Abruptes Aus einer wilden Ehe
Das Ende der viereinhalbjährigen Ära Peter Pacults in Hütteldorf kam am Wochenende abrupt und verlief so turbulent wie viele Phasen in der ereignisreichen Amtszeit des umstrittenen Rapid-Trainers. Rapid-Präsident Rudolf Edlinger erklärte am Montagnachmittag, warum es zu dem „massiven Vertrauensbruch“ mit Pacult gekommen war.
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Zuletzt hatten heimische und deutsche Medien berichtet, dass der 51-jährige Wiener ab Sommer Betreuer beim deutschen Viertligisten RasenBallsport Leipzig (RB Leipzig), dem Club von Red Bull in Deutschland, werden soll. Pacult war am Donnerstagabend beim Nobelheurigen Pfarrwirt in Wien an einem Tisch u. a. mit Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz gesessen.

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Rapid-Präsident Edlinger erklärte vor Journalisten die Entlassung Pacults.
Pacult macht Rückzieher
Nach der 0:2-Heimniederlage am Samstag gegen Sturm Graz hatte der scheidende Coach die Gerüchte noch dementiert und lediglich von einer „Weinverkostung“ gesprochen. Die Clubführung hatte dieser Darstellung zunächst Glauben geschenkt und am Sonntag verkündet, dass Pacult Trainer bleibe. An den Gerüchten über einen möglichen Wechsel zu RB Leipzig sei „absolut nichts dran“, so Rapid in einer Aussendung. Der Club werde daher die Sache nicht weiter kommentieren.
Dann kam jedoch alles anders, wie Edlinger am Montag bei einer Pressekonferenz erklärte. Pacult habe einen nicht näher genannten Clubmitarbeiter angerufen und bestritten, die Aussagen über Leipzig in der von Rapid veröffentlichten Art gemacht zu haben. „Er hat dagegen massiven Einwand erhoben“, so der Rapid-Präsident. Edlinger selbst erreichte ein Anruf von Pacult nur auf der Sprachbox.
„Gedeihliche Arbeit nicht mehr möglich“
Da Pacult nun offensichtlich einen Rückzieher seiner ursprünglichen Angaben machte, bot sich für den Rapid-Präsidenten nur ein gültiger „Umkehrschluss“ an. Für Edlinger war das die Bestätigung, dass es die „Gespräche sehr wohl gegeben hat“. Das Vertrauen war tief erschüttert. Bereits am Freitag hatte sich der Wiener eine Entgleisung geleistet, als er öffentlich gegen den scheidenden Sportdirektor Alfred Hörtnagl auftrat.
Im Laufe des Sonntags beriet sich Edlinger telefonisch mit seinen Präsidiumskollegen und fasste den Entschluss, Pacult zu entlassen. „Es war klar, dass unter derartigen Voraussetzungen eine gedeihliche Arbeit nicht mehr möglich ist. Wir stehen in einer entscheidenden Phase der Saison, da ist volle Konzentration gefordert.“
Auf Tauchstation
Doch nach Angaben von Edlinger verschärfte sich die Situation rund um Pacult noch. Statt die Angelegenheit aufzuklären, war der ehemalige Stürmer nicht mehr für Rapid-Funktionäre zu erreichen. Pacult habe nicht zurückgerufen, und es habe auch sonst keinen Kontakt mehr gegeben, so Edlinger. Pacult erschien auch nicht zum Training am Montag um 9.30 Uhr. Das Nicht-Erscheinen zum Training sei jedoch laut dem Rapid-Chef nicht der Grund für die fristlose Entlassung.
Statt des Trainings erfuhren die Spieler in der Kabine von Generalmanager Werner Kuhn von der Entlassung des gesamten Betreuerstabs, dem auch Leopold Rotter (Assistenztrainer), Manfred Kohlbacher (Tormanntrainer) und Christian Canestrini (Fitnesscoach) angehörten.
„Hätten Vertrag freundschaftlich lösen können“
Dass die viereinhalbjährige Zusammenarbeit mit einem derartigen Getöse zu Ende geht, wäre laut Edlinger nicht notwendig gewesen. „Wenn er zu uns gekommen wäre, hätten wir den Vertrag auch freundschaftlich lösen können.“ Nun erspart sich Rapid - vorbehaltlich gerichtlicher Schritte von Pacult - die weiteren Gehaltszahlungen an den Wiener, fällt aber möglicherweise um eine Ablösesumme um. Immerhin wäre Pacults Vertrag noch bis Sommer 2012 gelaufen.
Die sportliche Talfahrt sei nicht für den Trainerwechsel verantwortlich gewesen. „In erster Linie waren es die sich zuspitzenden Probleme, die das Vertrauen, das ich in den Trainer haben muss, massiv erschüttert haben“, sagte Edlinger. Das dadurch zerrüttete Verhältnis sei „nicht mehr kittbar“.

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Zoran Barisic (mi.) leitete bereits am Montagnachmittag das Rapid-Training.
Barisic übernimmt bis Sommer
Nach der fristlosen Entlassung von Pacult wird Zoran Barisic den Trainerposten von Rapid interimsmäßig bis Saisonende übernehmen. Das gaben die Hütteldorfer am Montagnachmittag bekannt. Barisic, der von 1993 bis 1997 bei Rapid spielte, war zuletzt Trainer im grün-weißen Nachwuchs. Der 40-Jährige hatte bereits von 2006 bis 2009 als Assistenztrainer an der Seite von Pacult bei Rapid gearbeitet.
Sofern unter Barisic keine Siegesserie hingelegt wird, könnte Pacults langfristiger Nachfolger Andreas Herzog (U21-Teamchef), Dietmar Kühbauer (Admira-Trainer) oder Peter Schöttel (Wiener-Neustadt-Coach) heißen. Als Anwärter auf den Sportdirektor-Posten gilt Carsten Jancker. Eine kurzfristige Rückkehr von Hörtnagl ist nicht realistisch, auch wenn sein Rivale Pacult nicht mehr beim Verein ist. „Das wäre nicht besonders opportun, wenn sich einer entschieden hat, den Verein zu verlassen“, sagte Edlinger und ergänzte: „Das Haus wird neu bestellt.“
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