Mercedes dementiert Absprache
Die rätselhaften Fehler von WM-Leader Nico Rosberg beim Großen Preis von Italien am Sonntag in Monza haben allen möglichen Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Mercedes wurde nach dem Sieg von Lewis Hamilton vor seinem Teamkollegen prompt abgekartetes Spiel unterstellt.
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Der Brite ist nun wieder in Schlagdistanz zum WM-Leader, das Duell der beiden Mercedes-Piloten geht damit auch bei den letzten sechs Rennen unvermindert weiter. Hätte Rosberg in Italien vor Hamilton gewonnen, wäre der Deutsche schon 36 Punkte vorangelegen. So sind es nur 22.
Dabei war Pole-Mann Hamilton am Sonntag beim Start wegen eines Kupplungdefektes auf Platz vier zurückgefallen. Dann aber verbremste sich der führende Rosberg gleich zweimal vor der gleichen Schikane. Den zweiten Fehler nutzte der Engländer dann, um in Führung zu gehen und seinen sechsten Saisonsieg zu landen. Rosberg wurde danach wie schon in Spa auch von den Tifosi ausgepfiffen. Mercedes aber hat damit in Italien alle Ziele erreicht: Kein Crash, mit dem siebenten Doppelsieg dem Team-Titel wieder näher gerückt, die Fahrer-WM spannend gehalten.
Nervenflattern oder Geschenk?
Doch das geforderte „One-two“-Ergebnis der Silberpfeile hinterließ viel Skepsis. Während man Rosberg einerseits bereits Nervenflattern unterstellte, vermuteten vor allem englische Zeitungen, der Deutsche habe beim Hochgeschwindigkeitsklassiker in Italien Hamilton als Ausgleich wegen Spa „durchgewinkt“. „War das ein Zerbrechen oder eine Täuschung?“ fragte nicht nur die englische „Daily Mail“.

APA/AP/Antonio Calanni
Mit dem Ergebnis konnte Mercedes jedenfalls zufrieden ein
Rosberg dementierte umgehend. „Warum sollte ich so etwas absichtlich machen? Es gab keinen Grund dafür, ich hab’s einfach versaut“, erklärte der Deutsche, dass lediglich die Verhinderung eines „Bremsplatten“ zu seinem Ausweichen in die „Garage“ geführt habe. Es sei auch ganz bestimmt keine Geste wegen Spa gewesen. „Das dort war ein Fehler, für den ich mich entschuldigt habe. Das heißt jetzt nicht, dass wir deshalb die Positionen der Autos mischen.“
Etwas für paranoide Geister
Auch die Mercedes-Teamführung dementierte Mutmaßungen, der Kommandostand habe nach dem Belgien-Unfall und dem daraufhin verschärften „Crashverbot“ von außen eingegriffen. „Nur paranoide Geister können auf so eine Idee kommen“, sagte Motorsportchef Toto Wolff. „Nico hatte die Bremsverteilung auf die Vorderreifen verstellt. Lewis war zu dem Zeitpunkt einfach schneller und hat Druck gemacht. Deshalb ist es passiert. Die Fehler waren zwar nicht Nico-like, aber er hat sie auf seine Kappe genommen.“
Rosberg war nach seinem zweiten Patzer in der „Prima Variante“ um die weißen Hinderniswürfel gekurvt, während Hamilton auf der Strecke vorbeisauste. „In seiner zweiten Karriere kann Nico an Slalom-Meisterschaften teilnehmen“, scherzte Wolff und fügte ernster an. „Man kann es auch so sehen, dass er es trocken heruntergefahren hat. Bei 22 Punkten Vorsprung kann Nico einige Male Zweiter werden, ehe es wieder eng wird.“
„Das richtige Ergebnis“
Selbst Wolff gab aber später zu, dass die Optik ein wenig schief war: „Mathematisch gesehen hat nicht der Pilot gewonnen, der in der WM führt. Aber global gesehen war es das richtige Ergebnis, um die Balance wiederherzustellen. Es ist das Ergebnis, das die meisten Menschen glücklich macht.“ Für das Unternehmen hat der Konstrukteurstitel bekanntlich oberste Priorität. Da hat Mercedes bei 301 noch zu vergebenden Punkten 182 Punkte Vorsprung auf Red Bull. „Es ist aber noch lange nichts gewonnen“, warnte Wolff auch in Monza.
Das Momentum ist zwei Wochen vor dem Nachtrennen in Singapur nun wieder bei Hamilton. Der Engländer überholte mit dem insgesamt 28. GP-Sieg Landsmann und Dreifachweltmeister Jackie Stewart. Mit Pole, schnellster Rennrunde und Sieg fixierte der Weltmeister von 2008 zudem seinen bereits vierten „Hattrick“.
Die Eiszeit geht weiter
Dass sich die beiden Mercedes-Piloten im Psychoduell um den Fahrertitel mittlerweile nichts mehr zu sagen haben, wurde auch in Monza offensichtlich. Weder auf dem Podium noch später bei der Pressekonferenz würdigten sie sich eines Blickes. Auf die Frage, ob sie nun wieder Freunde seien, antworte Hamilton lapidar: „Sicher, wir sind ja Teamkollegen.“
Wolff kann damit leben. „Natürlich geht es unterkühlt zu. Aber das ist mir aus Teamsicht egal, solange sie sich respektieren“, betonte der Wiener. „Man kann nicht erwarten, dass zwei Fahrer befreundet und herzlich sind, wenn es sich um die Fahrer-WM zuspitzt. Da musst du alles spielen, was du hast, um mit Sicherheit nicht freundlich zu sein.“
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