„Einfach nur schön für die Mannschaft“
Besser hätte Willi Ruttensteiners Einstand als Interimscoach des ÖFB-Teams nicht verlaufen können. Mit dem 4:1-Erfolg am Freitag in Baku gegen Aserbaidschan gelang dem Oberösterreicher nicht nur die Absicherung von Platz vier in der EM-Qualigruppe A und die Beendigung der fünfjährigen Wartezeit auf einen Auswärtssieg, sondern auch ein persönlicher Befreiungsschlag.
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Seit der Ernennung von Marcel Koller als ÖFB-Teamchef und dem damit einhergehenden Machtgewinn für Ruttensteiner hagelte es von vielen Seiten Kritik am hauptberuflichen Sportdirektor. Der klare Erfolg gegen die Mannschaft von Berti Vogts brachte die Skeptiker zumindest vorerst zum Schweigen. „Doch eine Genugtuung ist dieser Sieg nicht für mich, sondern einfach nur schön für die Mannschaft und den gesamten österreichischen Fußball“, sagte Ruttensteiner.
„Constantini hat Basis gelegt“
Seinen eigenen Beitrag zur Steigerung der ÖFB-Auswahl im Vergleich zu den meisten anderen Auftritten der jüngeren Vergangenheit wollte der 48-Jährige nicht überbewerten. „Nicht ich habe etwas gemacht, sondern die ganze Mannschaft. Man hat schon in Bad Tatzmannsdorf gesehen, wie konzentriert alle Spieler arbeiten“, sagte Ruttensteiner. „Ich maße mir nicht an zu sagen, dass das meine Handschrift war. Constantini hat die Basis gelegt, vielleicht freut er sich auch über diesen Sieg.“

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Das Vertrauen in Janko zahlte sich für Ruttensteiner aus
Ausgezeichnete und unsichere Phasen
Ruttensteiner sprach von einem verdienten Erfolg auch dank des frühen Ausschlusses aufseiten der Gegner, war aber mit der Leistung nicht ganz zufrieden. „Es gab Phasen, in denen wir ausgezeichnet waren, und es gab Phasen, in denen wir sehr unsicher waren“, sagte Ruttensteiner mit Blick auf die letzten Minuten vor der Pause. „Wir sind trotz 1:0 und einem Mann mehr nicht stärker, sondern schwächer geworden. In der Pause habe ich die Spieler gefragt, ob sie Angst vorm Gewinnen haben.“
Der Coach ärgerte sich vor allem darüber, dass man den angeschlagenen Gegner kurzfristig noch einmal starkgemacht habe. „Doch wir haben auch nicht gegen irgendwen gespielt. Die Aserbaidschaner haben daheim die Türkei geschlagen und gegen Belgien unentschieden gespielt. Dass wir sie so deutlich besiegen, hätte ich mir vor dem Match nicht erträumen lassen.“

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Ob sich Arnautovic bei Koller auch so einen Abgang erlauben kann?
Verständnis für Arnautovic
Das gelungene Comeback von Andreas Ivanschitz war für Ruttensteiner „eine besondere Geschichte. Aber jemanden herauszuheben, fällt mir schwer, denn jeder war gut.“ Dieses Lob bezog sich auch auf Marko Arnautovic, obwohl der Bremen-Legionär gegen Aserbaidschan diesmal mehr durch misslungene technische Einlagen und taktische Undiszipliniertheiten als durch starke und torgefährliche Aktionen auffiel.
„Hat ein Spieler eine gewisse Genialität, dann passt uns das. Ist er auch in anderen Bereichen außergewöhnlich, wollen wir ihn disziplinieren, und das ist nicht richtig“, sagte Ruttensteiner. Nach seiner Auswechslung gab Arnautovic dem Interimstrainer nur missmutig die Hand. „Doch das verstehe ich. Wenn man als Spieler nicht ungern rausgeht, ist man sowieso fehl am Platz“, nahm Ruttensteiner das Verhalten von Arnautovic nicht weiter tragisch.
Umstellung nach Testspiel
Arnautovic wäre bei Ruttensteiner eigentlich als rechter Flügelspieler eingeplant gewesen. Nach dessen defensivschwachen Auftritt am Dienstag im Testspiel gegen Hartberg entschloss sich der Oberösterreicher jedoch, Ivanschitz nicht ins Zentrum, sondern auf links und Alaba dadurch auf rechts zu stellen, damit Arnautovic im Zentrum mehr Freiheiten hat.
„Wir wollten in der Defensive ein flaches 4-4-2 spielen und dabei beide Seiten schließen, und das haben Ivanschitz und Alaba sehr gut gemacht.“ Diese Rücksichtnahme auf Arnautovic ist für Ruttensteiner gerechtfertigt. „Es gibt Phasen, in denen man ihn nicht sieht, dann blitzt er wieder auf. Man muss ihn so nehmen, wie er ist. Er ist schon ein sehr guter Spieler.“
Weiterreise nach Astana
Den Beweis kann Arnautovic am Dienstag antreten, wenn die ÖFB-Auswahl die EM-Qualifikation gegen Kasachstan abschließt. Bereits am Samstag flog der ÖFB-Tross weiter nach Astana - dort warteten auf die Teamspieler Temperaturen nahe am Gefrierpunkt, während der Thermometer in Aserbaidschan auf über 20 Grad stieg.
„Es wäre wegen der Regeneration besser gewesen, einen Tag länger in Baku zu bleiben, aber leider war das kurzfristig nicht mehr zu ändern“, sagte Ruttensteiner und wagte einen Ausblick auf das Dienstag-Match: „Der Kunstrasen in Astana ist noch schneller und der Gegner vom Niveau her ziemlich ähnlich wie Aserbaidschan.“
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