Eine alte Fußballweisheit trifft Salzburg
„Jeder ist enttäuscht und war in der Kabine fassungslos.“ So brachte Stefan Ilsanker die Gemütslage der Salzburger nach dem Europa-League-Spiel am Donnerstag gegen Basel auf den Punkt. Auch mit ein bisschen Abstand werden den „Bullen“ die unnötige 1:2-Niederlage und das damit verbundene bittere Ausscheiden im Achtelfinale der Europa League wohl noch schwer im Magen liegen.
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Lange und gut werden die Salzburger wohl nicht geschlafen haben. Die Art und Weise, wie die Partie gegen den Schweizer Meister verlief, dürfte ihnen allen Alpträume beschert haben, vor allem das Verjuxen einer Vielzahl an Großchancen. Kevin Kampl traf nach wenigen Minuten den Ball nicht richtig, Sadio Mane scheiterte alleine vor Basel-Goalie Yann Sommer, und Jonatan Soriano schoss gleich nach der Pause aus knapp einem Meter ins Außennetz.

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Ilsanker hadert mit den vergebenen Chancen
Dann traf die Salzburger nach zwei Standardsituationen der Basler die alte Fußballweisheit „Tore, die man nicht schießt, bekommt man“ wie ein Keulenschlag. „Diese Gegentore hätte uns nie etwas ausgemacht, wenn wir unsere Chancen genutzt hätten“, haderte Ilsanker. „Der Ausgleich hat wehgetan, das haben wir aber weggesteckt. Nach dem 1:2 ist dann unser Spielfluss gerissen.“
Früher Ausschluss als Vorteil für Basel
Bereits davor spielte Salzburg der Verlauf der Partie so gar nicht in die Hände. „Wir haben kein Glück gehabt. Aus meiner Sicht war es einfach nur Pech. Heute war nicht unser Tag“, sagte Dusan Svento. Tatsächlich gibt es fünf Gründe, warum es für die „Bullen“ nicht für den Einzug ins Viertelfinale gereicht hat. Einer davon war der frühe, aber völlig berechtigte Ausschluss von Marek Suchy nach seinem Foul an Alan, der für die Basler mehr Vor- als Nachteil war.
Die Schweizer stellten ihr 3-2-3-2-System, mit dem sie gegen Salzburg wohl eher mitgespielt hätten, um und bildeten eine Fünferkette. „Basel ist eine routinierte Mannschaft. Sie haben auch mit zehn Mann bis zum Ende gekämpft. Vielleicht war für sie der frühe Ausschluss sogar gut, weil sie defensiv so gut spielen“, erklärte Svento. Und tatsächlich dürfte die Basler, die schon so manche Europacup-Schlacht geschlagen haben, die frühe Rote Karte mehr motiviert als ihnen geschadet haben. „Wir sind gerannt bis zum Gehtnichtmehr“, sagte Fabian Frei.
Unterbrechung half den Schweizern
Die Umstellung funktionierte zunächst nicht wirklich, denn Salzburg war klar überlegen und laut Ilsanker „ein, zwei Klassen besser als Basel. Bis zum Unterbruch war das ein Feuerwerk von uns.“ Dann kam die 30. Minute. Basel-Anhänger warfen Trinkbecher, Feuerzeuge und Plastikstangen auf das Spielfeld und zwangen den deutschen Schiedsrichter Manuel Gräfe zum Gang in die Kabine. Dort ordneten die Schweizer ihre Gedanken und besprachen ihre neue Taktik. „Das hat uns sicher geholfen. Wir waren danach besser organisiert“, so Basel-Kapitän Marco Streller.
Ilsanker verurteilte nach der Partie das Fanverhalten: „Die waren einfach asozial, das kritisiere ich zutiefst.“ Trotzdem war Salzburg weiter überlegen. Die ungeplante 15-minütige Pause half Basel mehr, doch schadete sie Salzburg nicht sehr. „Wir haben auch nach der Unterbrechung noch gut gespielt und unsere Chancen gehabt“, so Innenverteidiger Andre Ramalho.
Mangelnde Konsequenz bei Chancen
Was fehlte, war die Konzentration vor dem Tor. Kein Fußballer auf der Welt vergibt absichtlich eine Torchance. Den Verlauf eines Spiels darf man dennoch für die Psyche eines Spielers nicht unterschätzen. Ein Mann mehr ab der neunten Minute und eine 1:0-Führung in einem Heimspiel können schon zu mangelnder Konzentration führen. Vielleicht war der Glaube zu groß, den Aufstieg so gut wie in der Tasche zu haben. Das Gefühl der Überlegenheit und das Vertrauen, dass ein zweites Tor schon fallen würde, kostete Konsequenz.

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Alan brachte den Ball diesmal nicht im gegnerischen Tor unter
Referee Gräfe verließ der Mut
Diese ließ auch Schiedsrichter Gräfe vermissen. Bei der rotwürdigen Aktion von Suchy zeigte er noch Courage und schickte den Tschechen früh unter die Dusche. Beim Kopfstoß von Arlind Ajeti (53.) gegen Alan verließ in jedoch der Mut. Gräfe stand unmittelbar daneben und muss die Tätlichkeit gesehen haben. Vielleicht wollte der Deutsche, der bis dahin eine tadellose und konsequente Vorstellung zeigte, mit einem weiteren Ausschluss die gereizte Stimmung nicht noch zusätzlich anheizen.

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Suchy musste bereits nach kurzer Zeit unter die Dusche
Einen Spielabbruch hat kein Referee gerne zu verantworten. Unmittelbar nach dem Ausgleich (51.) hätte der Zeitpunkt für eine zweite Rote Karte für Salzburg allerdings nicht günstiger sein können. Die „Bullen“ hätten mit zwei Mann mehr noch knapp 40 Minuten gehabt, um den Aufstieg zu schaffen. Der zweite Ausschluss wäre freilich keine Garantie gewesen.
Routine kann man nicht kaufen
Basel warf danach seine ganze Routine in die Waagschale, was am Ende den Unterschied ausmachte. „Wir haben immer die verrücktesten Geschichten, heute war wieder so eine“, sagte Streller. Während die Schweizer von ihrer in zahlreichen CL-Partien gesammelten Erfahrung profitierten, hält sich jene der Salzburger in Grenzen. Mit einer Partie aufs Messers Schneide waren die „Bullen“ in dieser EL-Saison davor nicht konfrontiert. „Wir haben auch erfahrene Spieler, aber aus diesem Spiel müssen wir alle etwas lernen“, brachte es Ramalho auf den Punkt.

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Streller leitete den Umschwung zugunsten der Basler ein
„Können trotzdem sehr, sehr stolz sein“
Obwohl die internationale Reise noch fortgesetzt hätte werden können und die Enttäuschung über das Scheitern groß war, dürfen die Salzburger mit ihrer Europacup-Saison mehr als zufrieden sein. Eine Gruppenphase ohne Punkteverlust und der eindrucksvolle Erfolg über Ajax zeugen davon. „So kann Fußball sein, das ist wirklich bitter. Wir haben die ganze Saison schon Qualität gezeigt. Schade, dass es ausgerechnet heute nicht geklappt hat. Wir können aber trotzdem sehr, sehr stolz sein. Was wir bisher geleistet haben, war in der Europa League überragend“, so Svento.
„Wir haben wieder ein sehr gutes Spiel gemacht und mit unseren Europacup-Auftritten eine Euphorie ausgelöst“, stieß Teamkollege Ilsanker ins selbe Horn. Und wer weiß, wofür diese Niederlage gut war. Auch die Düdelingen-Blamage war im Nachhinein betrachtet förderlich. Das Team wird weiter an sich arbeiten und nimmt in der nächsten Saison die Champions League ins Visier. „Wir sind alle am Boden zerstört, aber wir werden nächste Saison einen neuen internationalen Anlauf starten“, sagte Franz Schiemer.
Christian Wagner, ORF.at
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