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Zu früh ausgeschieden

Ein klares spielerisches Übergewicht und 21:6 Torschüsse zu ihren Gunsten haben den „Bullen“ nichts genutzt. Der FC Basel war am Donnerstagabend in Salzburg vor 29.300 Fans mit einem Mann weniger bereits auf der Verliererstraße und der FC Red Bull Salzburg nach 1:0-Führung auf dem Weg ins Europa-League-Viertelfinale, doch die Schweizer drehten die hektische Partie und stiegen mit 2:1 auf.

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Salzburg, das bis dahin in der Europa League mit zehn Siegen und einem Remis geglänzt hatte, musste erkennen, dass im Fußball nicht immer die bessere Mannschaft belohnt wird. Manchmal gewinnt auch einfach nur das Team, das bis zuletzt an seine Chance glaubt. Salzburg scheiterte am Gegner, der nie nachgab, am Basler Trainer und Taktikfuchs Murat Yakin, aber vor allem an der Vielzahl an vergebenen Chancen. Deshalb trauerten Trainer wie Spieler dem möglich Einzug unter die besten acht der Europa League nach. Die Chance war groß und wurde nicht genutzt.

Soriano (Salzburg) kniet nach seiner vergebener Torchance auf dem Rasen

ORF.at/Dominique Hammer

Der Ball wollte trotz zahlreicher hochkarätiger Chancen kein zweites Mal ins Tor

Das Gefühl, zu früh ausgeschieden zu sein

„Ich bin extrem enttäuscht“, sagte Trainer Roger Schmidt in seiner Matchanalyse. „Die Mannschaft hat sensationell angefangen, großartig gespielt. Das Spiel hätte früh zu unseren Gunsten entschieden sein müssen. Basel ist eine erfahrene Mannschaft, gegen die wir es nicht mehr geschafft haben, ins Spiel zurückzukommen. Es bleibt das Gefühl, dass wir zu früh aus diesem Bewerb ausgeschieden sind.“ Was bei der Auslosung im Dezember befürchtet worden war, bewies sich am Donnerstag zum Leidwesen der Salzburger „Bullen“ und ihrer Fans.

Der Schweizer Serienmeister war mit seiner internationalen Routine ein zu harter Brocken, an dem sich die begeisternd spielende Schmidt-Elf letztlich die Zähne ausbiss. Basel-Torschütze Marco Streller, der über 90 Minuten mit allen Mitteln für sein Team arbeitete, sah den Erfolg seiner Mannschaft naturgemäß entgegengesetzt den Empfindungen der Salzburger: „Wir haben schon sehr viel erlebt international, vielleicht hat das den Unterschied ausgemacht. Das und die Effizienz. Wenn man 80 Minuten mit zehn Mann spielt und gewinnt, dann ist der Aufstieg verdient.“

Turbulente Partie am Rande des Abbruchs

Salzburg setzte Basel zu Beginn permanent unter Druck. Dann wurde Marek Suchy bereits in der neunten Minute durch den deutschen Schiedsrichter Manuel Gräfe nach Foul an Alan ausgeschlossen. Die tschechische Leihgabe von Spartak Moskau war dem Brasilianer von hinten in die Beine gegrätscht. In Überzahl gelang den „Bullen“ in der 22. Minute durch das achte EL-Tor von Jonatan Soriano das langerwartete 1:0. Die schöne Vorarbeit hatten der offensiv groß aufspielende Florian Klein und Kevin Kampl geleistet.

Basler Fans auf der Tribüne

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Nach der Unterbrechung präsentierten sich Basler Fans und Spieler geordneter

Acht Minuten später unterbrach Gräfe dann für rund 15 Minuten das Spiel, nachdem Zuschauer aus Basel wiederholt Gegenstände auf das Spielfeld geworfen hatten und damit Eckstöße der Hausherren verhinderten. Die Unterbrechung tat zumindest den Gästen gut. Nach Wiederanpfiff gingen die Schweizer geordneter ans Werk. Dennoch hatte Salzburg kurz nach der Pause durch Soriano die Riesenchance auf das 2:0. Der Spanier traf aber nur das Außennetz. Ein 2:0 wäre wohl die Vorentscheidung gewesen.

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Yakin: „Waren nicht besser, aber cleverer“

Dann jedoch demonstrierten die Schweizer Effizienz pur und gingen nach zwei Eckbällen von Fabian Frei und zwei Kopftoren von Streller (51.) und Gaston Sauro (60.) in Führung. Hier offenbarte sich eine Schwäche der Salzburger. Allerdings hätten die Basler beim 2:1 nur noch zu neunt auf dem Feld stehen sollen. Der bis dahin gute Referee Gräfe hatte nach einem Kopfstoß (53.) von Arlind Ajeti gegen Alan offenbar nicht die Courage, den Schweizern die zweite Rote Karte in diesem Spiel zu zeigen.

