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Drogba-Festspiele im Mai

In einem denkwürdigen Finale hat sich Chelsea am 19. Mai erstmals den Titel in der Champions League geholt. Die „Blues“ gewannen das Finale in München gegen die Bayern im Elferschießen mit 4:3. Nach 120 Minuten war es 1:1 gestanden. Der Triumph war überaus schmeichelhaft, da die Gäste 120 Minuten lang extrem defensiv agiert hatten. Die Bayern hatten die besseren Chancen, aber Chelsea hatte Didier Drogba.

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Thomas Müller brachte die „Hausherren“ in der 83. Minute mit einem Kopfball-Aufsetzer in Führung. Doch den „Blues“ gelang nach ihrem ersten Corner durch einen Kopfball von Drogba (88.) noch der Ausgleich. In der fünften Minute der Verlängerung scheiterte Arjen Robben mit einem Foulelfer an Chelsea-Tormann Petr Cech. Im Penaltyschießen verwertete der Ivorer Drogba dann den entscheidenden Elfmeter.

Jubel von Didier Drogba (Chelsea)

Reuters/Wolfgang Rattay

Drogba war hauptverantwortlich für Chelseas ersten CL-Triumph

Bayern hätten Historisches erreichen können

Vor 62.500 Zuschauern in der ausverkauften Allianz Arena hätten die Bayern Historisches erreichen können. Kein Club hatte es je zuvor geschafft, das Champions-League-Endspiel im eigenen Stadion zu spielen, geschweige denn zu gewinnen - dem deutschen Rekordmeister gelang zumindest der Einzug ins „Finale dahoam“. Im Endeffekt blieb aber die bittere Erkenntnis, dass der deutsche Rekordmeister nach einer guten Saison letztlich ohne Titel dastand, denn in der Meisterschaft und im DFB-Pokal mussten sich die Bayern Dortmund geschlagen geben.

Beide Mannschaften gingen bemüht in die Partie, wobei Chelsea ähnlich wie im Semifinale gegen Barcelona in der Defensive besonders dicht stand. Trotzdem hatten die Bayern bereits in der vierten Minute die erste Torchance. Bastian Schweinsteigers Schuss wurde allerdings von Chelsea-Innenverteidiger Gary Cahill geblockt. Nach dem daraus resultierenden Eckball schoss Toni Kroos von der Strafraumgrenze knapp vorbei. Zwei Minuten zuvor hatte Schweinsteiger eine unnötig frühe Gelbe Karte kassiert - es sollte die einzige für einen Bayern-Spieler bleiben. Der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proenca verwarnte den deutschen Teamspieler wegen absichtlichen Handspiels.

„Hausherren“ erhöhen den Druck

Nach den ersten beiden Warnschüssen der „Hausherren“ blieben Großchancen vorerst aus. Drogba (7.) flankte nach einem Chelsea-Konter über die rechte Seite zu ungenau vors Bayern-Tor, auf der Gegenseite ging ein Schuss des Niederländers Arjen Robben (9.) nach einem Konter weit über das Gehäuse von Cech. Nach einer Viertelstunde erhöhten die Bayern den Druck. Ein von Schweinsteiger in der eigenen Spielhälfte eingeleiteter Angriff über Robben zu Franck Ribery war das erste Resultat daraus.

Es folgten mehrere Eckbälle und Chancen für die Bayern, Chelsea konnte sich nur selten befreien. Höhepunkt der Münchner Drangphase war ein Schuss von Robben (21.), den Chelsea-Goalie Petr Cech gerade noch an die Stange ablenken konnte. Danach konnten die „Blues“ wieder etwas Tempo aus der Partie nehmen. In der 30. Minute hätte Chelseas Jose Bosingwa eigentlich Gelb sehen müssen, doch Referee Proenca ließ das schwere Foul des portugiesischen Verteidigers an Ribery ungeahndet.

Während der Franzose an der Seitenlinie behandelt wurde, leitete Mario Gomez die nächste Bayern-Chance ein. Der Ball kam über Müller zu Robben, aber Cech hielt den Schuss des Niederländers. Wenig später schoss Müller (36.) knapp am Kreuzeck vorbei, die Flanke von links kam von Diego Contento, der in der Verteidigung den Platz des gesperrten ÖFB-Legionärs David Alaba einnahm.

Drogba leitet erste Chelsea-Chance ein

Die beste Chance von Chelsea vor der Pause leitete Stürmerstar Drogba in der 37. Minute ein. Der 34-Jährige legte bei einem Angriff für Frank Lampard ab, der Kapitän passte weiter zu dem auf der rechten Seite freistehenden Salomon Kalou. Den Schuss des Ivorers konnte Bayern-Keeper Manuel Neuer allerdings klären. Drei Minuten zuvor hatte Juan Mata einen Freistoß aus etwa 19 Metern über das Tor gesetzt.

Die letzte Großchance in der ersten Spielhälfte gehörte wieder den Bayern. Müller legte nach einem Pass von Robben mit der Ferse für den zentral stehenden Gomez auf. Der Torjäger ließ Verteidiger Cahill mustergültig aussteigen, um dann den Ball statt ins Tor in die Wolken zu jagen. Fazit der ersten Halbzeit: Bayern hatte die besseren Chancen, scheiterte aber im Abschluss. Chelsea legte das Hauptaugenmerk auf Defensivarbeit, offensiv wurden die „Blues“ erst kurz vor der Pause gefährlich.

Mario Gomez (Bayern) und Gahill Gary (Chelsea)

APA/Daniel Krug

Gomez & Co. vergaben einfach zu viele Chancen

Das Halbzeitfazit beschreibt auch den Beginn der zweiten Spielhälfte gut. Auf der rechten Seite blieb eine Flanke von Ribery (46.) in der Chelsea-Abwehr hängen. Wenig später das gleiche Bild links, als Robben (47.) bei einem schnellen Vorstoß zunächst David Luiz stehen ließ, seine Hereingabe aber von Ashley Cole geblockt wurde. Einen Weitschuss von Toni Kroos (48.) konnte Luiz per Kopf zur Ecke klären.

Ribery trifft aus Abseitsposition

In der 54. Minute jubelten die Bayern kurz über die vermeintliche Führung. Müller passte zum zentral an der Strafraumgrenze stehenden Robben. Der Niederländer zog sofort mit Links ab, aber Cole konnte den Ball noch ablenken. Ribery staubte den Abpraller zwar ins Tor ab, allerdings aus Abseitsposition. Entlastungsangriffe von Chelsea waren nicht vorhanden, die „Blues“ wendeten ihre bereits gegen Barcelona erfolgreiche Defensivtaktik mit bis zu acht Spielern in zwei Viererketten vor Torhüter Cech an.

Auch das Eckball-Verhältnis von 14:0 für die Bayern nach 70 Minuten spiegelte die Offensiv-Überlegenheit des deutschen Bundesligisten wider - aber wenn man keine Tore schießt, nützt das nichts. Außerdem durfte Chelsea nie unterschätzt werden, denn die „Blues“ hatten schließlich Drogba. Wie gefährlich der Ivorer ist, zeigte er in gleich drei Möglichkeiten binnen kürzester Zeit. In der 73. Minute konnte Bayern-Keeper Neuer eine Hereingabe auf Drogba noch knapp bevor dieser zum Kopfball kam herunterfangen, dann entschärfte Contento eine Drogba-Flanke. Eine Minute später hielt Neuer einen Drogba-Schuss im Nachfassen.

Zwei Tore in der Schlussphase

Die Bayern ließen sich davon aber nicht beirren und zogen weiter ihr Angriffsspiel auf, belohnt wurden sie dafür in der 83. Minute. Nach einer Kroos-Flanke vom linken Strafraumeck stand Müller im Fünfer goldrichtig und traf per Kopfball-Aufsitzer ins Kreuzeck. Der Torschütze machte in der 86. Minute dann Platz für Daniel Van Buyten.

