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„Endlich sind wir belohnt worden“

Den Schluck Bier, den Marcel Koller vor Beginn der Pressekonferenz nach dem 3:0 am Montag über Liechtenstein getrunken hat, hat sich der ÖFB-Teamchef redlich verdient. „Unglaublich, eine fantastische Quali, 28 Punkte sind eine richtige Duftmarke“, sagte der im Ernst-Happel-Stadion stürmische gefeierte Schweizer. Seine Spieler zeigten nach dem Schlussakkord einer wohl unvergesslichen EM-Qualifikation ebenfalls große Emotionen.

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Kapitän Christian Fuchs etwa, einen jener „alten Haudegen“ (Selbstdefinition), die mit dem Nationalteam schon ganz andere Zeiten erlebt haben, konnte man in der Mixed Zone losgelöst wie selten zuvor erleben. „Jahrelang sind wir für unsere harte Arbeit nicht belohnt worden, immer wieder sind wir mit leeren Händen dagestanden“, so der Dauerbrenner auf der linken Abwehrseite. „Deshalb ist das ein unglaublicher Moment für uns alle. Wir haben lange darauf hingearbeitet. Endlich sind wir dafür belohnt worden.“

Jubel der ÖFB-Spieler im Konfettiregen

APA/AFP/Samuel Kubani

Triumphale Momente für das österreichische Team

Die richtige Mischung zwischen Euphorie und deren Bremse will Fuchs auch in Zukunft beibehalten, „auch wenn viele jetzt schon glauben, dass wir Europameister werden. Da muss man schon auch realistisch bleiben“, betonte der ÖFB-Routinier. „Aber wir sind eine schlagkräftige Truppe, die sich vor niemandem verstecken muss.“ Das sah auch ein hochzufriedener Marc Janko so. „Wir wollen uns keine Grenzen setzen“, meinte der Doppeltorschütze gegen die Liechtensteiner, der Österreich mit insgesamt sieben Toren in der Quali zur EM schoss. „Und wir haben noch Luft nach oben.“

„Jeder hat an den Erfolg geglaubt“

Florian Klein sprach nach dem neunten Sieg im zehnten und Qualimatch von einer „herausragenden Leistung“ über die letzten zwei Jahre. „Die Art und Weise, wie wir unsere Spiele gewonnen haben - darauf kann man stolz sein.“ Von der Entwicklung der Mannschaft angetan zeigte sich auch Abwehrchef Aleksandar Dragovic. „Ein Riesenkompliment an alle“ sprach der einmal mehr fehlerfreie Innenverteidiger seinen Kollegen aus. „Wir haben kein Spiel verloren, jeder hat an den Erfolg geglaubt“, so der Kiew-Legionär. „Bei der EM beginnt alles wieder bei null. Aber jetzt genießen wir einmal dieses unbeschreibliche Gefühl.“

Die Spieler des Nationalteams mit einem Banner nach Ende des Fußball EM-Qualifikationsspieles zwischen Österreich und Liechtenstein

APA/Roland Schlager

Die großartige Stimmung bei den Heimspielen war ein Erfolgsfaktor

Das wollte auch Zlatko Junuzovic, wie Janko und Dragovic einer der wichtigsten Spieler in dieser so erfolgreichen Qualifikationsphase. „Es ist ganz speziell, mit der Nationalmannschaft so etwas zu erleben: dass der Weg, den wir gemeinsam eingeschlagen haben, jetzt so erfolgreich ist“, sagte der wie seine Kollegen sehr emotionale Bremen-Legionär. „Das ist das bisherige Highlight in meiner Karriere - und von vielen in der Mannschaft“, so Junuzovic. „Jetzt wollen wir unseren Weg bis zur EM weitergehen. Wir werden uns nicht zurücklehnen. Der Zusammenhalt muss noch stärker werden, die Qualität noch besser.“

Koller: „Freue mich für Österreich“

Was große Erfolge betrifft, ist David Alaba mit einem Champions-League-Triumph und zahlreichen weiteren Titeln als Bayern-Legionär schon in jungen Jahren erfahren. Die Feier vor 48.500 Fans im Prater-Hexenkessel hatte aber auch Österreichs Fußballer des Jahres schwer beeindruckt. „Unbeschreibliche, unglaubliche Momente“ habe er erlebt, sagte Alaba nach dem Schlusspfiff. „Das ist ganz besonders für mich, für die Mannschaft und das ganze Land. Bis zur EM ist es noch weit, aber das wollen wir jetzt genießen.“

Die Gefühle von Alaba hatten sich schon auf der aufgebauten Stadionbühne in einem ausgelassenen Tänzchen zu den Klängen von „Samsara“ von Tungevaag & Raaban geäußert. Richtig verausgabt hatte sich der Bayern-Legionär dabei aber nicht. „Das waren nur 50 Prozent“, beteuerte Alaba. Die Electro-House-Nummer sei „geil zum Auszucken“, sagte der gebürtige Wiener - und Dragovic bezeichnete den Song sogar als „Hymne der Nationalmannschaft“.

ÖFB-Teamchef Marcel Koller überschüttet David Alaba und Marko Arnautovic vor Fotografen mit Bier

APA/Robert Jäger

Koller konterte die Bierduschen von Arnautovic und Alaba bravourös

Martin Harnik grübelte im Spaß darüber, wie man die Feierlichkeiten im Falle des EM-Titels im nächsten Sommer noch übertreffen könne. „Aber wir wissen, wo wir herkommen“, meinte der Stuttgart-Stürmer wieder im Ernst. „Für uns ist eine Qualifikation für die EM keine Selbstverständlichkeit.“ Wem man das alles zum Großteil zu verdanken hatte, wussten Spieler wie Fans: Als Koller bei der Siegesparty auf den Rasen geholt wurde, tobte das Stadion. „Wir können froh sein, solche Jungs zu haben, die so spielen und so einen Teamgeist haben“, lenkte der Schweizer die Komplimente auf das Team. „Ich freue mich für Österreich. Mein Ziel war, Fans und Mannschaft zusammenzuführen, und das hat geklappt.“

Harald Hofstetter, ORF.at

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