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Spanisches Gerüst mit Ergänzungen

Insgesamt 368 Spieler waren für die EM 2012 nominiert. Manche davon kamen zu keiner einzigen Einsatzminute, andere waren lediglich Ergänzungsspieler, viele blieben hinter den Erwartungen zurück, und einige wenige drückten dem Turnier ihren Stempel auf. Letztere begeisterten die Fans mit Talent, Technik und Toren.

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Die Auswahl für die Elf dieser EM war nicht einfach, denn auf einigen Positionen gab es wahrlich die Qual der Wahl. Das Grundgerüst des Topteams von ORF.at wird erwartungsgemäß von Spanien gebildet. Aber auch andere Nationen hatten Spieler in ihren Reihen, die durchaus die Qualitätsmannschaft des alten und neuen Europameisters und sein 4-2-3-1-System verstärken würden.

Tormann: Iker Casillas

Der 4:0-Endstand im Finale machte diese Entscheidung letztlich einfach: Casillas kassierte während der gesamten EM ein einziges Tor. Der 31-Jährige war mit insgesamt nur 25 Schüssen auf sein Tor dank der starken Abwehr nicht unbedingt der meistbeschäftigte Goalie. Was es zu halten gab, entschärfte er allerdings mit seiner großen Klasse. Seit 990 Minuten ist „San Iker“ in K.-o.-Spielen nun schon ohne Gegentreffer. Die Wahl zum Welttorhüter ist ihm wohl zum fünften Mal in Serie sicher.

Spaniens Torhüter Iker Casillas

GEPA/Christian Walgram

Im Elferschießen gegen Portugal war Casillas für Spanien zur Stelle

Ersatz: Gianluigi Buffon (Italien)

Rechter Verteidiger: Glen Johnson

Durch Verletzung von Tottenhams Kyle Walker rutschte der Liverpool-Verteidiger erst in die englische Startelf. Viele Experten hätten auch lieber ManCitys Micah Richards (der dafür das „Team GB“ bei Olympia verstärkt) in der Elf gesehen, doch Johnson beeindruckte mit seinen Leistungen und war vielleicht der beste Kicker der „Three Lions“. Während seine Offensivkraft nie infrage stand, war der 27-Jährige diesmal auch mit seiner Defensivleistung fast makellos.

Ersatz: Theodor Gebre Selassie (Tschechien)

Innenverteidigung rechts: Mats Hummels

Sein schlechtes Attackieren gegen Antonio Cassano, das im Semifinale die Flanke zum 1:0 für Italien zur Folge hatte, war nicht repräsentativ für seine Leistung bei dieser EM. Davor avancierte der 23-Jährige nämlich trotz seiner internationalen Unerfahrenheit schnell zum unumschränkten Abwehrchef des DFB-Teams. Hummels bestach mit seinem Stellungsspiel und war auch offensiv gefährlich.

Ersatz: Gerard Pique (Spanien)

Innenverteidigung links: Sergio Ramos

Der Real-Spieler musste in der Innenverteidigung den verletzen Carles Puyol ersetzen. Obwohl die Position im Nationalteam ungewohnt für ihn war, räumte Ramos mit seinem körperbetonten Spielstil alles weg, was sich ihm in den Weg stellte. Kaum ein Stürmer konnte gegen den 26-Jährigen Akzente setzen. Auch im Finale war Mario Balotelli bei ihm mehr als gut aufgehoben.

Ersatz: Pepe (Portugal)

Linker Verteidiger: Jordi Alba

Der Spanier verkörpert den Prototypen des modernen Außenverteidigers und ist die vielleicht größte Entdeckung dieser Endrunde. Hinten ohne Fehl und Tadel sorgte der 23-Jährige mit seinem Offensivdrang immer für Gefahr. Die Krönung war dann sein Tor im Finale, als er nach einem Sprint über 70 Meter in der Manier eines Torjägers eiskalt das 2:0 erzielte. Kein Wunder, dass sich Barcelona die Dienste Albas sicherte und 14 Millionen Euro an Valencia überwies.

Ersatz: Fabio Coentrao (Portugal)

Defensives Mittelfeld: Sami Khedira

Nach der durchwachsenen Vorstellung von Bastian Schweinsteiger hat sich der 25-Jährige als potenzieller Führungsspieler im DFB-Team herauskristallisiert. Der Real-Legionär verkörpert mehrere wichtige Attribute in einer Person. Khedira ist lauf- und zweikampfstark, kann seine Mitspieler in Szene setzen und ist überdies auch torgefährlich.

Ersatz: Daniele de Rossi (Italien)

Dänemarks Daniel Agger und Deutschlands Sami Khedira

APA/EPA/Sergey Dolzhenko

Führungsfigur, Antreiber und Vollstrecker: Khedira war im DFB-Team top

Defensives Mittelfeld: Andrea Pirlo

Hätte Italien das Finale gewonnen, wäre vielleicht er zum Spieler des Turniers gewählt worden. Pirlo war Denker und Lenker im Spiel der „Squadra Azzurra“ und bestach durch Spielintelligenz, auf den Millimeter genau Pässe und unglaubliche Ruhe am Ball. Sein Lupfer im Elferschießen gegen England und sein Freistoß zum 1:0 gegen Kroatien waren Weltklasse. Einzig die Krönung im Endspiel blieb dem 33-Jährigen verwehrt, ansonsten war es eine herausragende EM.

Ersatz: Xabi Alonso (Spanien)

Mittelfeld rechts: David Silva

Der 26-Jährige sorgte für magische EM-Momente. Die Vorarbeit zum Ausgleich gegen Italien im Gruppenspiel, das mit großer Übersicht und Coolness geschossene Tor gegen Irland und das Kopftor im Endspiel waren die Höhepunkte von Silvas Turnierleistung. Der ManCity-Spieler schoss zwei Tore und leistete drei Assists und sicherte sich damit auch die Scorerwertung. In den K.-o.-Spielen hatte Silva einen kleinen Durchhänger, der die Gesamtperformance aber nicht schmälern konnte.

Ersatz: Petr Jiracek (Tschechien)

Zentrales Mittelfeld: Xavi

Er ist und bleibt der größte Ballverteiler im Fußball. Der 32-Jährige war wieder einmal die „Tiqui-taca“-Drehscheibe der spanischen Nationalmannschaft. Insgesamt 620 Pässe verzeichnete Xavi während des Turniers, 85 Prozent davon fanden einen Abnehmer. In den K.-o.-Spielen fehlte vielleicht die Effizienz und die letzte Konsequenz. Sein Zuspiel im Endspiel auf Alba, das zum 2:0 führt, kann allerdings nicht mehr exakter ausgeführt werden. Alleine dafür gehört Xavi ins Topteam.

Ersatz: Mesut Özil (Deutschland)

Spaniens Xavi Hernandez und Italiens Federico Balzaretti

GEPA/Christian Walgram

Such’s Balli: Xavi stellte die Gegner wieder vor eine zu große Herausforderung

Mittelfeld links: Andres Iniesta

Im alltäglichen Leben würde dem unscheinbaren Iniesta wohl niemand Beachtung schenken, auf dem Platz ist der 28-Jährige aber eine Lichtgestalt. Die Auszeichnung zum Spieler des Turniers ist absolut gerechtfertigt. Seine Ballbehandlung und seine Kreativität sind großartig. Da Spanien öfters ohne echten Stürmer spielte, kam Iniesta eine noch größere Bedeutung zu, die er exzellent erfüllte. „Er hat eine Botschaft über kreativen und prägnanten Fußball gesendet“, begründete die UEFA ihre Entscheidung.

Ersatz: Cristiano Ronaldo (Portugal)

Sturm: Fernando Torres

Die UEFA überging den 28-Jährigen in ihrem 23 Mann starken Team des Turniers. Wenn sich allerdings jemand mit der geringen Einsatzzeit von 200 Minuten und 45 Sekunden den Titel des Torschützenkönigs sichert, dann ist das aller Ehren wert. Außerdem ist der Chelsea-Legionär der erste Spieler der Geschichte, der in zwei EM-Endspielen in Serie einen Treffer erzielen konnte. Dass Torres damit allerdings ins Topteam kommt, spricht auch nicht unbedingt für die Stürmer im Allgemeinen. Zuletzt reichten 1992 drei Treffer, um sich die Torjägerkrone zu sichern.

Ersatz: Mario Balotelli

Trainer: Claudio Cesare Prandelli

Der ehemalige Juventus-Teamkollege von UEFA-Präsident Michel Platini und vormalige Fiorentina-Trainer hauchte der „Squadra Azzurra“ neues Leben ein. Das 2:1 im Halbfinale gegen favorisierte Deutsche war sein Meisterstück. Daran ändert auch die 0:4-Finalabfuhr gegen Spanien nichts. So spielfreudige Italiener gab es noch selten zu sehen.

Christian Wagner, ORF.at

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