Themenüberblick

Erhobene Häupter in Porto

Roman Kienast ist neuerdings Spezialist für historische Austria-Treffer. Der in schlechten Phasen seiner Karriere schon als „Chancentod“ gebrandmarkte Stürmer hatte die Wiener im Play-off gegen Zagreb zur erstmaligen Qualifikation für die Champions League geschossen. Nun avancierte Kienast in Porto zum ersten violetten Torschützen in der Königsklasse. „Ein unglaubliches Gefühl“, sagte er nach dem 1:1, obwohl man in Gruppe G vorzeitig ausschied.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

So wie Goalie Heinz Lindner, der im „Privatduell“ mit Porto-Angreifer Jackson Martinez trotz eines Gegentreffers eine sensationelle Leistung bot, offenbarte Kienast in den Katakomben des Estadio do Dragao „ein lachendes und ein weinendes Auge“. Das Premierentor, der zweite Auswärtspunkt, eine leidenschaftliche Abwehrschlacht im heißen Finish – und trotzdem der vorzeitige Abschied aus der Champions League sowie mit dem letzten Gruppenplatz auch aus der Europa League.

Torjubel von Philipp Hosiner

AP/Paulo Duarte

Die Austria durfte über den ersten CL-Treffer und den zweiten Punkt jubeln

„Bitter, dass es jetzt gegen Zenit um nichts mehr geht“, meinte Kienast im Hinblick auf das abschließende Match am 11. Dezember im Wiener Ernst-Happel-Stadion gegen St. Petersburg. Genau darin widersprach ihm allerdings Austria-Trainer Nenad Bjelica, für den es im zweiten Match mit den finanziell in anderen Sphären schwebenden Russen sehr wohl ein Ziel zu verfolgen gilt.

Kühne Prognosen gingen auf

„Unser erstes Ziel war ein Punkt – das haben wir in St. Petersburg erreicht“, sagte Bjelica, nachdem er das Trainerduell mit dem nun endgültig schwer angezählten Porto-Coach Paulo Fonseca zumindest gefühlt für sich entschieden hatte. „Das zweite Ziel war ein Tor – das ist uns heute gelungen“, so der Kroate über Kienasts Weitschuss zum ersten Austria-Torjubel im europäischen Konzert der Großen. „Jetzt wollen wir noch drei Punkte gegen Zenit“, kündigte Bjelica an.

James Holland Austria-Trainer Nenad Bjelica

GEPA/Christian Ort

Nenad Bjelica (r.) hat gegen Zenit St. Petersburg noch etwas vor

Der Optimismus, den er nach zuletzt drei Ligasiegen in Serie für den schwierigen Auftritt in Porto versprüht hatte, war dem vor vier Wochen noch zunehmend in der Kritik gestandenen Austria-Coach vereinzelt als Übermut ausgelegt worden, die Hoffnung, dass man Portos momentane Schwächephase ausnützen könnte, gar als Dreistigkeit. Mit beidem behielt Bjelica recht. Auch deshalb war er der Mannschaft dankbar.

Risiko genommen – bis zum Schluss

„Ich bin mehr als zufrieden, wie sie sich präsentiert hat“, lobte der Coach seine kämpferisch und läuferisch starke Truppe. „Sie hat bis zur letzten Minute gekämpft und gegen einen übermächtigen Gegner immer an ihre Chance geglaubt. Ich bin stolz auf meine Mannschaft“, fügte Bjelica noch einmal hinzu. „Sie hat alles gegeben. Wir können stolz darauf sein, wie wir den österreichischen Fußball in der Champions League vertreten.“

In diesem Sinne wollte man sich auch keinesfalls unterstellen lassen, nicht alles unternommen zu haben, um vielleicht doch noch das Siegestor zu erzielen. „Wir haben alles riskiert. Für die letzten zehn Minuten habe ich noch einen Stürmer gebracht“, erinnerte Bjelica in der Pressekonferenz nach dem nervenaufreibenden Finish an die Einwechslung von Rubin Okotie für Markus Suttner. „Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute daran geglaubt, hier gewinnen zu können.“

Kienast und Hosiner, ein Duo mit Zukunft

Jetzt gelte es eben, sich selbst und die Austria-Fans im letzten Champions-Leaue-Gruppenspiel im „hoffentlich vollen“ Happel-Stadion mit dem ersten Sieg zu belohnen, so Bjelica. Davor muss man aber zuerst einmal am Wochenende zum starken Bundesliga-Aufsteiger Grödig, wo die Trauben bisher auch für die Favoriten hoch hängen. Wieder mit dem Offensivduo Kienast (hängend in der Mitte) und Philipp Hosiner (Solospitze davor)? „Ich sehe keinen Grund, der dagegen spricht“, so Bjelica. „Sie haben wieder gezeigt, dass es gut funktioniert.“

Harald Hofstetter, ORF.at, aus Porto

Links: