„Mental bin ich jetzt ganz oben“
Am Samstag ist Dominic Thiem noch bei der Siegerehrung in Lyon gewesen, am Sonntag hat er bei den French Open in Paris bereits eine erste Trainingseinheit absolviert. Der nun zehnfache Turniersieger, der mit dem hart erkämpften Finalerfolg über Gilles Simon seinen 200. Matchsieg auf der ATP-Tour feierte, bekommt es am Montag im zweiten Spiel nach 11.00 Uhr (live in ORF Sport +) mit dem Weißrussen Ilja Iwaschka zu tun.
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„Es ist immer ein schönes Gefühl, einen Titel zu gewinnen. Besonders letzte Woche, da habe ich hart dafür gearbeitet. Mental bin ich jetzt ganz oben und körperlich fühle ich mich sowieso gut“, sagte Thiem nach einer einstündigen Trainingseinheit vor vielen Zuschauern mit dem US-Amerikaner Sam Querrey. „Vor zwei Jahren habe ich auch den Titel davor gewonnen und habe hier einen guten Lauf geschafft. Ich hoffe, ich kann Ähnliches machen.“

GEPA/Matthias Hauer
Gemeinsam mit Trainer Günter Bresnik bereitet sich Dominic Thiem auf sein Auftaktmatch der French Open vor
Ob er sich in der Form sieht, dass er auch zum dritten Mal en suite ins French-Open-Halbfinale einziehen kann? „Ich sehe mich in einer guten Form. Ich habe es in den Matches nicht gezeigt, in Lyon definitiv nicht, aber trotzdem das Turnier gewonnen. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Es macht fast mehr Spaß so, als wenn alles super läuft, und man gewinnt alles in zwei Sätzen“, meinte Thiem schmunzelnd.
Alles ist möglich, aber auch schwer
Bei Grand Slams tue er sich etwas leichter, weil er mehr Zeit „zum Reinkommen“ hat. „Bei ‚Best of five‘ habe ich gegenüber einigen einen Fitnessvorteil und deshalb glaube ich definitiv, dass es möglich ist“, so der Weltranglistenachte in Bezug auf den etwaigen Semifinal-Hattrick in Roland Garros. Aber die Auslosung findet er wie immer schwierig. „Man muss schauen, vielleicht öffnet der Raster sich irgendwo. Ich muss die ersten Runden gut überstehen. Das ist das Wichtigste, dass ich einmal morgen, und wenn es passt, auch die nächste Runde gut überstehe, ohne zu viel Kraft zu lassen.“
Thiem bereit für Paris
Nach dem Turniersieg in Lyon kommt Dominic Thiem mit viel Selbstvertrauen und hohen Zielen zum Grand-Slam-Turnier nach Paris.
Mit dem Semifinale - da müsste er zuvor bei programmgemäßem Verlauf Alexander Zverev im Viertelfinale ausschalten - soll noch nicht Schluss sein. „Das Finale ist das logische Ziel. Das ist sicher möglich, aber extrem schwer. Wenn ich nicht auf 100 Prozent bin, ist es komplett utopisch, aber wenn viel zusammenpasst und ich gut spiele, kann ich das erreichen.“ Dazu wird er wohl auch seine Voreinstellung auf Gegner optimieren müssen. Denn gegen manche Spieler benötigt Thiem wesentlich mehr Zeit auf dem Platz als nötig.
Mentale Stärke muss noch zunehmen
„Es ist Konzentrationssache und natürlich ein bisserl mein Charakter. Ich neige dazu, das Nötigste zu machen. Deshalb wurschtle ich mich manchmal durch, deshalb trete ich gegen Nadal so auf wie ich in Madrid aufgetreten bin“, gesteht der 24-jährige Niederösterreicher. Er müsse sich da verbessern. „Das ist extrem schwer. Es gibt eine Handvoll Spieler, die das schaffen.“ Thiem will dazugehören. Dann werde die von Coach Günter Bresnik angesprochene, fehlende Selbstverständlichkeit in den Schlägen kommen.
Auch wenn über das mentale Thema im Team zumindest nach außen nicht wirklich kommuniziert wird, sieht es Thiem klar. „Sicher, was soll es sonst sein? Es ist kein körperliches Problem. Es ist meine Entscheidung, wie ich reingehe ins Match. Nur muss ich halt lernen, das zu steuern. Gegen richtig gute Spieler gehe ich meistens automatisch mit der Einstellung rein, dass ich alles abrufen muss, um zu bestehen, und das schaffe ich halt nicht bei jedem Turnier. Es ist jedem klar, dass das im Kopf stattfindet und nicht in den Beinen.“
Respekt vor Auftaktgegner
Schon allein der Platz am Montag wird ihn motivieren. Die bei vielen Spielern beliebte „Stierkampf-Arena“, der in einem Stadionrund gebaute Platz eins, ist Schauplatz seines Erstrundenduells mit Iwaschka. „Er hat ein bisserl eine schlechtere Vorhand, er serviert sehr gut. Er hat hier drei Matches gewonnen und überhaupt sehr solide gespielt dieses Jahr“, meinte Thiem in Bezug auf seinen ersten Gegner. Er wusste, dass Iwaschka der Spieler ist, der sich auf ATP-Niveau 2018 am öftesten für den Hauptbewerb qualifiziert hat.
Thiem weiß auch, dass sein möglicher Zweitrundengegner der griechische Aufsteiger Stefanos Tsitsipas sein könnte. „Ich weiß meinen Weg bis ins Finale. Ich kenne den ganzen Raster, nicht nur für mich.“ Auch die möglichen Achtelfinale von Nadal und Co. interessieren ihn. „Das ist nicht nur wegen mir, wann ich auf wen treffen könnte, sondern generell schaue ich es gerne an.“
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