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Einige Prozentpunkte fehlen

Die österreichischen Nationalspieler haben nach dem 0:2 im letzten Test vor der EM gegen die Niederlande am Samstag versucht, das Ergebnis einzuordnen. Der Tenor: Alles halb so schlimm, bei der EM werde man anders, besser auftreten. „Ich habe genauso viel Selbstvertrauen wie vorher“, sagte etwa Julian Baumgartlinger, „ich denke, den Kollegen geht es genauso.“

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Als sich die österreichischen Nationalspieler am späten Samstagabend nach dem 0:2 gegen die Niederlande den Journalisten stellten, tat sich eine gewisse Bild-Text-Schere auf: Die Unzufriedenheit mit dem Ergebnis war den Spielern ins Gesicht geschrieben, der eine oder andere wirkte nach der 13-tägigen EM-Vorbereitung müde und genervt. In ihren Aussagen versuchten die EM-Fahrer dagegen, Optimismus angesichts des Frankreich-Abenteuers zu versprühen.

Die Frage, ob die Niederlage gegen „Oranje“ nun ein Weckruf oder ein Dämpfer war, beantworteten die Spieler ganz klar mit: weder noch. „Ich habe genauso viel Selbstvertrauen wie vorher, ich denke den Kollegen geht es genauso. Deswegen bin ich sehr positiv gestimmt“, sagte Neo-Leverkusener Julian Baumgartlinger, der sich als Mittelfeldsechser zwischen den Linien aufrieb. Dass noch einige Prozentpunkte zur EM-Form fehlen, gestand der Ex-Austrianer offen ein. Diese Details zu finden sei die große Schwierigkeit. „Kleine Unachtsamkeiten können das Spiel entscheiden, auch bei der Europameisterschaft“, analysierte der 28-Jährige.

Spielszene Österreich - Niederlande

APA/Herbert Neubauer

Abwehrchef Dragovic: „Das 0:1 hätten wir besser verteidigen können.“

Fehlende mentale Frische als mögliches Problem

Ein Paradebeispiel für Baumgartlingers Befund war die Vorgeschichte zum 0:1 in der neunten Spielminute: ÖFB-Kapitän Christian Fuchs war etwas zu spät bei seinem Gegenspieler und konnte dessen Flanke nur noch abfälschen - und obwohl der Ball mehrere Sekunden in der Luft war, konnten sich ÖFB-Torhüter Robert Almer, Abwehrchef Aleksandar Dragovic und Florian Klein nicht darauf einigen, wer für den Ball zuständig ist. Ergebnis der gedanklichen Trägheit war der Kopfballtreffer von Vincent Janssen, Toptorschütze der niederländischen Eredivisie.

„Das war ein abgefälschter Ball, wir werden das genau analysieren, ob ich rauskommen soll oder wie ich rauskommen soll“, wollte Schlussmann Almer nicht die Alleinverantwortung für den Treffer übernehmen. „Wir haben geglaubt, der Robert kommt heraus, er ist dann im Tor geblieben, da ist es schon passiert. Das hätten wir sicher besser verteidigen können“, analysierte auch Dragovic. Ein Problem für die Stimmung im Team stelle die Niederlage aber nicht dar, glaubt Almer. „Es ist vielleicht gut, dass nicht immer alles super läuft“, betonte der einzige Spieler der österreichischen Bundesliga im EM-Kader.

ÖFB-Team von „Oranje“-Taktik überrascht

Ein weiteres Problem dürfte in der überraschenden Taktik der Niederlande bestanden haben, wie Österreichs bester Mann auf dem Platz - Marko Arnautovic - ausführte. „Sie haben uns ausgeguckt, auf Konter gespielt und das gut gemacht. Darauf waren wir nicht vorbereitet. Wir haben gedacht, dass sie auch versuchen werden, das Spiel zu machen.“ Insgesamt bilanzierte der Stoke-Legionär gemischt. „Es war ein Up und Down, im Großen und Ganzen können wir aber mit dem Resultat nicht zufrieden sein.“

Spielszene Österreich - Niederlande

GEPA/Mario Kneisl

Regisseur Junuzovic freut sich nach dem 0:2 auf die zweitägige Pause

„Wir haben verloren, darauf können wir nicht stolz sein. Wir haben keine Sorge, aber natürlich muss mehr kommen“, zog Dragovic, der selbst keinen allzu guten Tag hatte, ein ähnliches Resümee und ergänzte: „Wir brauchen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken. Die Generalprobe haben wir verpatzt, und es heißt ja, das ist ein gutes Omen.“ Immerhin, konstatierte Baumgartlinger, „hat es keine groben taktischen Fehler gegeben. Das darf man nicht überbewerten.“

Regisseur Zlatko Junuzovic sah immerhin drei Punkte, die es zu verbessern gilt. „Wir müssen auf Konter aufpassen, kompakter sein. Und die Entschlossenheit, dass wir Tore machen wollen, ist extrem wichtig.“ Nach der Niederlage sei das Team zwar „ein bisschen betrübt“, das tue der Vorfreude auf die EM aber keinen Abbruch, wie der Kärntner betonte. „Das Gefühl ist gut, wir freuen uns, wenn der Fokus ganz auf dem Turnier liegt.“

Regenerieren, abschalten, ausrasten

Dass mitunter auch die mentale Frische fehlte, gaben die Spieler offen zu. Zwei freie Tage mit den Familien wurden ihnen nun zugestanden, ehe die ÖFB-Abordnung vom Bundeskanzler in Richtung Frankreich verabschiedet wird. Zeit, die jeder auskosten möchte, um sich danach ganz auf das EM-Auftaktspiel gegen Ungarn am 14. Juni zu fokussieren.

„Aus diesen zwei Tagen will ich das Beste machen, damit wir bereit nach Frankreich fliegen“, sagte Junuzovic, der die Zeit in Graz verbringen wird. Dragovic will „regenerieren“, Baumgartlinger „abschalten“. Arnautovic plant, „auszurasten und mir ein paar Sachen zu überlegen, die ich besser machen kann“. Dazwischen will er vorwiegend nichts tun - und in Wien bleiben, wie er sagte: „Oder habt ihr geglaubt, ich fliege nach Ibiza?“

Mario Wally, ORF.at

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