„Sommer der Kargheit“
Jahrelang spielte Geld in der englischen Premier League keine Rolle. Die Clubs wilderten auf dem Transfermarkt, zahlten horrende Ablösesummen und gingen sorglos Rekordverschuldungen ein. Mit diesem Geld-um-sich-Werfen ist nun vorerst Schluss. Vor dem Startschuss am Samstag kehrte im englischen Fußball neue Bescheidenheit ein.
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Zwar schließt sich das Transferfenster erst Ende August, doch mit schlagzeilenträchtigen Megatransfers rechnet kaum noch ein englischer Fußballfan. Den Anhängern auf der Insel schlägt zudem weiter das schlechte WM-Abschneiden der eigenen Nationalmannschaft aufs Gemüt.
Unter der erdrückenden Schuldenlast haben die Inselclubs verhalten oder gar nicht eingekauft. Die Sonntagszeitung „The Observer“ rief bereits den „Sommer der Kargheit“ aus und fand das gar nicht schlecht: „Vielleicht erscheint die gedämpfte Atmosphäre nach all dem Hype der Vergangenheit sogar als Erleichterung.“
Manchester City als Ausnahme
Die einzige Ausnahme bildet dabei Manchester City, das der Herrscherfamilie des Scheichtums Abu Dhabi gehört. Mit diesem finanziellen Background setzten die „Citizens“ ihre beispiellose Einkaufstour auch diesen Sommer ungehemmt fort, mit dem Ziel endlich den ersten Meistertitel seit 1968 einzufahren.
Neben dem Hamburger Jerome Boateng (13,4 Mio. Euro) verstärkte sich das in den vergangenen beiden Jahren zusammengekaufte Starensemble von Trainer Roberto Mancini unter anderem mit dem spanischen WM-Star David Silva vom FC Valencia (29,2 Millionen), dem defensiven Mittelfeldmann Yaya Toure vom FC Barcelona (34 Millionen), Inters umstrittenen Jungstar Mario Balotelli (28 Millionen) und Aleksandr Kolarov von Lazio Rom (19,5 Millionen).
ManU und Chelsea zurückhaltend
Ganz anders der große Nachbar Manchester United: Da freute sich Erfolgstrainer Sir Alex Ferguson still und leise über das Sieben-Millionen-Schnäppchen Javier Hernandez. Den Stürmer hatte ManU bereits verpflichtet, bevor der Mexikaner bei der WM in Südafrika groß herauskam. Für neun Millionen Euro wurde der 20-jährige Portugiese Bebe von Vitoria Guimares nach Old Trafford geholt.
Auch der Mäzen von Meister und FA-Cup-Sieger Chelsea, Roman Abramowitsch, zeigte sich vor dieser Saison vergleichsweise zurückhaltend. Für den brasilianischen Teamspieler Ramires, der als Nachfolger von Michael Ballack agieren soll, wurden zwar 22 Millionen lockergemacht, ansonsten wurden lediglich Ergänzungsspieler wie Liverpools Yossi Benayoun (6,7 Mio.) geholt.
Mehr Chancengleichheit
Im Mai fand das Champions-League-Finale zum ersten Mal in sechs Jahren ohne englische Beteiligung statt. Die neue Sparsamkeit könnte die Premier League international weiter schwächen, daheim aber zu mehr Chancengleichheit führen und damit für mehr Spannung sorgen. Das hofft zumindest Arsenal-Trainer Arsene Wenger: „Es ist offener dieses Jahr. Bis zu sieben Mannschaften können um den Titel spielen“, sagte der Franzose.
Maximal 25-Mann-Kader
Überdies wurden der Premier League erstmals Restriktionen auferlegt. Zukünftig darf ein Club nur noch über einen 25-Mann-Kader verfügen, in dem mindestens acht Akteure „home grown“ sind. Diese Bezeichnung trifft auf Spieler zu, die ihre fußballerische Ausbildung bis zum Alter von 21 zumindest drei Jahre bei einem englischen oder walisischen Club genossen haben.
Für Zeitungen wie den „Observer“ ist das eine positive Entwicklung: „Wenn die Premier League nun ein bisschen altmodischer und sparsamer daherkommt, wird Fußball vielleicht wieder eine gesündere Rolle im Leben unseres Landes spielen.“
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