Jubel der Basler

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Basel war gegen Salzburg als „cleverere“ Mannschaft nach 180 Minuten obenauf

Yakin war jedenfalls froh, die „sehr turbulente“ Partie gewonnen zu haben. „Wir haben Glück gehabt. Wir waren heute nicht die bessere Mannschaft, aber die cleverere.“ Es habe zwei Standards gebraucht, um zu gewinnen. Basel habe alle Reserven abrufen müssen, aber auch nie aufgegeben und gewusst, dass es ein Tor erzielen könne. „Der Start war nicht der beste, wir hätten schnell 0:2, 0:3 hinten sein können. Wir waren aufgewühlt, sind dann aber in der Unterbrechung cool geblieben“, so der ehemalige Verteidiger, der sich nicht zu einer Verurteilung des Schweizer Fanverhaltens überwand, stattdessen von der „großen Unterstützung“ durch die Fans sprach.

„Keine Schande, gegen Basel auszuscheiden“

„Es ist keine Schande, gegen Basel auszuscheiden“, so Schmidt, „die Mannschaft hat Qualität, und man muss anerkennen, wie die Mannschaft auf Rot und den Rückstand reagiert hat. Streller und Stocker haben ständig für die Mannschaft gearbeitet und das Team immer angeführt.“ Einen Knackpunkt, der das Spiel zugunsten des EL-Halbfinalisten des Vorjahres wendete, wollte der 47-jährige Schmidt nicht suchen - nicht die Unterbrechung durch den Schiedsrichter, nach der Basel defensiv besser abgestimmt auftrat noch den Schock nach dem überraschenden 1:1 noch den nicht erfolgten Ausschluss von Ajeti.

„Überlegenheit vor dem Tor ausdrücken“

Der Frage, ob Salzburg für solche Spiele neben bedingungslosem Offensivspiel nicht doch einen zweiten „Taktikanzug“ brauche, wollte Schmidt nicht nachgehen. Die Mannschaft, die mit 21 Toren bis dahin die meisten Treffer in der Europa League erzielt hatte und mit 68 Schüssen auf das Tor die meisten Möglichkeiten hatte, traf gegen Basel in über 180 Minuten eben nur einmal.

Allan (Salzburg) gegen Naser Aliji und Mohamed Elneny (beide Basel)

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Beim Hinspiel noch Zuschauer, fehlte auch Goalgetter Alan der Torinstinkt

„Man muss Überlegenheit auch vor dem Tor ausdrücken. Wenn das nicht gelingt, dann verliert man eben. Wir waren vorne nicht sorgfältig genug.“ Mittelfeldmotor Stefan Ilsanker stimmte zu: „Wir waren in den ersten 30 Minuten ein, zwei Klassen besser als Basel. Bis zum Unterbruch war das ein Feuerwerk von uns, da haben wir ihnen das Leben sehr schwergemacht. Dann haben wir aus zwei Standards zwei Treffer bekommen. Diese Gegentore hätte uns nie etwas ausgemacht, wenn wir unsere Chancen genutzt hätten.“

Lernprozess für Salzburg

Doch vielleicht ist das bittere Ausscheiden gegen einen cleveren Gegner der Anfang eines Lernprozesses, der zu mehr Reife führen und sich für die nächste Saison im Europacup möglicherweise bezahlt machen kann. So meinte der am Donnerstag nicht eingesetzte Franz Schiemer: „Ich glaube, dass wir die bessere Mannschaft waren, ab und zu gewinnt aber die cleverere. Wir sind alle am Boden zerstört, aber wir werden nächste Saison einen neuen internationalen Anlauf starten.“

Das ist zumindest auch eine der Hoffnungen von Trainer Schmidt: „Ich weiß, dass die Mannschaft die Erfahrung des Ausscheidens in Motivation umwandeln kann, so wie schon gegen Fenerbahce (in der Champions-League-Qualifikation, Anm.). Jetzt werden wir auf alle Fälle die Meisterschaft auf hohem Niveau fertig spielen.“ Am Sonntag (16.30 Uhr, live in ORF eins) kann Salzburg dabei mit einem Punktegewinn im Heimspiel gegen Wr. Neustadt bereits als neuer Meister feststehen - und dann ist vielleicht auch schon das bittere Scheitern gegen Basel vergessen.

Martin Wagner, ORF.at, aus Salzburg

UEFA Europa League, Achtelfinal-Rückspiel

Donnerstag:

Red Bull Salzburg - FC Basel 1:2 (1:0)

Wals-Siezenheim, Red Bull Arena, 29.320 Zuschauer, SR Gräfe (GER)

Torfolge:
1:0 Soriano (22.)
1:1 Streller (51.)
1:2 Sauro (60.)

Salzburg: Gulacsi - Klein, Rodnei, Ramalho, Svento (83./Meilinger) - Ilsanker (72./Zulj) - Kampl, Leitgeb, Mane - Alan, Soriano (78./Berisha)

Basel: Sommer - Sauro, Ar. Ajeti (87./Embolo), Suchy, Sauro - F. Frei, Elneny - P. Degen, Stocker, D. Degen (41./Aliji) - Sio (58./Xhaka), Streller

Rote Karte: Suchy (9./Foul)

Gelb-Rote Karte: Alan (86./Foul und gefährliches Spiel)

Gelbe Karten: Rodnei, Ramalho, Leitgeb bzw. Streller, Sio, Ajeti, P. Degen

Hinspiel 0:0 - Basel mit dem Gesamtscore von 2:1 weiter

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