Historische Regeländerung
In nüchternen 13 Zeilen hat der Weltverband (FIFA) den endgültigen Beschluss einer geradezu historischen Regeländerung im Fußball verkündet. Seit Mitte Februar ist es amtlich - die FIFA wird im kommenden Jahr in Brasilien wie erwartet erstmals bei einer Weltmeisterschaft die Torlinientechnologie einsetzen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Tor oder nicht Tor - hitzige Diskussionen wie beim legendären Wembley-Tor gehören dann der Vergangenheit an. Und auch ein Aufschrei wie 2010 nach dem Torklau von Bloemfontein, als der Treffer des Engländers Frank Lampard im WM-Achtelfinale gegen Deutschland nicht anerkannt wurde, wird es nicht mehr geben. Nach dem erfolgreichen Test bei der Club-WM im Dezember 2012 wird die neue Technik auch beim Confederations Cup in diesem Sommer einem weltweiten Publikum vorgestellt, teilte die FIFA mit.

GEPA/AMA Sports/Matthew Ashton
Über die Uhr erhält der Schiedsrichter die Information, ob der Ball im Tor war
UEFA präferiert Torrichter
In jedem der zwölf WM-Stadien soll das neue System installiert werden. Ein zeitnaher Einsatz der technischen Hilfsmittel in der Champions League oder Europa League scheint derzeit aber ausgeschlossen. UEFA-Präsident Michel Platini hatte sich bisher immer als Gegner der Technik gezeigt. Beim europäischen Verband gilt die Technik als sehr umstritten. Im Gegenzug lehnt FIFA-Boss Joseph Blatter das UEFA-Modell mit zusätzlichen Torrichtern ab.
Vier Anbieter streiten sich derzeit um den Zuschlag, darunter zwei deutsche Firmen, die die Testphase durchlaufen haben und bald ebenfalls zugelassen werden könnten. Eine Entscheidung, welche Technik bei der WM 2014 zum Einsatz kommt, soll Anfang April fallen. Das bereits beim Tennis erprobte Hawk-Eye zur Überwachung der Torlinie (Torkamera) und das GoalRef-System (Chip im Ball) sind bereits lizenziert und haben den FIFA-Stempel als Zertifikat.
„Gegen funktionierendes System ist nichts zu sagen“
Bei Oliver Bierhoff, dem Manager der deutschen Nationalmannschaft stieß die Entscheidung auf große Zustimmung. „Gegen ein funktionierendes System ist überhaupt nichts zu sagen. Das wird man als Sportler der Fairness wegen akzeptieren“, sagte Bierhoff der dpa. „Die Liga hatte sich ja immer rausgehalten. In anderen Sportarten wie Tennis gibt es ja solche Technologien schon. Das Bedeutende ist eben die Funktionalität. Wenn die sichergestellt ist, finde ich es positiv“, ergänzte Bierhoff.

dapd/Joerg Koch
GoalRef will mit einem Chip im Ball punkten
Bereits am 5. Juli 2012 hatte das FIFA-Regelkomitee (IFAB) einstimmig grünes Licht für die Einführung technischer Systeme gegeben, die dem Schiedsrichter anzeigen, ob der Ball die Torlinie überschritten hat oder nicht. Vor sieben Monaten war auch der weitere Einsatz von Torrichtern genehmigt worden.
Jeder Veranstalter soll künftig selbst entscheiden können, ob Torrichter eingesetzt werden. „Der Fußball hat sein menschliches Gesicht behalten. Wenn man Hilfe hat, muss man die auch einsetzen. Für uns als FIFA war klar, was 2010 passiert ist, darf sich nicht wiederholen“, lautete die Reaktion von FIFA-Präsident Blatter damals.
Blatter erst seit WM 2010 für Torlinientechnologie
Seit Beginn der Jahrtausends war die Hilfe durch die Technik auch bei den FIFA-Granden immer wieder kontrovers debattiert worden. Zunächst schienen die technischen Möglichkeiten nicht ausgereift, dann die Kosten für eine flächendeckende Einführung viel zu hoch. Erst nach den Fehlentscheidungen bei der WM 2010 hatte sich Blatter aufgeschlossen gegenüber Technologien gezeigt. Damals war unter anderem England ein Tor von Lampard gegen Deutschland nicht gegeben worden.

Reuters/Kieran Doherty
Ein Techniker bei der Installation des Hawk-Eye
Bei der UEFA findet die Torlinientechnologie bisher keinen Zuspruch. „Ich bin gegen Technik an sich“, sagte Platini noch im Sommer bei der EM. In Polen und der Ukraine waren stattdessen Torlinienrichter zum Einsatz gekommen - mit mäßigem Erfolg. So hatte der Ungar Istvan Vad seinem Schiedsrichter Viktor Kassai einen klaren Treffer der Ukraine gegen England nicht signalisiert. „Endlich, nach all den Jahren hat sich bei der FIFA der gesunde Menschenverstand durchgesetzt“, twitterte Englands ehemaliger Stürmerstar Gary Lineker.
Links: