ist eine große Chance, sich zu empfehlen, wenn man seine Leistung bringt. Aber um in den elitären Kreis zu kommen, bedarf es mehr“, meinte der Wiener.

GEPA/Thomas Bachun
Ab Freitag tanzen Europas U21-Fußballer auch nach Lechners Pfeife
Der von seinen Assistenten Andreas Heidenreich und Maximilian Kolbitsch unterstützte Lechner hat heuer zum vierten Mal in Folge die Auszeichnung zum besten Schiedsrichter der Bundesliga eingeheimst. Seine Stellung als Nummer eins in Österreich ist unumstritten. International durfte der 34-Jährige in der Vorsaison in der WM-Qualifikation sowie in der Europa League Spiele pfeifen. Anfang Juni leitete Lechner das Länderspiel Niederlande gegen Elfenbeinküste.
„Die Vorbereitung war intensiv“
Über die Einberufung zur U21-EM habe er sich natürlich gefreut, berichtete Lechner. „Es wird eine spannende und schöne Herausforderung.“ Als eines von neun Teams ging es am Montag nach Polen, am Dienstag stand der Fitnesscheck auf dem Programm. Die UEFA hatte die Referees vor drei Monaten mit eigenen Trainingsplänen ausgestattet.
„Die Vorbereitung war intensiv. Die körperlichen Anforderungen werden immer größer“, berichtete Lechner. Dazu kommen Videoanalysen der teilnehmenden Mannschaften. „Es geht schon sehr viel Zeit für alles zusammen drauf.“ Immerhin kann Lechner als Marketingmanager eines Fitnessunternehmens gleich nach der Arbeit an der Kondition feilen.
Die Idee, dem nicht oft gedankten Job des Schiedsrichters nachzugehen, kam Lechner schon früh. Bereits sein Vater war Unparteiischer, schon mit 15 Jahren konnte er erste Erfahrungen sammeln. Nach dem Weg durch die unteren Ligen erfolgte am 1. März 2008 die Premiere im Oberhaus mit der Partie Ried gegen Altach. Zwei Jahre später erfolgte bereits die Auszeichnung zum FIFA-Schiedsrichter.
Champions League als großes Ziel
Wie für jeden Profi erstrahlt auch das große Ziel Lechners unter dem Sternenball der UEFA. „In der Champions League zu pfeifen ist natürlich etwas, das man anstrebt. Aber man darf nicht vergessen, dass auch alle anderen dorthin wollen“, betonte Österreichs Spitzenreferee. Wichtig sei es, das Schritt für Schritt anzugehen. Ein nächstes Ziel wäre beispielsweise die Leitung eines K.-o.-Spiels in der Europa League.
Dass Österreichs Unparteiische, wie in der Vergangenheit von Funktionären betont, kein Standing bei der UEFA genießen würden, wollte Lechner so nicht unterschreiben. Auch kleinere Nationen würden Topreferees stellen. Lechner sah die Sache pragmatisch: „Man kann beinhart trainieren, aber im Moment X am falschen Ort stehen und die falsche Entscheidung fällen. Dann hilft alles Training nichts.“
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