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Worüber man drei Wochen sprach

Die Fußball-EM 2012 in Polen und der Ukraine ging mit einem Triumph Spaniens zu Ende. Die etwas mehr als drei spannenden EM-Wochen waren aber auch von dem einen oder anderen Skandal überschattet. Während ein nicht gegebenes Tor in der Vorrunde vor allem in der Ukraine für große Aufregung sorgte, durfte man über so manch anderen Skandal höchstens schmunzeln.

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Im letzten Spiel der Gruppe D vermieste der Torrichter Mitveranstalter Ukraine die EM-Party. Der Assistent von Schiedsrichter Viktor Kassai übersah, dass Englands John Terry nach einem Schuss von Stürmer Marko Devic den Ball erst hinter der Linie aus dem Gefahrenbereich bugsierte. Statt dem Ausgleich zum 1:1 und der Wende im Spiel blieb es beim 0:1 aus ukrainischer Sicht und am Ende beim vorzeitigen Aus.

Samir Nasri zeigt mit dem Finger auf den Mund

AP/Kirsty Wigglesworth

Der Torrichter sah nur Terry hinter der Linie, nicht aber den Ball

„Sport ist Sport und hat wie das Leben alles: Glück, Zufall, Fehler und Unfairness“, sagte der ukrainische Regierungschef Nikolai Asarow. Der ungarische Schiedsrichter wurde trotz Schuldeingeständnis medial geprügelt, die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Torrichter angeheizt. Dass ein nicht gegebenes Abseits Devic überhaupt erst die Möglichkeit zum Abschluss gab, sorgte hingegen für deutlich weniger Aufregung.

Der deutsche „Maulwurf“

Für Aufregung im deutschen Team sorgte nicht nur das Aus im Semifinale. Schon vor dem Viertelfinale gegen Griechenland wirbelte ein „Maulwurf“ gehörig Staub auf. Teamchef Joachim Löw hatte für die Griechen einige Überraschungen parat, aufgrund eines internen „Lecks“ war die Aufstellung aber bereits zu Mittag in diversen Medien zu lesen. Die Empörung über den Informanten war groß, vor dem Semifinale erfuhren selbst die Spieler die Aufstellung erst knapp vor der Partie.

Auch die Auswahl der TV-Bilder vonseiten des Europäischen Verbandes (UEFA) bei den deutschen Spielen schmeckte einigen Beobachtern nicht. Da wurde ein Scherz von Teamchef Löw mit einem Balljungen beim Aufwärmen von den Verantwortlichen der internationalen Regie frech mitten in die Übertragung der Partie gegen die Niederlande geschnitten. Bei der 1:2-Niederlage gegen Italien wurden die Tränen einer deutschen Zuschauerin gezeigt, dabei war die Dame bereits bei der Hymne zu Tränen gerührt gewesen.

Dass im selben Spiel Doppeltorschütze Mario Balotelli mit seiner martialischen Pose nach dem 2:0 für das Bild der EM sorgte, ging im Ärger der übertragenden deutschen Stationen an der Bildermanipulation beinahe unter. Wenigstens wurden keine Bilder einer weinenden Angela Merkel übertragen. Die deutsche Bundeskanzlerin weilte gegen Italien nicht im Stadion. Die deutsche Niederlage ersparte Merkel jedoch eine Reise zum Finale nach Kiew. Denn in die Ukraine wollte die Kanzlerin aufgrund eines Boykotts ursprünglich nicht reisen.

Gewitter über Frankreich

Merkel blieb somit ein mediales Gewitter erspart. Blitz und Donner sorgten jedoch im Vorrundenspiel zwischen der Ukraine und Frankreich für Aufregung. Ein Gewittersturm über Donezk zwang die Teams zurück in die Kabine. Erst nach 57 Minuten hatte der Himmel ein Einsehen und brachte den EM-Spielplan doch nicht durcheinander. Auch Jungstar Samir Nasri ließ es im französischen Lager gehörig krachen - vor allem nach dem Viertelfinal-Aus gegen Spanien.

Samir Nasri zeigt mit dem Finger auf den Mund

AP/Kirsty Wigglesworth

Samir Nasri wurde mit seinen Aktionen zur Reizfigur des Turniers

Der 25-Jährige, der sich schon davor mit kritischen Journalisten angelegt hatte, lieferte sich mit einem Reporter in der Mixed-Zone ein nicht jugendfreies Streitduell. Nasris Wutausbruch gipfelte mit Beleidigungen an den Journalisten und dessen Mutter. „Jetzt kannst du schreiben, dass ich schlecht erzogen bin“, sagte Nasri beim Abgang. Der französische Verband reagierte humorlos auf den Ausraster. Dem Mittelfeldspieler droht eine lange Sperre.

Dänische Unterhosenaffäre

Keine Sperre, dafür aber eine saftige Geldstrafe fasst Nicklas Bendtner aus. Der dänische Stürmer präsentierte nach seinen Toren beim 2:3 in der Vorrunde gegen Portugal den Bund seiner Unterhose. Doch nicht der tiefe Einblick in die Kleidung des 24-Jährigen erregte den Zorn der UEFA, sondern der Schriftzug eines irischen Wettanbieters, der auf der Unterhose zu lesen war. Bendtner wurde zu 100.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Zum Glück für Bendtner übernimmt das Wettbüro die Kosten. „Wir haben uns darüber verständigt, dass wir die verrückte Strafe, die die UEFA gegen Nicklas Bendtner verhängt hat, bezahlen“, ließ Paddy Power via „Twitter“ ausrichten.

Karl Huber, ORF.at

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