Kopftor von Thomas Müller (Bayern München)

Reuters/Michael Dalder

Müller kam völlig frei zum Kopfball

Trainer Jupp Heynckes verstärkte mit dem Belgier die Verteidigung, wollte das Ergebnis in den letzten Minuten halten - wäre da nicht Drogba gewesen. Beim ersten Eckball für Chelsea in der 88. Minute lief der Ivorer Matas Hereingabe entgegen, setzte sich vom Fünfereck gegen zwei Bayern-Verteidiger durch und versenkte den Kopfball in Neuers Gehäuse. Während die Bayern in 90 Minuten aus 17 Cornern nichts zustande brachten, brauchte Chelsea nur einen zum Erfolg.

Cech pariert Robben-Elfer

Drogba wäre in der Verlängerung beinahe zur tragischen Figur bei den „Blues“ geworden. Der Stürmer legte Ribery im Strafraum und sah für das Elfmeter-Foul auch noch die Gelbe Karte (93.). Robben trat zum Penalty gegen Cech an, der tschechische Teamtorhüter konnte den schlecht geschossenen Elfer des Niederländers aber parieren. Für Ribery war die Partie wenig später vorbei. Der Franzose der viel einstecken musste, war am Ende seiner Kräfte und machte für Ivica Olic Platz.

Elfmeterschuss von Arjen Robben (Bayern)

AP/Matt Dunham

Robben vergibt den Matchball, im Elfmeterschießen durfte er nicht mehr ran

Die Bayern versuchten noch dem Elfmeterschießen zu entgehen. Chancen von Jerome Boateng, Müller und Gomez blieben allerdings ungenützt. Die Strapazen der kräfteraubenden Partie waren beiden Mannschaften anzumerken - ein Penaltyschießen damit unausweichlich. Die Entscheidung fiel erst beim fünften und letzten Schützen. Während Bayerns Schweinsteiger an der Stange scheiterte, krönte Drogba seine außergewöhnliche Champions-League-Saison mit einem trockenen Schuss ins linke Eck. Er war Hauptverantwortlich für Chelseas ersten Triumph in der „Königsklasse“, denn auch im Semifinale gegen Barcelona war er der Matchwinner.

Abramowitschs Traum wird endlich wahr

Für Chelsea-Eigentümer Roman Abramowitsch ging damit ein großer Traum in Erfüllung. Seit er den Club im Juli 2003 für 210 Millionen Euro gekauft hat, setzte sich der Russe den Triumph in der Champions League als Ziel. Neun Jahre später hat es endlich geklappt.

Finale in der UEFA Champions League

19. Mai:

Bayern München - Chelsea 3:4 i.E, 1:1 n.V. (1:1, 0:0)

München, Allianz Arena, 62.500 Zuschauer, SR Pedro Proenca (POR)

Torfolge:
1:0 Müller (83.)
1:1 Drogba (88.)

Elfmeterschießen:
1:0 Lahm trifft ins rechte Eck, Cech war mit den Fingerspitzen dran
1:0 Neuer wehrt Matas Penalty ab
2:0 Gomez versenkt den Ball ins rechte Eck
2:1 Luiz verwertet scharf rechts
3:1 Goalie Neuer entscheidet sich für links - und ist erfolgreich
3:2 Lampard trifft hoch in die Mitte
3:2 Cech pariert den Elfer von Olic
3:3 Cole verlädt Neuer zum Ausgleich
3:3 Schweinsteiger scheitert an der Stange
3:4 Drogba schieß trocken ins linke Eck

Bayern: Neuer - Lahm, Boateng, Tymoschtschuk, Contento - Kroos, Schweinsteiger - Robben, Müller (86./Van Buyten), Ribery (97./Olic) - Gomez

Chelsea: Cech - Bosingwa, Luiz, Cahill, Cole - Mikel, Lampard - Kalou (84./Torres), Mata, Bertrand (73./Malouda) - Drogba

Gelbe Karte: Schweinsteiger bzw. Cole, Luiz, Drogba, Torres

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