Immer wieder Rückschläge
Die Professionalität schreitet voran, das öffentliche Interesse wird schön langsam größer: Vor dem Start der EM in den Niederlanden am 16. Juli ist klar, dass der Frauen-Fußball eindeutig im Aufwind ist. Die Entwicklung ging allerdings alles andere als rasch voran, immer wieder mussten in der Vergangenheit hohe Hürden übersprungen werden, um in der Männerdomäne Schritte vorwärts machen zu können.
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Die Anfänge gehen auf das Jahr 1895 zurück, in dem Nettie Honeyball das „Erste Frauen-Fußballspiel“ zwischen Teams aus Nord- und Südengland in Middlesex veranstaltete. Von England ausgehend fanden bis zum Ersten Weltkrieg und danach zunehmend mehr Frauen Gefallen an dem Sport. Aber vor allem Vorurteile verhinderten eine schnelle Entwicklung. Fußball sei für Frauen nicht geeignet oder unpassend, war damals die vorherrschende Meinung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging wieder mehr weiter. Was allerdings blieb, waren Probleme.

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Nettie Honeyball gründete die erste Frauen-Fußballmannschaft Englands
Große Widerstände
1955 wurde etwa die Dutch Ladies Soccer Association gegründet, der niederländische Verband (KNVB) hatte seinen Mitgliedsvereinen allerdings die Anweisung gegeben, den Frauen die Einrichtungen nicht zugänglich zu machen. Auch in Deutschland wollten die von Männern geführten Verbände nicht, dass Frauen - angeblich aus Sorge um die Moral und das weibliche Wohlergehen - Fußball spielen. Deshalb gab es gar ein Verbot, das der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erst im Oktober 1970 aufhob, 1973 wurde die erste Meisterschaft ausgetragen.
Zu dieser Zeit entstanden überall in Europa Frauen-Teams. Der Europäische Fußballverband (UEFA) forderte die Nationalverbände auf, die Entwicklung des Frauen-Fußballs in ihren Ländern zu übernehmen, wonach ein Land nach dem anderen seinem Frauen-Fußballverbot ein Ende setzte. In Österreich wurde 1972 eine Frauen-Liga gegründet, es dauerte aber noch bis 1982, bis der Österreichische Fußballbund (ÖFB) den Frauen-Fußball auch offiziell anerkannte.
Erste WM 1991
Ligastrukturen und Wettbewerbe wurden allgemein nach und nach mehr. 1984 holte England den ersten Frauen-EM-Titel, ein großer Meilenstein. 1991 folgte die erste WM in China mit zwölf Teams. 1996 gab es in Atlanta das erste Olympiaturnier, die Goldmedaille sichterten sich die US-Amerikanerinnen mit einem 2:1-Erfolg gegen China. Ein belächelter Sport war es größtenteils da aber noch immer. 2001 gab die Einführung der Champions League, die erst ab 2009/10 unter diesem Namen fungierte und vorher Women’s Cup hieß, einen Schwung.

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Julie Foudy, Michelle Akers-Stahl und Carin Jennings mit dem ersten WM-Pokal
In dem wichtigsten Frauen-Europacup-Bewerb haben bisher Teams aus Deutschland, Schweden, Frankreich und England triumphiert, das sind die vier Ligen, die in Europa, wo es mittlerweile überall Frauen-Ligen gibt, den Ton angeben. In den USA hat sich mittlerweile die National Women’s Soccer League (NWSL) etabliert.
Interesse steigt
Töchter vergangener erfolgreicher Fußballerinnen wachsen heutzutage mit der Sportart auf, mit Ausbildungszentren wie jenem in St. Pölten ist für eine Topausbildung gesorgt. Dass das Interesse wächst, wird auch an Zahlen etwa der EM 2013 deutlich: Mehr als 200.000 Zuschauer in den Stadien, 250.000 in den Fanzonen und 65 Millionen TV-Zuschauer sind herzeigbar. Auch in den Niederlanden dürfte das Interesse groß sein.
UEFA fördert
Daran hat auch die UEFA großen Anteil. Sie fördert den Frauen-Fußball seit Jahren mit diversen Projekten. 2010 wurde das UEFA-Frauen-Fußball-Entwicklungsprogramm (WFDP) ins Leben gerufen, das eine Ausweitung des Sports in ganz Europa auf allen Ebenen ins Auge fasst. Am 1. Juni wurde in Cardiff die auf fünf Jahre angelegte Kampagne „Together #WePlayStrong“ gestartet. Dadurch sollen Teilnehmerzahlen und Popularität weiter gesteigert und Rahmenbedingungen verbessert werden. Ziel ist, dass der Frauen-Fußball zur teilnehmerstärksten Frauen-Sportart in Europa wird.
„Das weltweite Wachsen des Frauen-Fußballs als populärer Mannschaftssport war höchst beeindruckend - und die UEFA ist entschlossen, starke Impulse zu geben, um dem europäischen Frauen-Fußball auch in den kommenden Jahren einen Aufschwung zu verleihen“, sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Dass es diesen bereits gegeben hat, macht der Bericht „Women’s football across the national associations 2016/17“ deutlich, der die Entwicklungen in Europa in den letzten Jahren aufzeigt.
Mehr als 1,27 Millionen Spielerinnen
Die Anzahl registrierter Spielerinnen stieg mittlerweile auf mehr als 1,27 Millionen, 2.853 davon sind Profis oder Teilzeitprofis. Auch die Zahl der qualifizierten Trainerinnen (17.553) und Schiedsrichterinnen (10.200) ist stark im Steigen. Zudem gibt es mittlerweile mehr als 34.000 weibliche Nachwuchsteams, das ist ein Anstieg von 73 Prozent seit 2012/13. Österreich ist einer von 44 Verbänden mit einem Komitee für Frauen-Fußball und einer von 20 Verbänden, der eine Jugendakademie für Mädchen hat. Noch nicht ist Österreich unter den 20 Verbänden, in denen Fußball der beliebteste Frauen-Sport des Landes ist.
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