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Verschobene Machtverhältnisse

Nach dem enttäuschenden WM-Abschneiden der englischen Nationalmannschaft beginnt am Samstag auf der Insel wieder der Ligaalltag. Die Fans dürfen sich in der neuen Saison der Premier League auf einen spannenden Titelkampf freuen, denn die Machtverhältnisse gerieten in Bewegung. Die lange Herrschaft der Top Four - Manchester United, Chelsea, Liverpool und Arsenal - ist in Gefahr.

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Niederlagen der Großen gegen vermeintlich Kleine häuften sich schon in der letzten Saison. „Die Dinge haben sich definitiv verändert. Es war eine ganz andere Liga verglichen mit dem, was vorher war“, sagte ManU-Trainer Alex Ferguson und prophezeite: „Es wird ein ganz harter Kampf um die ersten Plätze.“ Arsenal-Kollege Arsene Wenger pflichtete bei: „Was in England seit letztem Jahr anders ist: Jeder kann Punkte verlieren. Dieses Mal ist es offener.“

Manchester City strebt nach oben

Gleich sechs bis sieben Clubs werden Chancen eingeräumt, um den Titel mitzukämpfen, einer davon ist Manchester City. Der wohl reichste Club der Liga war bisher auf dem Transfermarkt mit Abstand am aktivsten und strebt zumindest einen Platz unter den Top Vier und damit eine mögliche Teilnahme an der Champions League 2011/12 an.

Allerdings scheint sogar der erste Meistertitel für die „Citizens“ seit 1968 nicht ausgeschlossen zu sein. „Es ist lange her, seit Manchester City Meister war. Aber obwohl wir eine neue Mannschaft sind, gibt es keinen Grund, warum wir Chelsea und United nicht herausfordern können“, betonte City-Trainer Roberto Mancini. Auch Stürmerstar Carlos Tevez ist sicher: „Wir sind stärker geworden. Zwischen den Topteams ist nicht mehr viel Unterschied.“

ManCity-Trainer Roberto Mancini mit den Neuzugängen Aleksandr Kolarov, David Silva, Yaya Toure und Jerome Boateng

APA/EPA/NTI/Nick Wilkinson

Manchester-City-Trainer Roberto Mancini mit den Neuzugängen Aleksandr Kolarov, David Silva, Yaya Toure und Jerome Boateng

Weitere Stars ante portas

Obwohl der Budgetkrösus bereits über 110 Millionen Euro in neue Spieler investierte, ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Am Freitag wurde die Verpflichtung von Inter-Jungstürmer Mario Balotelli um 28 Mio. Euro bekannt. Weitere Hochkaräter wie Zlatan Ibrahimovic (Barcelona) und James Milner (Aston Villa) könnten mit den Millionen von Scheich Mansour bin Zayed al Nahyan noch in die Eastlands von Manchester gelotst werden.

„Manchester City wird Meister werden, ob dieses Jahr, nächstes Jahr oder das Jahr danach - es ist nur eine Frage der Zeit“, ist Tottenham-Coach Harry Redknapp vor dem Auftaktmatch gegen das Mancini-Team überzeugt. Der Trainerroutinier zählt mit seinen „Spurs“ sowie Rapids Europa-League-Gegner Aston Villa und Everton zum Favoritenkreis. „Wir spielen um den Titel mit, das muss unser Ziel sein. Es kann sich nicht immer alles um Manchester, Arsenal, Chelsea und Liverpool drehen“, lautet Redknapps Kampfansage.

Chelsea-Coach Ancelotti zuversichtlich

Vergleichsweise zurückhaltend zeigte sich Roman Abramowitsch, der zweite schwerreiche Mäzen der Premier League. Neben der Zurückhaltung auf dem Transfermarkt steht auch ein Fragezeichen hinter der Form des Teams. Die „Blues“ strapazierten mit schlechten Ergebnissen in der Vorbereitung und vier Niederlagen in Serie die Nerven der Fans.

