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Viertelfinale in Griffweite

Wer geglaubt hatte, dass der EM-Auftaktsieg des österreichischen Frauen-Nationalteams kaum zu überbieten sein würde, hatte sich geirrt. Mit einem sensationellen 1:1 gegen Frankreich landete die erstmals für eine Endrunde qualifizierte ÖFB-Auswahl am Samstag den nächsten Coup. Vor 4.387 Zuschauern in Utrecht gelang damit gegen den EM-Mitfavoriten ein großer Schritt in Richtung Viertelfinal-Einzug.

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Lisa Makas schoss die wie beim 1:0 über die Schweiz grandios kämpfenden Österreicherinnen im Duell mit dem bärenstarken Weltranglistendritten in der 27. Minute in Führung. Diese Führung durch Makas’ 18. Tor in ihrem 50. Länderspiel hielt bis zur 51. Minute, als Amandine Henry für die haushohen Favoritinnen ausglich. Am letzten Spieltag der Gruppe C haben die ÖFB-Frauen am Mittwoch (20.45 Uhr, live in ORF eins) nun alles in der Hand. Mit einem Sieg oder Remis gegen Island wäre man fix im Viertelfinale. Im Falle einer ÖFB-Niederlage darf die Schweiz nicht gegen Frankreich gewinnen.

Lisa Makas

GEPA/Florian Ertl

Lisa Makas war in der 27. Minute erfolgreich - ihr Treffer bescherte den ÖFB-Frauen den unerwarteten Punkt

Frankreich startet druckvoll

Nachdem etwa eine Stunde vor Spielbeginn ein kräftiger Regenguss über dem Stadion Galgenwaard niedergegangen war, schien den Teams zum Anpfiff wieder die Abendsonne. ÖFB-Cheftrainer Dominik Thalhammer hatte seine Startelf im Vergleich zum Auftakt nur auf einer Position verändert. Kapitänin Viktoria Schnaderbeck spielte diesmal wieder von Beginn an, nachdem sie gegen die Schweiz aus Verletzungsgründen zunächst noch geschont worden war. Das galt diesmal für die angeschlagene Sarah Zadrazil - sie soll zum „Grande Finale“ der Gruppenphase gegen Island wieder gänzlich fit sein.

Auf den Rängen gaben die in beeindruckender Anzahl mitgereisten französischen Fans den Ton an. Aber auch aus Österreich waren größere Abordnungen in die Niederlande gekommen. Sie wehrten sich tapfer gegen die stimmkräftigen Fans der „Bleues“. Auf dem Rasen versteckten sich die ÖFB-Frauen in der Anfangsphase auch keineswegs. Thalhammers 4-2-3-1-Formation begegnete dem 4-3-3 von Frankreich-Coach Olivier Echouafni mit Vehemenz - in den ersten Minuten ähnlich aggressiv im Pressing wie gegen die Schweiz.

Natürlich ließ das mit Topspielerinnen von Olympique Lyon und Paris Saint-Germain gespickte Ensemble bald seine Extraklasse erkennen. Die erste hochkarätige Chance durch Marie-Laure Delie (16.) vereitelte ÖFB-Torfrau Manuela Zinsberger mit einer grandiosen Fußabwehr. Immer mehr wurden die Österreicherinnen hinten eingeschnürt. Alles auf den Kopf stellen hätte dennoch schon die 22. Minute können, als Frankreichs Torhüterin Sarah Bouhaddi ein Abstoß misslang. Nicole Billa sprintete auf das Tor, passte zur mitgeeilten Laura Feiersinger, deren Schuss aber zu schwach ausfiel.

Makas schießt Österreich in Führung

Es sollte allerdings nur der Prolog zum sensationellen Führungstreffer der ihre Chance witternden Österreicherinnen gewesen sein: Einen weiten Einwurf von Verena Aschauer in den Strafraum konnten die Französinnen nicht aus der Gefahrenzone befördern. Genau am Sechzehner kam dann Makas an den Ball. Die 25-jährige Offensivspielerin vom MSV Duisburg fackelte nicht lange, zog mit rechts ab und traf perfekt platziert in die linke untere Ecke zum 1:0 (27.). So unbändig der Jubel der Österreicherinnen, so tief der Schock bei den Favoritinnen: Der Underdog war obenauf.

Österreich holt einen Punkt gegen Frankreich

Mit einem sensationellen 1:1-Remis gegen Frankreich landete die erstmals für eine Endrunde qualifizierte ÖFB-Auswahl am Samstag den nächsten ganz großen Coup.

