Alles lief gegen ÖEHV-Team
Die Befürchtungen des österreichischen Eishockey haben sich am Dienstag bei der WM in Prag bewahrheitet: Frankreich und Lettland haben im Spiel gegeneinander genau jenes Resultat erzielt, das beiden den Klassenerhalt sichert und Österreich zum Abstieg verurteilte. Frankreich siegte mit 3:2 nach Penaltyschießen. Die Letten schenkten dabei eine 2:0-Führung her.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
„Wir wollten es eigentlich nicht in die Hände der anderen legen, aber so ist es nun mal passiert“, hatte Brian Lebler schon vor der Partie kein gutes Gefühl. Am Ende waren die Siege zum Auftakt gegen die Schweiz (4:3 n. P.) und am Montag gegen Deutschland (3:2 n. P.) sowie der Punktegewinn gegen Lettland (1:2 n. V.) für die Katz’. Die verlorenen direkten Duelle wurden den Österreichern zum Verhängnis.
Österreich muss absteigen
Das Nationalteam ging am Dienstag gegen Kanada mit 1:10 unter und muss zum sechsten Mal in Folge absteigen. Frankreich gewann nämlich gegen Lettland nach Penaltyschießen, womit beide Teams erstklassig bleiben.
Die Enttäuschung im österreichischen Lager war groß. „Ich bin sehr enttäuscht. Unsere Spieler, die in allen Spielen so hart gearbeitet haben, hätten sich einen erfolgreichen Ausgang der Weltmeisterschaft verdient“, sagte Teamchef Daniel Ratushny, „Wir haben uns das Spiel gemeinsam mit dem Team angeschaut, es war eine intensive Enttäuschung da, fast Wut.“ Eine genaue Analyse will der Trainer erst in ein paar Tagen angehen. „Das waren jetzt sehr emotionale Stunden und Tage“, sagte Ratushny.
Gleiches Schicksal wie 2013
Wie schon 2005 in Wien und Innsbruck, 2007 in Russland (Moskau und Mytischi), 2009 in der Schweiz (Zürich und Bern), 2011 in der Slowakei (Bratislava und Kosice) und 2013 in Helsinki musste Österreich ein Jahr nach dem Aufstieg gleich wieder eine Leistungsstufe nach unten. Seit der Einführung des Modus mit zwei Achtergruppen haben stets zwei Siege bzw. fünf Punkte gereicht, mit zwei Ausnahmen: 2013 und 2015 erwischte es jeweils Österreich trotz zweier Siege.
Besonders bitter: Nach der vom Österreichischen Eishockeyverband (ÖEHV) ursprünglichen Interpretation der Abstiegsprozedur („The overall bottom ranked two teams will be relegated“), dass die zwei punkteschlechtesten Teams in die B-Gruppe müssen, wäre das Team im kommenden Jahr in Russland dabei. Denn in Gruppe B in Ostrava holten Dänemark (4) und Slowenien (3) weniger Punkte als die Österreicher. So geht es in der Division IA nächstes Jahr aber nun gegen Mitabsteiger Slowenien, Italien, Polen, Japan und Südkorea.
Bittere Minuten für Österreichs Eishockey
Der Klassenerhalt lag lange in Reichweite, doch das Glück stand den Österreichern nicht zur Seite. Frankreich holte in einer Nervenschlacht im Schlussdrittel einen 0:2-Rückstand auf, vergab in den Schlusssekunden den Sieg nach regulärer Spielzeit, der Österreich erstmals seit elf Jahren den Verbleib in der A-Gruppe gesichert hätte. Doch Julien Desrosiers scheiterte. Im Penaltyschießen verwandelten alle drei Franzosen (Damien Fleury, Julien Desrosiers, Stephane da Costa), Lettlands Keeper Edgars Masalskis machte dabei keine sehr gute Figur.

APA/AP/Petr David Josek
Die Franzosen jubelten in Prag über den Klassenerhalt
Lettland war durch zwei Powerplay-Tore von Kaspars Daugavins (12.) und Guntis Galvins (23.) 2:0 in Führung gegangen. Im Schlussdrittel gelang Frankreich durch Stephane da Costa (49.) und Sacha Treille (56.) der Ausgleich. Acht Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit vergab Desrosiers seine Riesenchance. Nach dem Penaltyschießen jubelten Franzosen und Letten unisono.
„Ein unglaubliches Turnier“
Die Österreicher durften Prag trotz des finalen Keulenschlags aber mit erhobenen Köpfen verlassen. Denn die mit 14 Debütanten angetretene Truppe von Ratushny hatte die vielleicht beste Leistung einer rot-weiß-roten Auswahl in der jüngeren Vergangenheit abgeliefert. „Es war ein unglaubliches Turnier, die Mannschaft war super, wir haben zusammengehalten, die Unterstützung der Fans war unglaublich“, sagte Kapitän Thomas Raffl.
Auch ÖEHV-Präsident Dieter Kalt lobte die Mannschaft. „Unsere Mannschaft hätte sich den Verbleib in der A-Gruppe verdient, ohne Wenn und Aber. Ich habe in den letzten Jahren noch nie eine so aufopfernd kämpfende Mannschaft wie unser Team gesehen“, sagte Kalt, „vor der Weltmeisterschaft haben wir von vielen kein Vertrauen erhalten, trotz des schmerzhaften Abstiegs bin ich stolz auf das Team und alle Betreuer.“
Eishockey-WM in Tschechien, Gruppe A
Dienstag:
Frankreich - Lettland - 3:2 n. P.
(0:1 0:1 2:0/0:0/3:1)
Tore: Da Costa (49.), Treille (56.), Desrosiers (entscheidender Penalty) bzw. Daugavins (12./PP), Galvins (23./PP)
Links: