Ein Turnier als persönlicher Flop
Die Erwartungen waren hoch, der Fall dafür umso tiefer: Für manche Spieler wurde die EM 2012 zum persönlichen Desaster. Neben sportlichen Aspekten waren dafür allerdings auch bei einem Spieler das Verhalten abseits des Platzes verantwortlich. Am Ende sorgte das Gesamtbild für eine Nominierung ins Flop-Team des Turniers.
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Tor: Chalkias / Sifakis
Die Griechen sollten sich in Zukunft neben ihrem Budget auch Gedanken über ihre Tormänner machen. Für den 38-jährigen EM-Debütanten Konstantinos Chalkias war die Endrunde im zweiten Spiel nach 23 Minuten vorbei. Beim Stand von 0:2 für Tschechien ließ er sich entnervt wegen einer Oberschenkelverletzung auswechseln. Sein Ersatzmann Michail Sifakis erwies sich dann im Viertelfinale gegen Deutschland als nicht sattelfest und konnte kaum einen Ball festhalten.
Rechter Verteidiger: John O’Shea
Der ehemalige ManUnited-Spieler hat das Pech, stellvertretend für die ganze irische Abwehr zu stehen. Die Iren beendeten die Gruppenphase mit neun Gegentreffern und damit der schlechtesten Defensivleistung aller Teams. Für Defensivapostel Giovanni Trapattoni war das wohl ein harter Schlag. Vor allem gegen Spanien waren die Iren völlig überfordert. Auch gegen Kroatien und Italien gab es nicht viel zu bestellen. Vor dieser Verteidigung muss sich das ÖFB-Team in der WM-Quali nicht fürchten.

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Oh Schreck für O’Shea: Balotellis Geniestreich zum 2:0 gegen Irland
Innenverteidigung rechts: John Heitinga
Die Hochzeit der niederländischen Verteidigung scheint bei der EM ein Ende genommen zu haben. Heitinga hob mit seinem schlechten Stellungsspiel das Abseits beim 1:0 durch Mario Gomez auf. Auch ansonsten machte das „Oranje“-Duo Heitinga und Joris Mathijsen keinen sicheren Eindruck. Wenig verwunderlich also, dass der mittlerweile zurückgetretene Bondscoach Bert van Marwijk den Everton-Legionär auf einer schwarzen Liste der auszusortierenden Spieler hatte.
Innenverteidigung links: Sergej Ignaschewitsch
So unfair ist das Leben für einen Verteidiger. Der Spieler von ZSKA Moskau lieferte zwei Gruppenspiele eigentlich eine solide Vorstellung und wurde trotzdem zum Sargnagel für Russland. Sein Fehler ermöglichte Griechenlands Georgios Karagounis, das 1:0 zu schießen. Dieses Tor vermasselten der „Sbornaja“ auch den Aufstieg ins Viertelfinale und war damit hauptverantwortlich für das frühe Scheitern des einstigen Titelanwärters.
Linker Verteidiger: Jewgeni Selin
Ein Spieler von Worskla Poltawa kann bei Gegenspielern wie etwa Jeremy Menez schon mal ins Schwitzen kommen. Der 24-Jährige wurde bei der 0:2-Niederlage vom PSG-Spieler nicht nur einmal „vernascht“ und stand völlig auf verlorenem Posten. Auch gegen England hatte Selin seine Beine beim einzigen Treffer der Partie im Spiel. Vor dem Tor von Wayne Rooney war Selin bei der Flanke von Steven Gerrard nicht konsequent genug. Anstatt das Karriereende von Andrej Schewtschenko zu beweinen, sollte sich Trainer Oleg Blochin lieber um neue Verteidiger umsehen.
Defensives Mittelfeld: Mark van Bommel
Schwiegersohn hin oder her, Van Marwijk hätte Mark van Bommel wohl schon eher aus dem „Oranje“-Team eliminieren müssen als zur Pause des zweiten Gruppenspiels. Im Nachhinein wäre der beste Zeitpunkt wohl bereits vor der EM gewesen. Der 35-Jährige war mit dem Tempo völlig überfordert und konnte auch im Spiel nach vorne keinerlei Akzente mehr setzen. Van Bommels beste Aktion kam nach der EM: Er erkannte die Zeichen der Zeit und beendete von sich aus seine Teamkarriere.

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Mark van Bommel zog die Konsequenzen aus dem EM-Desaster und trat zurück
Rechtes Mittelfeld: Arjen Robben
Noch ein Niederländer, der es in das Flopteam der EM geschafft hat: Robben saß die verpatzte Saison wohl tiefer in den Knochen als jedem anderen Bayern-Spieler. Wenn es nicht läuft, ist die Körpersprache des 28-Jährigen nicht anzusehen - und bei „Oranje“ ging wahrlich nicht viel. Je länger das Turnier dauerte, umso bescheidener wurde Robbens Laufbereitschaft. Zumindest kam er durch das blamable Aus in der Gruppenphase nicht in Verlegenheit, einen Elfmeter schießen zu müssen.
Zentrales Mittelfeld: Samir Nasri
Seine Leistungen waren eigentlich recht ansehnlich, wer sich aber so benimmt, hat einen Fixplatz im Flopteam verdient. Bereits im ersten Spiel sorgte Nasri nach seinem Ausgleich gegen England mit einer Geste Richtung Journalisten für Aufregung. Das Fass zum Überlaufen brachte er aber nach dem Aus im Viertelfinale. Er bedachte einen Journalisten mit wüsten Schimpfwörtern. Nicht gerade clever, wenn eine Nation nach der WM 2010 von seinen Spielern vor allem Benehmen einforderte.
Rechtes Mittelfeld: Andrej Arschawin
Mit drei Assists liegt Arschawin zwar gleichauf mit Spielern wie Gerrard, Mesut Özil und David Silva, in den entscheidenden Momenten war der ehemalige Arsenal-Legionär aber nicht der nötige Fels in der Brandung. Als im Spiel gegen Griechenland die Felle davonschwammen, konnte er die „Sbornaja“ nicht vor dem Ertrinken retten. „Als Mannschaftskapitän und im Namen meiner Mitspieler möchte ich mich für unsere Leistung und das Ergebnis entschuldigen“, blieb dem 31-Jährigen der Kniefall vor den Fans daher nicht erspart.

Reuters/Pascal Lauener
Arschawin applaudiert sich selbst, sonst tat das keiner
Sturm: Robin van Persie
Nach 30 Toren in der Premier League hingen die Trauben hoch für Van Persie vor der EM. Bereits das erste Spiel gegen Dänemark war allerdings kein gutes Omen. Der Arsenal-Angreifer verstolperte Chance um Chance. Sein Ausrutscher im Strafraum wurde zum Sinnbild für das niederländische Scheitern. Die Konstellation mit Klaas-Jan Huntelaar, der als Torschützenkönig der deutschen Bundesliga ein Bankdasein fristete, spielte Van Persie aber auch nicht in die Karten. Vielleicht war der Druck, sich unbedingt beweisen zu müssen, einfach zu groß.
Sturm: Karim Benzema
Es hätte die EM von Benzema werden können. Der Real-Stürmer war sehr motiviert und ging unbescholten in das Turnier, da er die WM 2010 nicht als französischer Streithahn, sondern in der Zuschauerrolle absolvierte. Das Bemühen war dem 24-Jährigen nicht abzusprechen. Mit insgesamt zwölf Torschüssen beendete er die EM auf Platz vier in der Statistik. Allerdings stand in einer anderen, wesentlich wichtigeren Kategorie die Null: nämlich bei den Toren. Wirkte meist wie ein Fremdkörper im ohnehin fragilen Teamgefüge von „Les Bleus“.
Trainer: Bert van Marwijk
Aus einem Team mit nominellen Klassespielern nichts herauszuholen, ist eine Vorlage zur Wahl zum „Floptrainer“ des Turniers. Das wusste er selbst und trat zurück. Er kam damit aber wohl einem Rauswurf zuvor.
Christian Wagner, ORF.at
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