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Auf den Spuren von Navratilova

Die Tschechin Petra Kvitova ist die neue Tennis-Queen von Wimbledon. Vor den Augen ihres Jugendidols Martina Navratilova holte sich die Weltranglistenachte am Samstag durch den 6:3 6:4-Endspielsieg über die favorisierte Russin Maria Scharapowa erstmals einen Grand-Slam-Titel.

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Damit trat die Linkshänderin vor knapp 15.000 Zuschauern die Nachfolge der früh gescheiterten Vorjahressiegerin Serena Williams aus den USA an. „Es ist schwer, Worte zu finden mit dieser Trophäe in der Hand“, sagte die sichtlich bewegte Kvotova nach der Siegerehrung. Jubel herrschte nach dem Triumph von Kvitova auch in Bad Gastein, denn die frischgekürte Wimbledon-Siegerin hat für das WTA-Turnier von 9. bis 17. Juli in Salzburg genannt.

Petra Kvitova (Tschechien) und Maria Sharapova (Russland) mit Trophäen

APA/EPA/Kerim Okten

Petra Kvitova (li.) mit dem besten Souvenir, das es in Wimbledon zu holen gibt.

Gute Ratschläge

In ihrem ersten Grand-Slam-Finale diktierte die 1,83 m große Kvitova über weite Strecken die Partie, Scharapowa unterliefen sieben Jahre nach ihrem Wimbledon-Sieg 2004 zu viele Fehler. 13 Jahre nach dem Triumph von Jana Novotna gewann damit wieder eine Tschechin das berühmteste Tennisturnier der Welt.

Ihre beiden großen Vorgängerinnen Novotna und Navratilova saßen beide in der „Royal Box“ und applaudierten. „Es ist so nett, dass sie mir Ratschläge gegeben haben“, sagte Tschechiens neues Tennis-Ass, die bis zum Vorjahr noch kein Spiel auf Rasen gewonnen hat. Scharapowa, die bis zum Finale keinen Satz abgegeben hatte, zeigte sich als faire Verliererin: „Sie hat ein wunderbares Turnier gespielt. Glückwunsch.“

Kvitova jubelt nach ihrem Sieg

AP/Anja Niedringhaus

Petra Kvitova war fassungslos.

Ein Kuss für den Rasen

Von Beginn an agierte Kvitova hochkonzentriert. Die 21-Jährige, die mit der Empfehlung von drei Turniersiegen 2011 an die Church Road angereist war, nutzte Scharapowas Serviceschwäche konsequent aus und übte auch in ihren Returnspielen permanenten Druck auf die Russin aus. Kvitova gelangen 18 Winner.

Zweimal nahm sie Scharapowa im ersten Satz den Aufschlag ab, sogar dreimal im zweiten - das war der Schlüssel zum Erfolg. Zwar hatte Kvitova auch in ihren eigenen Aufschlagsspielen Probleme, doch nach 1:25 Stunden war nach einem ungewöhnlichen Damen-Turnier mit einigen Überraschungen, darunter der Viertelfinaleinzug von Tamira Paszek, die letzte Überraschung vollkommen. Mit ihrem einzigen Ass beendete sie das Finale, sank auf die Knie und küsste den Rasen des Centre Courts.

Scharapowa hat noch Hoffnung

„Natürlich war ich nervös, aber ich habe versucht, fokussiert zu bleiben“, berichtete die ab Montag Weltranglistensiebente. Nicht die 21-Jährige, sondern Scharapowa zeigte die Zitterhand. Die Siegerin von drei Grand-Slam-Turnieren (u. a. Wimbledon 2004) fabrizierte sechs Doppelfehler, gleich zwei davon beim Break zum 2:4 im ersten Satz.

Scharapowa durfte sich mit der kleinen Trophäe und der bisherigen Krönung ihres Comebacks trösten. Ihre Karriere war im Oktober 2008 aufgrund einer Schulteroperation ins Stocken geraten, nun stand sie nach dem Halbfinale bei den French Open in Wimbledon sogar wieder im Endspiel. „Hoffentlich bekomme ich eines Tages noch einmal die große Trophäe“, sagte Scharapowa.

Mit dem Herren-Finale wartet am Sonntag das große Highlight des prestigeträchtigsten Turniers der Tenniswelt. Der spanische Titelverteidiger Rafael Nadal fordert um 15.00 Uhr (MESZ) den neuen Weltranglistenersten Novak Djokovic aus Serbien.

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