Von dem druckvollen Auftritt der Weltranglistendritten war bis zur Pause nichts mehr zu sehen. Das eine oder andere Mal musste die erneut sichere Zinsberger zugreifen, klare Torchancen für Frankreich waren in dieser Phase aber nicht dabei. Das Selbstvertrauen der Österreicherinnen dagegen hatte sich mit dem Führungstor gefühlt noch einmal verdoppelt. Nun funktionierte auch wieder das frühe Attackieren in der gegnerischen Hälfte. Als Schiedsrichterin Jana Adamkova aus Tschechien zur Pause pfiff, brandeten auch in den neutralen Sektionen des Stadions Jubel und stehende Ovationen für die ÖFB-Frauen auf. Das Undenkbare erschien plötzlich möglich.

„Les Bleues“ schlagen zurück

Auch als die Französinnen nach dem Seitenwechsel noch einmal an der Temposchraube drehten, waren die Österreicherinnen weit davon entfernt, ihre defensive Ordnung über den Haufen zu werfen. Wahlweise mit Fünfer- oder Viererabwehrkette - wie schon in der ersten Hälfte - suchten sie die technisch und körperlich immens starken Gegnerinnen aus der Gefahrenzone fernzuhalten. So brauchte es für Frankreich eine Standardsituation, um den ÖFB-Defensivriegel zu durchbrechen. Nach einem Corner von links war Portland-Legionärin Henry per Kopf zur Stelle und traf zum 1:1 (51.). Zinsberger war nicht an die Flanke gekommen.

Manuela Zinsberger (AUT), Amandine Henry (FRA), Viktoria Schnaderbeck (AUT) und Griedge Mbock Bathy (FRA)

APA/Hans Punz

Amandine Henry sprang nach einem Corner am höchsten und bezwang die ansonsten makellose Zinsberger

Noch war nichts verloren aus Sicht der Österreicherinnen, die auch gar keine Zeit hatten, der verlorenen Führung nachzutrauern. „Les Bleues“ schalteten in den sechsten Gang, um den fix eingeplanten zweiten Dreipunkter des Turniers einzufahren. Solospitze Nina Burger war die einzige ÖFB-Spielerin, die im Bereich der Mittellinie auf Konter lauerte. Alle anderen verteidigten den Strafraum in zwei Linien, die den rollenden französischen Angriffen trotzten. Was dem Titelanwärter fehlte, waren klare Abschlüsse auf Zinsberger.

Zinsberger in Hochform hält Punkt fest

Eine Glanztat der österreichischen Torhüterin brachte die 66. Minute, als Zinsberger einen schön angetragenen Weitschuss der herausragenden Henry mit den Fingerspitzen an die Latte ablenkte. So hielt die Bayern-Legionärin das ÖFB-Team im Rennen. Läuferisch und kämpferisch mussten die Außenseiterinnen alles geben. Auch die Zweikämpfe wurden nach wie vor mit hundertprozentiger Intensität geführt. Als die Schlussviertelstunde anbrach, ersetzte Thalhammer Auftakt-Matchwinnerin Burger durch Viktoria Pinther.

Manuela Zinsberger

APA/Hans Punz

Zinsberger bewies gegen anstürmende Französinnen ihre Klasse

Die zuvor eingewechselte Nadine Prohaska prüfte Frankreichs Schlussfrau Bouhaddi mit einem 20-Meter-Weitschuss. Eugenie Le Sommer (79.) nahm auf der anderen Seite Maß und verzog knapp. An Spannung war das Finish nicht zu überbieten. Als Kadidiatou Diani aus spitzem Winkel und kurzer Distanz abzog, machte die zu Hochform aufgelaufene Zinsberger die kurze Ecke zu. Immer wieder brannte es im Strafraum der aufopferungsvoll dagegenhaltenden Österreicherinnen lichterloh. Zäh tickten die Sekunden dahin, erst recht die langen fünf Minuten Nachspielzeit. Dann war es geschafft. Die ÖFB-Frauen haben mit dem ersten Punkt gegen Frankreich überhaupt erneut heimische Sportgeschichte geschrieben.

UEFA Euro 2017, Gruppe C

Samstag:

Frankreich - Österreich 1:1 (0:1)

Utrecht, Stadion Galgenwaard, 4.387 Zuschauer, SR Adamkova (CZE)

Torfolge:
0:1 Makas (27.)
1:1 Henry (51.)

Frankreich: Bouhaddi - Houara-d’Hommeaux (63./Karchaoui), M’Bock Bathy, Renard, Perisset - Geyoro, Henry, Bussaglia (78./Abily) - Delie, Thiney (70./Diani), Le Sommer

Österreich: Zinsberger - Schiechtl, Wenninger, Kirchberger, Aschauer - Schnaderbeck, Puntigam - Feiersinger, Billa (85./Eder), Makas (69./Prohaska) - Burger (75./Pinther)

Gelbe Karten: Houara-d’Hommeaux bzw. Feiersinger

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