Coach Carlo Ancelotti, der die Londoner in der letzten Saison zum Double führte, ist dennoch zuversichtlich: „Ich mache mir keine Sorgen. Wir sind weiter als im Vorjahr. In meiner Auftaktsaison hatte ich Zweifel, aber jetzt habe ich mehr Kenntnisse über mein Team und den Fußball in England. Wir freuen uns auf die Champions League und darauf, in der Liga ganz oben zu stehen“, ist der Italiener vor dem Duell mit Aufsteiger West Bromwich zuversichtlich.

19. Titel für United-Altstars?

Das dürfte aber nicht so einfach sein, denn die Konkurrenz lauert nur auf Schwächen des Titelverteidigers. Schwächen, die Manchester United beim 3:1-Sieg in der „Community Shield“ an den Tag brachte. Aber auch bei den „Red Devils“, die ihren bereits 19. Meistertitel in den vierten in fünf Jahren, im Visier haben, ist nicht alles im Reinen.

Angesichts der finanziellen Situation investierte ManU „nur“ 25 Millionen in neue Spieler. Überalterte Vereinsikonen wie Ryan Giggs, Paul Scholes, Gary Neville und Edwin van der Sar gehen in ihre wohl letzte Saison. „Ich bin glücklich mit den Spielern, die ich habe. Ich sehe keinen Grund weitere Spieler zu verpflichten, nur weil das vielleicht erwartet wird“, stellte Ferguson vor dem Auftaktmatch gegen Newcastle klar.

Neustart bei Liverpool

Zwei weitere Titelanwärter müssen ihre Form gleich in der ersten Runde im direkten Duell unter Beweis stellen. Liverpool empfängt am Sonntag im Auftaktschlager Arsenal. Bei den „Reds“ fand die Ära von Trainer Rafa Benitez nach sechs Jahren ihr Ende, sein Nachfolger Roy Hodgson schaffte es, die beiden Topstars Steven Gerrard und Fernando Torres zum Bleiben zu überreden.

Außerdem wechselten unter anderen der englische Teamspieler Joe Cole, der Serbe Milan Jovanovic, der Däne Christian Poulsen und Abwehrtalent Danny Wilson an die Anfield Road, wo man den enttäuschenden siebenten Platz der Vorsaison so schnell wie möglich vergessen möchte, aber weiterhin noch auf der Suche nach einem Käufer ist.

Arsenal hat „eine gute Mannschaft“

Die „Gunners“ wollen ihrerseits die seit 2004 anhaltende Zeit ohne Titel beenden. Der um 12,5 Millionen Euro verpflichtete Innenverteidiger Laurent Koscielny soll die Abgänge von William Gallas und Mikael Silvestre kompensieren, große Hoffnungen werden auch in den ablösefrei von Bordeaux engagierten Stürmer Marouane Chamakh gesetzt.

Der zuletzt an die Bolton Wanderers verliehene englische Neo-Teamspieler Jack Wilshere ist ebenfalls eine Zukunftsaktie. Der 18-Jährige könnte langfristig Kapitän Cesc Fabregas ersetzen, der zumindest vorläufig von einem Wechsel zu Barcelona abgehalten worden ist und zur Erleichterung von Coach Arsene Wenger noch eine Saison im Norden Londons anhängt. „Wir haben eine gute Mannschaft, die um den Titel mitspielen kann“, versicherte Wenger.

Österreich mit kleinem Beitrag

Österreichs Beitrag zur neuen Saison in der wohl stärksten Liga der Welt dürfte sich in Grenzen halten. ÖFB-U21-Teamspieler Andreas Weimann scheint zwar offiziell im Profikader von Aston Villa auf, hat sich jedoch mit prominenter Konkurrenz im Angriff herumzuschlagen. Paul Scharner ist nach seinem Abschied von Wigan Athletic derzeit vereinslos, könnte aber noch mit Verspätung bei einem Premier-League-Club landen.

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