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Lob und Kritik nach erstem Test

Seit 2006 hat Pistendesigner Bernhard Russi an der Strecke für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi gearbeitet. Am Mittwoch stand mit dem Training der Herren für die Abfahrt am Samstag (9.00 Uhr, live in ORF eins) die erste echte Bewährungsprobe an. Die Läufer sind nach dem ersten Test gespalten, die Reaktionen reichen von „Murkserei“ bis zu „olympiawürdig“.

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Bestzeit im ersten Zeitlauf knallte Hannes Reichelt in den Schnee. Der Salzburger blieb auf der russischen Olympiapiste in 2:12,91 Minuten um 0,25 Sekunden vor dem Schweizer Routinier Didier Cuche, beging allerdings zwei Torfehler. Die übrigen Österreicher wiesen schon einigen Rückstand auf.

Trainingsbester Reichelt zwiegespalten

Reichelt konnte sich nach seiner Fahrt nicht zu einer endgültigen Beurteilung der Piste im Alpinzentrum „Rosa Khutor“ durchringen. „Es ist alles drinnen, was eine Abfahrt braucht, mir gefällt sie. Unten runter ist sie voll geil, der Jump ist ein Wahnsinn“, sagte er einerseits, nach dem er die knapp 3,5 Kilometer bewältigt hatte. „Die Abfahrt hält mit Bormio und Wengen definitiv mit, geht aber noch mehr an die Kräfte.“

Reichelt springt über das "russische Trampolin"

Reuters/Wolfgang Rattay

Reichelt blieb wenig Zeit, das Panorama zu genießen

Auf der anderen Seite reihte sich Reichelt aber auch in die Reihe jener Läufer ein, die vor allem den oberen Teil kritisierten: Oben sei es wegen der viel zu engen Kurven eine „Murkserei“. „Ich glaube aber, dass man diese Passage auf Zug fahren kann.“

„Ein epischer Super-G“

An den Kurven störte sich auch US-Star Bode Miller, der nur 32. wurde. „Es wäre ein epischer Super-G, aber keine Abfahrt. Es gibt nur gekrümmte Kurven, die ganze Zeit. Ich glaube nicht, dass die Strecke irgendetwas enthält, was eine richtige Weltcup-Abfahrt ausmacht.“

„Schimpfen hilft nicht“, befand Klaus Kröll, der unmittelbar hinter Georg Streitberger als Zwölfter drittbester Österreicher war. „Im oberen Teil geht es brutal hin und her. Der Schnee taugt mir auch nicht, da ist viel Wasser drinnen. Oben runter ist es eine Vollglatze, und dann bricht die Piste stellenweise“, berichtete der steirische Chamonix-Sieger, der nicht glaubt, dass die Kurven irgendjemandem gefallen. „Voll schön sind die letzten zwanzig Sekunden. Das kann richtig was.“ Romed Baumann, der nur auf Platz 22 kam, klagte: „Das da oben hat keinen Spaß gemacht.“ Mario Scheiber schwang nach „zwei bis drei Torfehlern und einem Stich ins Knie“ ab: „Oben zu eng, das taugt mir nicht“, sagte der Osttiroler, der sich nicht verletzte.

Blick auf die Abfahrtsstrecke in Sotschi

APA/EPA/Alessandro della Bella

Bei anderen Abfahrten würden die Läufer hier geradeaus fahren

Spielraum bei der Kurssetzung

Der Internationale Skiverband nahm mit der Kurssetzung Geschwindigkeit heraus, schließlich ist es das erste Kennenlernen, da soll nicht zu viel Risiko eingegangen werden. Nach den engen Kurven folgt nämlich eine wahre Schanze als Sprung, der an die 80 Meter weit gehen könnte. „Wenn man von oben an nur Gleiten würde, würden wir uns nach 20 Sekunden umbringen“, zeigte der Norweger Aksel Lund Svindal Verständnis für die Kurssetzung. „Deshalb bin ich froh, dass sie hier ein paar Kurven eingebaut haben.“

Die Kritik der anderen Läufer an der Kurssetzung könnte aber Früchte tragen: „Von mir aus kann man auch noch zwei Kurven rausnehmen“, sagte Streckendesigner Bernhard Russi dazu.

Cuche ist hochzufrieden

Der Schweizer Routinier Didier Cuche, Zweitschnellster im Training, ist hingegen mit der derzeitigen Piste und Streckenführung im russischen Olympiaort hochzufrieden: „Es ist ein großartiger Kurs. Olympiawürdig!“ Schwierig fiel dem Führenden im Abfahrtsweltcup die Besichtigung der komplett neuen Strecke: „Es war eine Herausforderung, das alles im Kopf zu behalten, zum Glück gibt es die blauen Linien, die helfen.“

Auch Benjamin Raich konnte seiner Testfahrt vom 2.045 m hoch gelegenen Starthaus bis ins Ziel auf 970 m trotz seines großen Rückstands einiges abgewinnen. „Echt schön. Da ist viel drinnen, Übergänge, Kurven.“

„Wenn da das Abfahrtsherz nicht juchzt ...“

Diese Worte sind Balsam auf der Seele von Architekt Russi, der sich nach dem ersten Training des Abfahrtsasse erleichtert zeigte: „Es ist vorher immer eine gewisse Spannung drauf“, sagte der frühere Abfahrts-Olympiasieger. 2006 habe er erstmals mit „Karte, Kompass, Taschenlampe und einer Flasche Wasser“ das „Gestrüpp“ im nordkaukasischen Wald betreten und seitdem die Rennpisten konzipiert. Mit Erfolg, so zumindest der erste Eindruck.

Zwar hält der 63-Jährige das Mittelstück für einen Kompromiss, aber: „Das Startdrittel ist mein Herz, das Schlussdrittel auch. Wenn da das Abfahrerherz nicht juchzt, dann ist er kein Abfahrer.“

Training am Mittwoch:
1. Hannes Reichelt AUT 2:12:91
2. Didier Cuche SUI + 0,25
3. Benjamin Thomsen CAN 0,69
4. Matteo Marsaglia ITA 0,80
5. Christof Innherhofer ITA 1,06
. Johan Clarey FRA 1,06
7. Dominik Paris ITA 1,15
8. Erik Guay CAN 1,33
9. Adrien Theaux FRA 1,35
10. Kjetil Jansrud NOR 1,50
11. Georg Streitberger AUT 1,57
12. Klaus Kröll AUT 1,89
13. Carlo Janka SUI 1,95
14. Brice Roger FRA 1,98
15. Guillermo Fayed FRA 2,20
18. Ivica Kostelic CRO 2,46
21. Aksel Lund Svindal NOR 2,67
22. Romed Baumann AUT 2,79
24. Beat Feuz SUI 3,12
25. Jan Hudec CAN 3,31
32. Bode Miller USA 3,37
35. Joachim Puchner AUT 3,46
37. Max Franz AUT 3,67
42. Matthias Mayer AUT 4,08
47. Benjamin Raich AUT 5,13
48. Björn Sieber AUT 5,14
55. Bernhard Graf AUT 7,24
56. Philipp Schörghofer AUT 7,82
Out: Mario Scheiber (AUT)

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